Am 24. Februar kündigte der russische Präsident Wladimir Putin eine Militäroperation in der Ukraine an, nachdem die Unabhängigkeit der Republiken des Donbass anerkannt worden war - Foto: picture alliance/dpa/Sputnik | Konstantin Mihalchevskiy

REGION "Man sollte euch Gesocks...."

Russlanddeutscher wird täglich angefeindet: "Ich kann doch nichts für den Krieg!"

28.02.22 - "Was bitte soll ich denn vom Krieg in der Ukraine halten!" Slawa S. ist schockiert: Seitdem Wladimir Putin die Ukraine über Nacht angriff, sieht sich der Russlanddeutsche mittlerweile täglich Anfeindungen ausgesetzt. Fragen darüber, wie er über "seinen Putin" denkt, gehören seit Beginn der letzten Woche zu seinem Alltag – aber auch schlimme Vorwürfe, Hass und Hetze.

"Was in der Ukraine gerade passiert, ist einfach schrecklich", beginnt der Familienvater das Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS. "Egal wer in einem Krieg stirbt, es sind doch alles Menschen." Bereits aus dem Grund, meint er, seien Kämpfe, wie sie gerade geschehen, per se verabscheuungswürdig.

S. muss sich mittlerweile rund um die Uhr rechtfertigen. Das setzt dem Mann, der mit 14 Jahren in die Bundesrepublik kam, immer mehr zu.

"Ich habe mit Russland nichts am Hut und schon gar nicht mit Putin. Permanent, ob in meiner Freizeit oder auf der Arbeit, werde ich allerdings auf den Krieg angesprochen, die Leute meinen irgendwie, ich würde ihn, aufgrund meiner Herkunft, gutheißen." Selbst seine 9-jährige Tochter, erzählt er, sei bereits in der Schule sowie auf einer Faschingsveranstaltung angefeindet worden. "Wir sprechen daheim nicht mit ihr über den Krieg, in ihrem Alter soll sie so etwas noch gar nicht mitbekommen. Andere Leute scheinen diesbezüglich allerdings eine andere Meinung zu haben." Von den Erwachsenen Aufgeschnapptes sei seinem Kind mehrfach von Gleichaltrigen an den Kopf geworfen worden. "Kinder können grausam sein und unser Mädchen steht dann da und versteht die Welt nicht mehr", gibt er traurig zu bedenken.

"Man sollte euch Gesocks...."

"Man sollte euch Gesocks von Russlanddeutschen und Russen endlich ausweisen" oder "euch müsste man ausrotten": gerade in den "sozialen" Medien habe S. in den vergangenen Tagen Furchtbares entgegengeschleudert bekommen. "Da werden Gruppen, die eigentlich dafür da sind, um gemeinsam zu lachen und Freude zu teilen, genutzt, um Bilder zu posten, auf denen erschossene Soldaten zu sehen sind. Darunter stehen dann Sachen wie: bitte mehr tote Russen!" Das alles setze dem Familienvater zu, erklärt er.

Die Stimmung gegen ihn und "seine Landsleute" würde immer rauer, das hätte er mittlerweile auch von vielen anderen russisch-stämmigen Bekannten gehört. "Viele von uns werden so angegangen, als ob wir an allem schuld wären. Aber wir können nichts dafür und unterstützen den Krieg auch sicher nicht!" S. ist nun aus sämtlichen Facebook-Gruppen ausgetreten, um sich nicht völlig fertigmachen zu lassen. Seine Hoffnung: "Ich wünsche mir, dass wir nicht mehr für etwas verurteilt werden, wofür wir gar nichts können." (mr) +++


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