Viele Leitungen für den Strom-Transport - Archivbilder: O|N/Laura Struppe, Gerhard Manns

FULDA Energieverband kritisiert Verbraucherzentrale

Streit wegen Stromtarifen: Grundversorger müssen für Billiganbieter einspringen

20.01.22 - Die Situation ist verzwickt und eine Lösung derzeit nicht in Sicht: Die hohen Strompreise wirbeln den Energiemarkt entsprechend durcheinander. Mehrere Billiganbieter haben ihre Lieferungen eingestellt. Es scheint sich für sie aktuell nicht zu lohnen. Für die Kunden eine ärgerliche Situation. So hat zum Beispiel der Stromanbieter Stromio GmbH kurz vor Weihnachten die Lieferung an seine Kunden eingestellt.

"Aufgrund der historisch einmaligen Preisentwicklung im Strommarkt sahen wir uns zu unserem ausdrücklichen Bedauern gezwungen, alle Stromlieferverträge mit Ablauf des 21.12.2021 zu beenden. Ab dem 22.12.2021 übernimmt der örtliche Ersatzversorger automatisch und ohne Unterbrechung Ihre Stromversorgung", erklärte das Unternehmen mit Sitz in Kaarst (Rhein-Kreis Neuss in Nordrhein-Westfalen) auf der Internetseite "stromio.de".

RhönEnergie nimmt 2.200 Kunden von Stromio auf

Der "örtliche Ersatzversorger" ist in der Region Fulda die RhönEnergie mit Sitz in Fulda. Der Energieversorger habe nach eigenen Angaben 2.200 ehemalige Kunden von Stromio übernommen. Die Grundversorger stehen allerdings in der Kritik. Der Grund: Um den Bestandskunden möglichst günstige Stromtarife anbieten zu können, kaufen die Unternehmen frühzeitig entsprechende Strommengen an der Börse ein. Wie in anderen Geschäftsbereichen auch gilt: Frühzeitige Buchung sichert einen besseren Preis. Da nun von heute auf morgen zum Beispiel die 2.200 "Stromio"-Kunden mit beliefert werden müssen, heißt das für den Grundversorger: Strom nachkaufen, und zwar zum aktuell hohen Preis.

Die Zentrale der RhönEnergie in Fulda

"Die Energiepreise sind in den vergangenen Wochen exorbitant gestiegen und steigen munter weiter. Für unsere treuen Bestandskunden haben wir frühzeitig vorausschauend die benötigten Energiemengen zu vernünftigen Preisen gesichert - nicht aber für unerwartete Neukunden. Inzwischen häufen sich die Insolvenzen/Marktaustritte alternativer Energie-Anbieter. Durch solche Lieferanten-Insolvenzen haben wir in den letzten Wochen bereits mehrere tausend Kunden in die Ersatzversorgung aufnehmen müssen", schreibt die Presseabteilung der RhönEnergie auf eine entsprechende Anfrage von OSTHESSEN|NEWS.

Bundesweit haben sich viele Grundversorger entschieden, die höheren Einkaufspreise an die Neukunden weiterzugeben. Sie unterscheiden künftig zwischen Bestandskunden und den Kunden, die vor allem wegen dem Lieferstopp anderer Anbieter zum Grundversorger wechseln mussten. Die Presseabteilung der RhönEnergie begründet dies auf Anfrage von O|N wie folgt: "Neuen Kunden in der Ersatzversorgung müssen wir in der gegenwärtigen Marktsituation die sehr hohen Einkaufspreise weiter berechnen. Sie liegen über den Preisen für Bestandskunden. Andere Angebote können wir zurzeit leider nicht machen. Das hat nichts mit 'Abzocke' zu tun. Die meisten anderen Energieversorger handeln ebenso."

Diese Unterscheidung rief dagegen die Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen auf den Plan. Sie kritisiert die Haltung der Grundversorger. In einer Pressemitteilung heißt es unter anderem: "Bei allem Verständnis für die nicht ganz einfache Situation der Grundversorger – so geht es nicht. Die Benachteiligung von Verbraucher:innen, die ohne eigenes Verschulden in die Grundversorgung zurückfallen, ist rechtswidrig und widerspricht dem eigentlichen Schutzzweck der Grundversorgung", unterstreicht Wolfgang Schuldzinski, Vorstand der Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen.

"Hausgemachte Probleme"

Aber wie geht es dann? "Das Problem sind die unseriösen Billigstrom-Anbieter. Sie lassen die Kundinnen und Kunden einfach im Regen stehen. Sie erfüllen ihre Lieferverpflichtungen nicht und wälzen ihre hausgemachten Probleme auf die Grundversorger ab. Wir als Energiewirtschaft haben das hart kritisiert. Das Geschäftsgebaren solcher unseriösen Anbieter abzustellen – das muss schnellstmöglich geregelt werden. Betroffene Kundinnen und Kunden, die plötzlich keinen Strom oder kein Gas mehr von solchen Unternehmen geliefert bekommen, sollten Schadensersatzklagen prüfen. Der BDEW hat deshalb die Bundesregierung gebeten, hier schnell zu handeln", schreibt der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in einer Pressemitteilung auf seiner Internetseite "bdew.de".

Die Stromtarife stehen in der Diskussion Foto: Pixabay

"Nicht nachzuvollziehen ist die Haltung einiger Verbraucherzentralen, dass ein Neukundentarif nicht angemessen sei. Wenn die Grundversorger die neuen Kunden zum gleichen Tarif wie für die Bestandskunden aufnehmen müssten, dann steigen die Kosten für alle. Das bedeutet, dass auch Bestandskunden in Mitleidenschaft gezogen werden. Das ist kein umfassender Verbraucherschutz, kein Kunde muss zudem in der Ersatzversorgung bleiben, die ja nur als Sicherungsnetz für solche Notfälle da ist und garantiert, dass weiterhin und ohne Unterbrechung Strom und Gas da sind. Aus der Ersatzversorgung kann jeder Kunde täglich in einen anderen Tarif wechseln. Im Übrigen ist zu erwarten, dass – wenn es die jeweilige Beschaffungssituation zulässt und es wirtschaftlich vertretbar und möglich ist – die Tarife entsprechend angepasst werden", schreibt der BDEW in der Pressemitteilung abschließend.

Die Bundesregierung muss das Dilemma lösen. Der Kunde ist in der aktuellen Situation derjenige, der die Zeche zahlen muss. Während sich die einen Stromanbieter einfach aus dem Markt zurückziehen, können die anderen Marktteilnehmer sehen, wie sie dies auffangen. Eine Situation, die weiter verzwickt ist. (Hans-Hubertus Braune) +++


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