Der Angeklagten wird zur Last gelegt, ihren Sohn missbraucht zu haben - Fotos: mr

FULDA Angeklagte muss von Polizei gebracht werden

Prozessauftakt: Mutter soll mehrfach mit 12-jährigem Sohn geschlafen haben

28.10.21 - Es war ein schwieriger Prozessauftakt am Fuldaer Landgericht: Mit zweistündiger Verspätung startete die Verhandlung gegen eine Mutter, der vorgeworfen wird, mit ihrem damals zwölfjährigen Sohn Beischlaf vollzogen zu haben.

Zum anberaumten Termin um 9 Uhr war die Angeklagte nicht erschienen, eine Polizeieskorte musste die 38-Jährige an ihrem Aufenthaltsort in der Rhön abholen. Zur Entschuldigung gab die Beklagte an, weder die gerichtliche Vorladung noch Korrespondenz von ihrem Anwalt erhalten zu haben. "Mein Name steht nicht auf dem Briefkasten", ließ sie sich ein. Der gelernten Altenpflegehelferin, die heute in einer Bäckerei als Verkäuferin arbeitet, wird zur Last gelegt, in der Zeit von Juli 2014 bis März 2017 in Petersberg in fünf Fällen mit ihrem im Februar 2002 geborenen Sohn geschlafen und in weiteren drei Fällen sexuelle Handlungen an ihm vorgenommen zu haben.

Die Mutter von insgesamt fünf Kindern gab an, beide Töchter und die drei Söhne im Jahr 2009 oder 2010 – genau konnte sie es nicht sagen – in Obhut gegeben zu haben. Sohn J., der, wie zwei seiner Geschwister ab diesem Zeitpunkt in einem Kinderheim lebte, habe sie regelmäßig, etwa ein Mal im Monat, besucht.

Der Tatvorwurf

Staatsanwältin Lambiel ging näher auf den Tatvorwurf ein. Demnach soll sich die Mutter im Jahr 2014, als Sohn J. über das Wochenende bei ihr war, erstmals neben ihn auf das Sofa gesetzt und angefangen haben, ihm das Knie zu streicheln. Anschließend, so wird ihr vorgeworfen, habe sie den Jungen geküsst und ausgezogen. Nachdem sie sich selbst ihrer Kleidung entledigt habe, hätte sie das Kind auf das Bett im Schlafzimmer gedrückt und sein erigiertes Glied in ihre Scheide eingeführt. Ähnliche Taten hätten sich in mindestens sieben weiteren Fällen zugetragen.

Die angeklagte Mutter, die erst angab, zu den Vorwürfen "nichts sagen zu können", änderte ihre Meinung nach wenigen Minuten. Sie könne sich die Vorwürfe nicht erklären und habe das alles nie getan. "Ich bin als Kind selbst sexuell missbraucht worden, erklärte die gebürtige Bayerin, die zur Zeit der vorgeworfenen Taten in Petersberg lebte. Natürlich habe sie ihre Kinder mal in den Arm genommen, sexuelle Absichten hätte sie dabei allerdings nie gehabt.

"Sie führen ein unstetes Leben"

Ausführlich ging Richter Krug auf das Leben der Frau ein. Während der Befragung stellte sich heraus, dass die 38-Jährige seit mindestens zwei Jahren ohne festen Wohnsitz ist. "Ich lebe aktuell in der Rhön, bin dort aber nicht gemeldet." Die letzte richtige Adresse habe sie in Petersberg gehabt. Dort sei ihr, nicht zuletzt wegen eines Brandes, gekündigt worden. "Das Feuer war keine Absicht, ich bin dafür aber auch schon bestraft worden", gab sie an. Außerdem hätte sie die Miete nicht mehr zahlen können.

Vor rund zehn Jahren habe sie ihre Kinder in Obhut gegeben, nachdem ihr damaliger Ehemann und Vater der Kinder eines der Mädchen körperlich gezüchtigt hätte. "Ich dachte mir immer, solange er nur mich schlägt, ist das ok. Dass er einem der Kinder aber den Hintern versohlt hat, war für mich der ausschlaggebende Punkt, sie wegzugeben." In der Anfangszeit habe sie kein Kontakt zu ihren Söhnen und Töchtern gesucht, auch wegen ihrer Drogensucht. "Ich nahm Speed und rauche bis heute gerne einen Joint". Irgendwann seien wieder Besuche entstanden, vorzugsweise von Sohn J. Sein Bruder D. ("er war mein Lieblingskind, zwischen uns bestand eine ganz besondere Bindung") sei nur ein oder zwei Mal bei ihr gewesen, einer Tochter habe sie selbst einen Besuch abgestattet. Obwohl sie alle ihre Kinder liebe, gab sie an, "hätten die letzten beiden wirklich nicht mehr sein müssen."

Der Ex-Freund: "Wir hatten eine schöne Zeit"

Der damals zwölfjährige J. sei bei ihr bei seinen Besuchen auch über Nacht geblieben. "Die ersten eineinhalb Jahre habe ich in Petersberg alleine in einer Dachgeschosswohnung gewohnt, danach zog mein Freund zu mir und wir übernahmen das gesamte Haus." Dort habe J. sogar ein eigenes Zimmer gehabt. "Wenn er da war, hat er viel am Handy gehangen oder am Computer gespielt." Generell beschreibt sie ihr Verhältnis zu ihrem Kind als normal. Als Zeuge war am Donnerstag auch besagter Freund geladen. Er erklärte, seit ungefähr 2018 von der Angeklagten getrennt zu sein. "Sie hat irgendwann per Sms mit mir Schluss gemacht, weil sie einen Neuen hatte." Dennoch habe er noch ein Jahr mit ihr zusammengewohnt. "Schlussendlich merkte ich, dass mir das schadet, also bin ich zurück zu meinen Eltern gezogen." Der Ex-Freund beschrieb die Angeklagte als liebevolle und fürsorgliche Mutter. "Mir ist nie etwas anderes aufgefallen, wir hatten eine sehr schöne Zeit."  Allerdings räumte er ein, berufsbedingt oft wenig zuhause gewesen zu sein.

Zu allen Kindern hat die Angeklagte seit mindestens zwei Jahren keinen Kontakt mehr. "Ich könnte ihnen nicht selbstbewusst gegenübertreten." Warum Sohn J. plötzlich nicht mehr bei ihr erschienen sei, wisse sie nicht. Auf die Frage hin, ob sie sich nicht daran erinnern könne, dass J. nach den ausgebliebenen Besuchen noch Kontakt per Whatsapp mit ihr gesucht habe, antwortete die Mutter: "Ich habe meine Handynummer oft gewechselt, wahrscheinlich kamen die Nachrichten von ihm gar nicht mehr bei mir an."

Die Anhörung des Sohnes erfolgte auf dessen Wunsch unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Auch seine Mutter musste den Sitzungssaal verlassen. Die Verhandlung wird in der kommenden Woche fortgesetzt. (mr) +++


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