- Fotos: Hans-Peter Ehrensberger

BAD KISSINGEN Turbulenzen beim Bayerischen Roten Kreuz

Kissinger Komödienstadel: Rettungsorganisation versinkt im Chaos

13.11.21 - Es rumort. Es kracht. Die Stimmung ist gereizt -  beim Kreisverband Bad Kissingen des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK). Die Nerven liegen bei einigen Mitgliedern derart blank, dass man als Journalist vom Hof "gedrängt" wird, nur wenn man höflich danach fragt, ob man ein unverfängliches Foto von einem Rettungsfahrzeug machen darf. Aber der Reihe nach und mit dem Versuch, einer Erklärung für diese kräftigen Turbulenzen, die zuletzt fast schon Züge einer "klassischen Tragödie" mit mehreren Akten angenommen haben, mit offensichtlich ganz viel Aversionen und Emotionen, mit öffentlichen Anschuldigungen und verbandsinternen Verteidigungs-Strategien, mit Petitionen und Petitessen, mit ehrenamtlich gewählten Vereinsvorständen und hauptamtlichem Personal. Mit Gewinnern und Verlierern!

Erster Akt.

Da bestimmt ein dreiköpfiger, ehrenamtlich jahrelang amtierender Vereinsvorstand des Kreisverbandes Bad Kissingen im Bayerischen Roten Kreuz (BRK) am 1. September 2021 eine neue hauptamtliche Geschäftsführerin. Margit Schmaus. Aus Bad Brückenau. Laut beruflicher Vita, diversen Beschäftigungs-Nachweisen und entsprechend positiven Empfehlungen aus vergleichbaren Gesundheitseinrichtungen und Kliniken hochqualifiziert. Um dieser nach knapp zwei Monaten am 28. Oktober 2021 wieder zu kündigen…

Zweiter Akt.

Am 29. Oktober 2021 stellt der oberste Dienstherr nach Intervention des BRK-Bezirksverbandes, der Präsident des Bayerischen Roten Kreuzes in München, Theo Zellner, per "Weisung" (so der Terminus technicus) wegen eines Verstoßes der Vorstandschaft gegen die Satzung und um Schaden vom Kreisverband abzuwenden Frau Schmaus wieder ein…

Dritter Akt.

Der dreiköpfige Vereinsvorstand schmeißt daraufhin hin, tritt komplett zurück. Der Verein ist bis zur Einsetzung eines kommissarischen Vorstandes und bis zur Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung innerhalb der nächsten Monate quasi führungslos.

Vierter Akt.

Florian Kress, Bereitschaftsleiter der Rotkreuz-Bereitschaft Bad Brückenau, beruft am Abend des 5. November eine Info-Veranstaltung in die örtliche Mittelschule ein. Von 100 Ehrenamtlichen sprechen sich 95 Prozent für Margit Schmaus aus, wundern sich über den aktuellen Beschluss der (mittlerweile nicht mehr amtierenden) Vorstandschaft, kritisieren massiv deren jahrelang verworrene, meistens jedoch nicht vorhandene Informationspolitik und hoffen endlich auf eine offene interne Kommunikation und nicht eine über ad hoc-Medien-Veröffentlichungen. Kress: "Von den vom früheren Vorstand gegen Frau Schmaus erhobenen Vorwürfen hätten wir gerne direkt erfahren. Ich habe mit einem maßgeblichen Arzt gesprochen, der hat sie als sehr gute Führungskraft beschrieben, die von ihren früheren Arbeitgebern immer im Guten geschieden ist. Auch den Ehrenamtlichen gegenüber hat sie sich von Anfang an sehr offen gezeigt, hat deren Stimmungslage ausgelotet, war zuletzt aber überwiegend mit Themen im Hauptamt beschäftigt."

Fünfter Akt.

Für das Hauptamt spricht Christian Kliem, Personalratsvorsitzender im BRK-Kreisverband Bad Kissingen. Der Notfallsanitäter konstatiert eine "gewisse Verunsicherung" unter den 240 hauptamtlich Beschäftigten, macht aber auch "eine klare positive Stimmung der Mehrheit pro Frau Schmaus" aus. Deren strategische Ausrichtung stimme, man habe freilich noch viel Arbeit vor sich, um ein dauerhaftes internes Agreement und einen Ausgleich zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen zu finden. "Die Infos der alten Vorstandschaft waren nur heiße Luft, bloßes Blablabla, schade, dass es dazu kam, dass der Landesverband inklusive Präsident eingreifen musste", wird Kliem deutlich. "Wir schauen mit der alten und neuen Kreisgeschäftsführerin  Margit Schmaus positiv in die Zukunft, eine Dauerlösung mit ihr ist das Beste."

Epilog.

Die Moderatoren-Rolle in diesem "Kissinger Komödienstadel" fällt vorerst dem BRK-Landesverband in München zu. Denn die Kündigung durch den Kreisverband war laut Rot-Kreuz-Satzung nicht nur rechtlich nichtig, sie hätte auch im Falle von möglichen juristischen Abfindungs-Streitigkeiten teures Geld kosten können. Darauf habe man die alte Vorstandschaft mehrfach hingewiesen, sei aber weitgehend auf taube Ohren gestoßen, informiert Pressereferent Sohrab Taheri-Sohi auf O|N-Anfrage. Man höre in der "von beiden Seiten sehr emotional geführten Diskussion" eine große Solidarität für und 80-prozentige Präferierung von Frau Schmaus heraus. Die Tatsache, dass die Geschäftsführerin Anfang September mit einer Zweidrittelmehrheit durch den alten Vorstand ins Amt gesetzt und dann nur zwei Monate später wieder rechtlich unwirksam gekündigt wurde, sei beim Landesvorstand schlichtweg auf Unverständnis gestoßen. Unter Wahrung gesetzlicher Vorschriften, um den Kreisverband Bad Kissingen vor Schaden zu bewahren, vor allem aber im Hinblick auf einen fortwährend funktionierenden Rettungsdienst, der bei Frau Schmaus oberste Priorität genieße, habe man unter Abwägung aller Fakten nur zu dieser, "keinesfalls  leichtfertig getroffenen Entscheidung" kommen müssen. Taheri-Sohis Schlusswort, Fazit und Hoffnung gleichermaßen: "Das gelingt aber nur, wenn die Mitarbeiter im  Rot-Kreuz-Kreisverband Bad Kissingen endlich erkennen, dass Hauptamt nicht ohne Ehrenamt, Ehrenamt nicht ohne Hauptamt funktionieren kann", so der Leiter Kommunikation vom Rot-Kreuz-Verband in der bayerischen Landeshauptstadt.

Auf die Frage von O|N, "wie stellen sich aus Ihrer Sicht die Querelen dar, die zum gleichzeitigen Rücktritt  aller Vorsitzenden des Vorstandes führten?", antwortete Schmaus wortwörtlich wie folgt: "Ich persönlich beteilige mich an keinen Querelen. Ich wurde mit der erforderlichen Zweidrittel-Mehrheit von demselben Kreisvorstand am 27. Juli 2021 zur Kreisgeschäftsführerin ernannt, der mich dann wenige Wochen später aufgrund nicht nachvollziehbarer Gründe und Vorhaltungen aus dem Amt entheben wollte." Weiter führt Schmaus aus: "Offenheit, Ehrlichkeit, Transparenz und Wertschätzung sind für mich wichtige Schlüssel in meinem Leben, die mich auch in der Tätigkeit als Kreisgeschäftsführerin stets leiten. Daher freue ich mich, dass ich derzeit eine so große Solidarität von fast der gesamten hauptamtlichen Belegschaft und sehr vielen Ehrenamtlichen des Kreisverbandes Bad Kissingen und darüber hinaus erfahre. In der aktuellen Phase der Pandemie drängen uns als BRK sehr große Themen."

Warum einzelne Mitglieder des Kreisvorstandes zurückgetreten seien? Schmaus: "Da müssen Sie die besagten Personen bitte selbst fragen, dafür fehlt mir aktuell die Zeit! "(Hans-Peter Ehrensberger) +++


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