Die Tagesordnung im Vogelsberger Kreistag war voll von Anträgen zum Klimaschutz. Unter anderem wurde beschlossen, dass der Kreis nun Mitglied der Klimakommune Hessen wird. - Symbolbild: O|N / Laura Struppe

REGION VB Vogelsberg wird Klimakommune

"Nach jahrelangem Nichtstun": Vogelsberger Kreistag von Klimathemen geprägt

16.09.21 - "Wir sind uns bewusst, dass der ländliche Raum - und somit auch der Vogelsbergkreis - einen besonderen Beitrag zum Klimaschutz leisten muss", heißt es im Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD. In der dritten Sitzung des Vogelsberger Kreistages wurde es also ernst: Die Tagesordnung war voll von Anträgen zum Klimaschutz. Unter anderem wurde beschlossen, dass der Kreis nun Mitglied der Klimakommune Hessen wird.

Diesen Antrag hatten die Vogelsberger Grünen gestellt. "Es gibt bereits 17 Landkreise in Hessen, die Mitglied sind. Wir sind also spät dran und gehören zu den letzten", begründete Cornelia Bothe. Mit dem Beitritt verpflichte man sich zu Maßnahmen und Anpassungen für den Klimaschutz. Die Basis für einen Aktionsplan sind Energieverbrauch und Co2-Ausstoß, "jährlich stellt man dann dar, wie weit man gekommen ist und welche Verbesserungen es gebracht hat". Neben dem Vorteil, mit der Mitgliedschaft einen Teil für den Klimaschutz beizutragen, gebe es laut Grünen noch weitere: Förderungen für verschiedene Maßnahmen in der Region oder die Einstellung eines Klimamanagers - alles dafür, damit das Land möglichst früh klimaneutral wird.

Vogelsbergkreis wird Klimakommune in Hessen

Nach der Antragsbegründung meldete sich Landrat Görig zu Wort - der die Mitgliedschaft "als schönen Zug" bezeichnet, dennoch einige Aussagen der Grünen kritisiert: "Nur weil wir noch keine Klimakommune sind, heißt das ja nicht, dass wir die letzten sind. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir in den letzten Jahren viel daran gearbeitet haben, ohne dass wir irgendwo Mitglied waren." Die Zustimmung des Landrats und der Koalition für den Antrag gab es dennoch - so wie auch von den Vogelsberger Linken/Klimaliste: "Das Hauptproblem ist heute, dass es eine große Diskrepanz zwischen Wissen und Handeln gibt. Denn unser Wissen ist da, aber die tatsächliche Umsetzung hinkt hinterher", sagt Michael Riese. Zustimmung gibt es auch von den Freien Wählern: "Wir müssen uns mit diesem Thema intensiver beschäftigen, damit unsere Kinder und Enkel noch auf einer verlässlichen Art und Weise hier leben können." 

Einzig die AfD stimmte gegen den Antrag: Der Fraktion fehlen dafür konkrete Pläne, "wer übernimmt die Bearbeitung, wer wird die Kosten tragen? Wie soll das Ziel auf 0 reduziert werden, ohne Einschnitte ins Leben der Bürger zu machen?", fragte Pascal Schlech. 

"Kampf gegen Klimawandel ist dringendste Aufgabe"

Nachdem dem Antrag zugestimmt wurde, ging es im Kreistag in der Klimadiskussion weiter. Grund: Der Antrag der Fraktion Die Linke/Klimaliste, dass die Auswirkung auf Umwelt und Klima bei den Beschlussvorlagen der Verwaltung für die Gremien des Kreises berücksichtigt werden. "Jede Entscheidung, die wir treffen, müssen wir immer vom Klimaschutz abhängig machen", begründet Patrick Alexander. 

Der Antrag stößt bei vielen auf Ablehnung: "Der Kampf gegen den Klimawandel ist die dringendste Aufgabe. Da dürfen wir uns aber nicht in vielen kleinen einzelnen Maßnahmen verzetteln", findet Patrick Krug von der SPD. "Es würde Arbeitskräfte in der Verwaltung bei jeder einzelnen Entscheidung bündeln und bringt wenig Erkenntnisgewinn. Hier stehen Aufwand und Ertrag in keinem Verhältnis zueinander."

"Nach jahrelangem Nichtstun ein erster Antrag"

Einig waren sich die Parteien bei dem Antrag der Koalition, eine Bestandsaufnahme für die kreiseigenen Liegenschaften zu machen. Eine Planung soll vorgelegt werden, wie die Umstellung der Wärmeerzeugung auf regenerative Energien forciert werden kann. Auch wenn der Antrag auf Zustimmung bei Dietmar Schnell von den Linken trifft, gab es von ihm dennoch einen Seitenhieb in Richtung Koalition: "Seit Jahren des Nichtstuns und Ignoranz legen CDU und SPD einen allerersten Antrag vor. Doch dieser Antrag wird der Aufgabe, vor der wir stehen, in keiner Form gerecht. Das Hochwasser war erst der Vorgeschmack auf das, was uns erwartet."

Ulf Immo Bovensmann von den Freien Wählern legte noch einen drauf und sorgte für ein paar Lacher - sogar beim Landrat selbst: "Eigentlich haben wir erwartet, dass die Kreisverwaltung das eigenständig macht. Aber ist es ja schön, wenn jetzt Herr Paule gemeinsam mit der CDU und SPD kommt und die Richtung beschließt, was der Landrat zu machen hat und auf den richtigen Weg kommt." Für die Freien Wähler sollte so eine Umstellung Standard sein - auch deshalb stimmten sie zu. (ld) +++


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