Die Preise für Gas und Öl steigen aktuell rapide - Symbolbilder: Pixabay

REGION Das wird richtig teuer!

Preisexplosion bei Gas und Öl: Osthessen müssen wohl tief in die Tasche greifen

07.10.21 - Das könnte ein richtig harter Winter werden: Aktuell bereiten jedoch nicht die Temperaturen Sorge, sondern die stetig steigenden Preise für Gas und Öl. Deutsche Haushalte müssen im kommenden Winter fürs Heizen nämlich deutlich tiefer in die Tasche greifen. Die Gaskosten sind im Jahresvergleich um mehr als ein Viertel gestiegen, die Preise für Heizöl legten um knapp 87 Prozent zu. Das zeigt eine Auswertung des Vergleichsportals Verivox. Doch, wie reagieren heimische Energieversorger auf die Preisexplosion? OSTHESSEN|NEWS hat nachgefragt.

Die Gaskosten für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden liegen im Oktober 2021 bei durchschnittlich 1.402 Euro pro Jahr. Vor 12 Monaten lag der durchschnittliche Gaspreis noch bei 1.094 Euro. Das entspricht auf Jahressicht einem Plus von 28,2 Prozent. Für diese Preisrallye ausschlaggebend sind in erster Linie die galoppierenden Großhandelspreise. An den Spotmärkten, wo Gas kurzfristig gehandelt wird, haben sich die Kosten für Erdgas im Jahresvergleich versiebenfacht. Aktuell werden für eine Megawattstunde knapp 98 Euro bezahlt. Zum Vergleich: Im langjährigen Mittel bewegt sich der Preis je Megawattstunde zwischen 10 und 25 Euro.

Preise um 146 Prozent gestiegen

Die Einfuhrpreise für Erdgas, die vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle gemessen werden, sind in den vergangenen 12 Monaten um 146 Prozent gestiegen. Lag der Grenzübergangspreis im Juli 2020 für eine Megawattstunde Erdgas bei 8,67 Euro, so kostete die gleiche Menge im Juli 2021 bereits 21,29 Euro.

Als Gründe dafür für die besorgniserregenden Preissprünge im Großhandel sind zum einen der hohen Nachfrage aus Asien, zum anderen den gedrosselten Liefermengen aus Russland geschuldet. Darüber hinaus treiben die CO2-Preise im europäischen Emissionshandel, die ebenfalls steil nach oben gehen, die Preisentwicklung.

Vor allem Gasversorger, die sich kurzfristig mit Gas eindecken müssen, kommen in Zugzwang. Für September, Oktober und November haben viele deutsche Gasanbieter Preiserhöhungen von durchschnittlich 12,9 Prozent angekündigt oder bereits durchgeführt. Bei einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh entspricht das Mehrkosten von rund 189 Euro pro Jahr. Neben den höheren Großhandelspreisen steigt allerdings auch der CO2-Preis für fossile Brennstoffe zum Jahreswechsel von 25 auf 30 Euro pro Tonne weiter an. In den kommenden Wochen werden also weitere, weit größere Erhöhungen erwartet.

Das sagen osthessische Energieversorger

Ob auch Fuldas größter Energieversorger, die RhönEnergie die Kosten bald kräftig anzieht, ist noch nicht klar. "Die in Europa auf breiter Front ansteigenden Einkaufspreise für Erdgas verfolgen wir mit Sorge: Seit Jahresbeginn hat sich der Gaspreis im Großhandel mehr als verdreifacht. Welche Auswirkungen diese besondere Dynamik auf unsere Energiepreise für 2022 haben wird, prüfen wir derzeit noch."

Auch die Oberhessischen Versorgungsbetriebe (OVAG), die viele Kunden im Vogelsbergkreis mit Gas beliefern, wollen sich derzeit noch nicht festlegen. "Wir können zu der Frage konkret erst Ende Oktober / Anfang November Stellung nehmen. Zwar sind auch für uns die Beschaffungskosten enorm gestiegen, jedoch müssen wir abwarten, wie sich die gesetzlichen Abgaben und Umlagen (z.B. EEG und Netzentgelte) entwickeln; dies wird jedoch erst im Laufe der kommenden Wochen bekannt gegeben."

Heizöl verteuert sich um 86,5 Prozent

Auch Heizölkunden stehen aufgrund von gestiegenen Rohstoffpreisen vor einem teuren Winter. Kostete leichtes Heizöl im Oktober 2020 im Mittel 42,45 Euro pro Hektoliter, sind es zum Start in die Heizsaison 79,19 Euro. Das entspricht einem Kostenanstieg von 86,5 Prozent. Für einen Musterhaushalt (20 Hektoliter) bedeutet das jährliche Mehrkosten von 735 Euro.

Der schmerzhafte Preissprung ist in erster Linie der weltweiten Erdölnachfrage geschuldet. Diese ist mit dem Wiederaufleben der Wirtschaft regelrecht explodiert und hat die Ölpreise nach oben getrieben. Die für Europa wichtige Rohölsorte Brent legte im Jahresvergleich um rund 86 Prozent zu. Seit dem Preistief im April 2020 hat sich der Ölpreis beinahe verfünffacht. Der neu eingeführte CO2-Preis belastet Verbraucher zusätzlich. (mr/pm) +++


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