Bei einer Probefahrt wurde der Rollstuhl auf seine Einsatzfähigkeit getestet. - Fotos: Lea Hohmann

FULDA Wander- und Geländerollstuhl vorgestellt

Trotz Gehbehinderung die hessischen Gipfel erklimmen - Natur neu entdecken

11.01.22 - In einem Rollstuhl sitzend die Milseburg in der Rhön oder gar die Alpen erklimmen - für viele Menschen mit Gehbehinderung nahezu unvorstellbar. Doch genau diesen Traum möchte Guido Schneider aus Fulda wahr werden lassen. In der Festscheune von antonius stellte der Fuldaer am Montagnachmittag einen sogenannten Wander- und Geländerollstuhl vor. Der Familienvater hat selbst zwei Kinder, die durch eine muskuläre Krankheit in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Nach langer Suche und Recherche ist er auf den Rollstuhl der ganz besonderen Art gestoßen. Dieser soll insbesondere Menschen mit einer Gehbehinderung ermöglichen, die Natur auch abseits der Wege zu entdecken. 

Guido Schneider

Manfred Hagemann vom Deutschen Alpenverein

"Es ist notwendig, sich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen. Meine Beweggründe sind einzig und alleine die familiären Erfahrungen mit dem Thema Behinderung und der Wille, Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, einen Perspektivwechsel zu ermöglichen", so Schneider. Als der Familienvater im Herbst mit seiner Familie in Salzburg Urlaub machte, hegten die Kinder immer wieder den Wunsch, selbst in den Alpen unterwegs zu sein. "Wir erinnerten uns an früher und dachten daran, wie es sein könnte, wenn wir mit der ganzen Familie einmal wieder ins Gelände könnten", so Schneider. Daraufhin fing er an zu recherchieren - wenig später folgte die Bestellung beim französischen Outdoor-Unternehmen "Joëlette". Das traumhafte Winterwetter ermöglichte schließlich die Feuertaufe. "Wir haben in den letzten Wochen erste Probefahrten unternommen. Der Rollstuhl ermöglicht, dass auch Menschen mit Handicap an Outdoor-Aktivitäten teilhaben können", freut sich der Fuldaer. Der Rollstuhl ähnelt dabei einer Schubkarre, die vorne und hinten Tragegriffe hat. Deshalb werden mindestens zwei Begleiter benötigt. Die vordere Person zieht und lenkt, während die hintere das Gleichgewicht hält.

Engagement des Deutschen Alpenvereins

Dass Inklusion und Teilhabe in und um Fulda großgeschrieben wird, wurde auch durch das Engagement des Deutschen Alpenvereins deutlich, der sich beim Projekt miteinbringt: "Bisher waren Freizeittouren im Gelände oder in den Bergen kaum möglich. Der Rollstuhl ist da wirklich eine ganz tolle Erleichterung. Wir sind gespannt, wie das Gerät in Zukunft eingesetzt werden kann und haben großes Interesse an dem Projekt", so Manfred Hagemann vom DAV.

Live hinzugeschaltet war auch Anke Hinrichs. Die Erlebnispädagogin lebt seit ihrer Geburt mit einer körperlichen Behinderung. "Meine Eltern sind mit mir schon als Kind immer in die Berge. Natürlich war für mich nicht immer alles möglich. Aber ich wollte immer die Welt von oben sehen, habe gesagt, wo es lang geht", lacht sie. In der Schulzeit wurde sie wegen ihrer Behinderung vom Sportunterricht befreit. "1994 bin ich dann zum Deutschen Alpenverein und mir wurde klar - da geht doch mehr. Die Inklusion, die ich in der Schule nicht erfahren hatte, wurde dort umso mehr spürbar", so Hinrichs. Durch ihre persönliche Betroffenheit entschied sie sich schließlich, auch beruflich einen sozialen Weg einzuschlagen, und kletterte mehrmals mit gehandicapten Menschen im Hochgebirge. 

Rainer Sippel von "antonius"

Projekt nachhaltig verorten

"Wir wollen das Projekt langfristig vernetzten - mit dem Alpenverein, aber auch mit der Stadt zusammenarbeiten. Nur so kann Inklusion gelingen", so Schneider. Der Rollstuhl soll langfristig an eine gemeinnützige Institution, beispielsweise den Alpenverein, übergeben und von diesem betrieben werden. Über den Verein soll das Gerät ausgeliehen werden können. Für Personen, die nicht über eigene Begleitpersonen und Mittel verfügen, sollen zu festen Terminen buchbare Touren angeboten werden. Die dazu notwendigen Begleitpersonen sollen sich aus freiwilligen jungen und junggebliebenen Menschen zusammensetzen, deren Voraussetzung eine physische Eignung, Spaß am Wandern und gemeinsamen Erlebnissen in der Natur ist.

Zunächst soll eine Bewerbung zu einem Europäischen Solidaritätsprojekt stattfinden. "Diese Bewerbung und Leitung könnten von der Hochschule Fulda aus dem Bereich Soziale Arbeit erfolgen und im Rahmen einer Bachelorarbeit begleitet werden. Das Solidaritätsprojekt wird ein Jahr mit monatlich 500 Euro von der EU unterstützt und muss von mindestens fünf Personen unter 30 Jahren durchgeführt werden", so Schneider. In ihm könnte der Nutzen für die Gesellschaft aufgezeigt und zum anderen kategorisierten Touren, nach Möglichkeit mit dem Alpenverein (Sektion Fulda), entwickelt werden, die sich nach Schwierigkeitsgrad und Dauer (auch mehrtägige Hüttentouren) einteilen.

Vorstellbar wäre laut Schneider auch, den "Wanderrollstuhl" als festes soziales Projekt an der Hochschule Fulda zu etablieren. Neben privaten Spenden hofft der Familienvater auf das Engagement von Vereinen und Organisationen. Damit sollen einerseits die Anschaffungs- und Betriebskosten des Rollstuhls gedeckt, aber auch die Begleitpersonen und die ausleihende Person, zumindest im Sinne einer Aufwandsentschädigung, unterstützt werden. (Lea Hohmann) +++


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