Kardinal Rainer Maria Woelki predigte am Donnerstagmorgen im Fuldaer Dom - Fotos: Martin Engel

FULDA Deutsche Bischofskonferenz

Predigt von Kardinal Rainer Maria Woelki in der Eucharistiefeier

23.09.21 - In der Eucharistiefeier am Donnerstag zur Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz predigte Kardinal Rainer Maria Woelki im Fuldaer Dom. Seine Predigt hierzu im WORTLAUT:

"Liebe Schwestern, liebe Brüder, im heutigen Evangelium begegnen wir Herodes Antipas. Unter den Römern durfte er damals als Tetrarch über Galiläa und Peräa herrschen. Herodes Antipas ist nicht zu verwechseln mit seinem Vater Herodes, dem Kindsmörder von Betlehem. Allerdings ist auch er kein Gerechter. Das hatte schon Johannes der Täufer festgestellt. Bei Lukas heißt es dazu: "Johannes tadelte den Tetrarchen Herodes wegen Herodias, der Frau seines Bruders, und wegen aller Schandtaten, die er verübt hatte." (Lk 3,19) Am Ende musste der Täufer das mit seinem Leben bezahlen. Herodes lässt ihn – wenn auch etwas unwillig – enthaupten.

Und dann? Dann taucht da mit einem Mal dieser neue Prophet auf: Jesus. Irritiert fragt Herodes: "Wer ist dieser Mann, von dem man mir solche Dinge erzählt?" und sinniert über die außergewöhnlichen Dinge, die er über Jesus hört. Viele Gerüchte und Spekulationen gehen um. Geredet wurde und wird zu allen Zeiten immer schon viel. Gestimmt hat zumeist nichts, bestenfalls wenig. Aber die Neugier des Herodes, die ist geweckt. "Er hatte den Wunsch, ihn einmal zu sehen", heißt es heute im Evangelium. Und tatsächlich: Herodes wird dieser Wunsch erfüllt. Die Passionserzählung des Lukasevangeliums berichtet von dieser Begegnung: "Herodes freute sich sehr, als er Jesus sah; ... Nun hoffte er, ein von ihm gewirktes Zeichen zu sehen. Er stellte ihm viele Fragen, doch Jesus gab ihm keine Antwort" (Lk 23,8 f.).

Diese unbefriedigende Begegnung löst augenscheinlich Frustration und Ärger aus. "Herodes und seine Soldaten zeigten ihm offen ihre Verachtung. Er trieb seinen Spott mit Jesus, ließ ihm ein Prunkgewand umhängen und schickte ihn so zu Pilatus zurück" (Lk 23,11). Das Ende kennen wir alle.

Der Wunsch des Herodes, Jesus zu sehen, dieser Wunsch ist offensichtlich ein anderer als der vieler anderer Menschen. Wie beispielsweise der des Propheten Simeon. Als Simeon im Tempel dem unscheinbaren Kind Jesus begegnet, ruft er voller Freude aus: "Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast" (Lk 2,29 f.). Auch die Berufungen der Jünger weisen auf eine ganz andere Sehnsucht nach einer Begegnung mit Jesus hin. Wie vom Blitz getroffen, lassen manche alles stehen und liegen und folgen Jesus nach. Die Bedeutung, die Jesus für sie erhält, geht so weit, dass Petrus bei der Frage, ob sie, die Jünger, denn nicht auch gehen wollten, meint: "Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens" (Joh 6,68).

Die Begegnung mit Jesus kann wandeln, verwandeln. Sie kann dazu führen, dass man noch mehr will: Gemeinschaft mit Ihm. Gemeinschaft mit Gott. Immer mehr. Weil Er Worte ewigen Lebens hat. Weil wir in Ihm und in einem Leben mit Ihm die Erfüllung aller Sehnsüchte nach Heil, nach Glück, nach vollkommener Freude finden können. Deshalb kann die Begegnung mit Jesus das Leben wandeln.

Bei Herodes aber: Keine Wandlung. Und warum nicht? Weil dieser dafür blind zu sein scheint, dass er in Jesus dem Messias und seinem Gott begegnet. Von Ehrfurcht keine Spur. Noch nicht einmal Achtung vor dem Gegenüber. Keine Anerkennung als Mensch. Nur Verachtung und Spott. Sein Wunsch war augenscheinlich nichts anderes als reine Sensationslust. Neugier und Faszination im besten Fall. Bewegt und verändert hat ihn die Begegnung mit Jesus nicht. Eine Wandlung des Lebens wie bei vielen der Jünger ist ausgeblieben. Er bleibt in seinem Leben gefangen.

Mit dem Heiligen des heutigen Tages scheint es mir manchmal in gewisser Weise ganz ähnlich. Bereits zu Lebzeiten berichtete man von ihm große Wundertaten. Skurriles. Faszinierendes. Irritierendes. Manch einer wird angesichts dessen den Wunsch gehabt haben, ihn einmal zu sehen. Zu sehen, wer dieser Mann ist, von dem man solch wundersame Dinge erzählt, dass er einen Blinden geheilt habe, selber gar die Wunden Christi trage und Beichtenden ihre Sünden benennen könne. Für Pater Pio gilt wohl, was auch für seinen Meister gilt: Es kommt in erster Linie nicht auf solche Dinge an. Es geht nicht darum, die Sensationslust von Menschen zu befriedigen – auch wenn sein Leben da genügend Stoff bieten würde. Würde man Pater Pio nur mit einer solchen Neugierde begegnen und nicht das Dahinterliegende erkennen, dann ginge man an dem vorbei, was Pater Pio selbst bewegte. Denn ihm ging es immer nur um eines: Menschen die Begegnung mit Christus zu ermöglichen, ein Leben mit Ihm. Stundenlang, tagelang sitzt er dafür im Beichtstuhl, führt Beichtgespräche und begleitet Menschen geistlich in ihrem Leben.

Persönlich führt er ein gottergebenes Leben in bewundernswerter Einfachheit. Fast nebenbei gründet er ein Krankenhaus. In seiner umtriebigen Sorge um die Menschen scheint die Sorge Christi selbst auf. In seinem Wirken kann man das Wirken Jesu erkennen. Ginge es nur um Sensationslust, wäre man blind für das Wirken Gottes, der die Menschen durch all das zum Besseren wandeln, zur Gemeinschaft mit Ihm und zur vollkommenen Freude führen möchte. Lassen wir uns, liebe Schwestern, liebe Brüder, deshalb in unserem Leben nicht durch Äußerlichkeiten beeindrucken und davon abbringen, nach der Gemeinschaft mit Gott und seinem Willen hinter den Dingen zu fragen und zu suchen. Denn dort allein finden wir das Leben, das wahrhaft leben lässt. Amen. (pm) +++


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