26.02.22 - Fußball-Vereine, die eigenständig sind, gibt es nicht mehr viele. Einer davon ist der Hattenbacher SV in der Marktgemeinde Niederaula. Nicht nur sportlich läuft es, das von Enis Veapi trainierte Team besitzt beste Aufstiegschancen auf eine Rückkehr in die A-Liga. Darüber hinaus werden Identifikation, Wir-Gefühl und permanente gegenseitige Hilfe im etwa 600 Einwohner zählenden Ort großgeschrieben.
"Der Verein lebt. Er ist intakt - vom 1. Vorsitzenden Jens Welter bis zum Platzwart Michael König. Es passt. Wir sind ein Team", betont Veapi. Seine Worte klingen nicht nur überzeugend, seine Beschreibung ist es auch. "Corona hin oder her, auch für die Zukunft sind wir gut aufgestellt", ergänzt der Coach, der in diesem Jahr 50 wird.

Seit Sommer wird der Platz in Hattenbach in Eigenregie erneuert

So sieht es aktuell auf dem Platz aus. Derzeit muss die Mannschaft ihre Spiele noch in ...Fotos: Hans-Hubertus Braune
Bestes Beispiel für den Zusammenhalt und die Kameradschaft: Mehr oder weniger in Eigenleistung erneuerten Spieler, Trainer und Helfer des Vereins ihren Sportplatz. Sie füllten ihn, der nach 40 Jahren sichtbar gelitten hatte, uneben war und unübersehbar Löcher aufwies, beträchtlich mit Erde auf. Selbst, dass mehrere Anträge nötig waren, um die Arbeiten durchzuführen, schreckte Hattenbachs Willige nicht ab. All das kostete Schweiß und Geld, Geduld war nötig und viel Herz - doch allmählich sehen sie Licht am Ende des Tunnels. "Die Mithilfe aus dem Dorf war groß", freut sich Veapi, "wir haben eine Drainage neu verlegt, eine Schicht auftragen und uns um Vieles andere gekümmert".

Gebaut wurde der Platz in den 60er-Jahren
Da der Platz zuletzt nicht bespielbar war, trugen Hattenbachs Kicker ihre Partien in Niederaula aus, trainieren durften sie dort auf dem alten Sportplatz neben der Schule. Veapi geht in der neuen Saison im Sommer in sein elftes Jahr beim Hattenbacher SV, der den Aufstieg in die A-Liga im Blick hat. Sein Team beendete die Hinrunde als Erster der Kreisliga B - und es geht mit 13 Punkten als Führender in die Playoffs. "Der Teamgeist ist genial. Die Jungs verstehen sich bombastisch", schwärmt der Coach, und nennt damit ein, wenn nicht das, Erfolgsrezept beim Namen. Die Neuen, im vergangenen Sommer zum HSV gestoßen, brachten Qualität mit: ob Nico Fälber, Philipp Rehbaum, Dominik Kuhl, Christian Dercho oder Johannes Becker. Dazu kommen die erfahrenen Kräfte, die für eine passende Mischung sorgen: Lukas Schmidt, Ronny Alles oder Daniel Stark. Mit dem Griechen Konstantinos Nezlef hat Veapi seit geraumer Zeit auch einen Co- und Torwarttrainer. Seit zwei Jahren kümmert sich Timo Deisenroth als Obmann zudem um sportliche Dinge.

Trainer Enis Veapi
Veapi, der in Alsfeld als Industriemeister arbeitet, ist sich bewusst, dass seine Job-Beschreibung beim Hattenbacher SV alles andere als gewöhnlich ist. Er umreißt sie so: "Wo es knifflig wird, bin ich da", sagt er, "ich bin auch für die Jungs da, wenn es ein Problem gibt; dies ähnele einem Vater-Sohn-Verhältnis. Der Coach besorgt Sponsoren. Er erfüllt Management-Aufgaben. Hat Ideen, weil er gut vernetzt ist. "Ich bringe schon viel ein und versuche alles", fügt er mit einer Portion Stolz und Bescheidenheit an.
"Wir haben das Aulatal im Griff", lacht Veapi. Sein Verschmitzt-Sein gilt als typisch. Mit "wir" meint er seine Brüder: Adam coacht den Kreisoberligisten Niederjossa/Breitenbach, Ernest hat, nachdem er die A-Junioren vom JFV Aulatal in der Verbandsliga und Aulatals Männer in der Gruppenliga trainiert hat, für nächste Saison bei der SG Niederaula/Kerspenhausen in der KOL zugesagt. Und falls jemand in Hattenbach noch nicht weiß, wie er den 22. Mai verbringen soll: Da möchte Enis, der seinen Geburtstag am selben Tag wie Ex-Kanzlerin Angela Merkel feiert, mit dem Hattenbacher SV in die A-Liga aufsteigen. (wk)+++