Mehr als 500 Wallfahrer aus dem Grabfeld haben sich am Samstag zum festlichen Wallfahrtsgottesdienst in der oberfränkischen Basilika Vierzehnheiligen getroffen. Sie kamen aus Bad Königshofen und den Ortschaften des fränkischen und thüringischen Grabfeldes sowie aus dem gesamten Rhön-Grabfeldkreis. Hinzu kamen die Teilnehmer der Jubiläumswallfahrt aus Sulzfeld im Grabfeld, die in diesem Jahr zum 25. Mal zu Fuß nach Vierzehnheiligen pilgerten. An der traditionellen Männerwallfahrt von Bad Königshofen waren diesmal rund 350 Pilger mit dabei, sagte Wallfahrtsführer Engelbert Brüger. Erstmals auch Bürgermeister Thomas Helbling. Erfreulich: Wohl zum ersten Mal seit der mehr als 60-Jährigen Wallfahrtsgeschichte insgesamt vier Geistliche nämlich Bad Königshofens neuer Stadtpfarrer Karl Feser, Wallfahrtspfarrer Josef Treutlein, Pfarrer von Würzburg-Grombühl, ein gebürtiger Bad Königshofener, sowie Pfarrer Lorenz Maurer aus Hollstadt und Kaplan Thomas Menzel, ein gebürtiger Unteressfelder.
Mehr als 100 Teilnehmer zählte die Wallfahrt der Sulzfelder, die an Christi Himmelfahrt aufgebrochen waren und in zwei Tagen den Fußmarsch nach Vierzehnheiligen zurücklegten. Traditionell marschierten die Männer aus den Landkreisen Rhön-Grabfeld, Bad Kissingen und dem Nachbarlandkreis Hildburghausen an einem Tag zum oberfränkischen Wallfahrtsort. Frühmorgens ging es am Freitag um 4.30 Uhr in Bad Königshofen los und kurz nach 20 Uhr war man nach rund 16-stündigem Fußmarsch dann in der Basilika. Dort wußte man dann übrigens die ganz genaue zurückgelegte Kilometerzahl. Wie Wallfahrtspfarrer Josef Treutlein sagte, hatte sein Amtsbruder Karl Feser aus Bad Königshofen per GPS ermittelt, dass die Königshöfer Wallfahrer genau 57,6 Kilometer auf Schusters Rappen unterwegs waren. „Bislang schwankten die Zahlen da immer zwischen 70, 65 und zuletzt 63 Kilometern nun wissen wir es aber ganz genau.“
In seiner Predigt vor der bis zum letzten Platz besetzten Basilika Vierzehnheiligen ging Wallfahrtspfarrer Josef Treutlein auf die Bankenkrise ein und meinte, dass dies zeige, welchen Wert der Mammon habe. Biblisch wäre scharf zu formulieren: Gott oder dem Mammon. Christus habe Werte aufgezeigt, die bleiben. Er spricht von einem Kapital von Dauer, nenne Werte, die glücklich machen. Diese Schätze zu sammeln lohne es. Schätze seien dies, die nicht von Einbrechern gestohlen werden können. Dazu gehören unter anderem, so der Prediger: Barmherzigkeit, Frieden stiften, sich den Durst nach Gerechtigkeit bewahren und sich um ein reines Herz bemühen. „Wer so lebt, gehört letztlich zu den Gewinnern“ In der Taufe sei jeder Christ geheiligt worden, Liebe sei in die Herzen gegeben worden. Christus selbst habe durch seine Liebe die Menschen buchstäblich aufgerichtet.
In diese Richtung lohne sich jeder Schritt. Treutlein zeigte in seiner Predigt verschiedene Situationen auf. Er sprach von einem Mann, der seine schwerkranke Frau pflegte, von einer Familie, die ihre behinderten Kinder unterstützte und förderte. Es sei am Anfang alles schwer gewesen, dann aber nicht mehr. Wichtig sei hier ein tiefes Gottvertrauen. Solche Menschen gebe es immer wieder, die ihre Wertpapiere ihr Konto bei der richtigen Bank hatten, „im Herzen Gottes, wo man nicht fürchten muß, dass sich das Eingezahlte in Nichts auflöst,“ sagte der Prediger. Den Wallfahrern gab der Geistliche mit auf den Weg, ihr Leben mit viel Liebe und Freude zu füllen. Kein Tag sollte ohne Gebet, kein Sonntag ohne Gottesdienst und kein Tag ohne ein gutes Wort vergehen. Josef Treutlein: „Tue was Jesus sagt und du hast damit auf eine krisensichere Bank eingezahlt.“ Der Prediger meinte abschließend, dass die Bank- und Wirtschaftskrise ganz sicher vermieden worden wäre, wenn alle das befolgt hätten, was Jesus in seiner Bergpredigt gesagt hatte. Außerdem gäbe es viel mehr glücklichere Menschen, nicht erst im Himmel, sondern auch schon auf Erden.
Noch am gleichen Tag machten sich dann die Wallfahrer aus den Grabfeldgemeinden wieder auf den Rückweg. Gleich nach dem Gottesdienst gingen die Teilnehmer der Sulzfelder Wallfahrt in Richtung Heimat, am Nachmittag machten sich dann auch die Bad Königshofener auf den Weg. Daß viele Wege nicht nur nach Rom sondern auch in das Grabfeld führen, zeigte sich dabei. Während die Sulzfelder in Pfarrweisach übernachteten, waren die Bad Königshofener in Seßlach. Am gestrigen Sonntagmorgen ging es dann zurück. Die Gruppe aus Sulzfeld wurde gegen 17 Uhr zu Hause begrüßt und die Bad Königshofener zogen kurz nach 19.30 Uhr in die Stadtpfarrkirche ein. In den vergangenen Tagen sah man außerdem die Eyershausener und auch die Merkershäuser auf dem Pilgerweg in Richtung Vierzehnheiligen. Eine oft langjährige Tradition, die immer mehr Zuspruch bekommt. (hf) +++