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Der vorläufige insolvenzverwalter Dr. Raimund Schraad. - Fotos (7): Hans-Hubertus Braune

Hat nun das Sagen bei Borussia: Der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Raimund Schraad (links) im Interview mit hr-Reporter Hermann Diel.

09.06.09 - FULDA

Borussia beantragt Insolvenz - 1. Mannschaft bleibt in der Verbandsliga

"Wir bedauern sehr, das Insolvenzverfahren einleiten zu müssen, sehen jedoch - unter Würdigung der Gesamtumstände und rechtlichen Erfordernisse - keine andere Handlungsalternative", berichteten Aufsichtsrat und Präsidium des Vereins SC Borussia 04 e.V. Fulda heute Abend. Beide Gremien hatten zuvor beschlossen, Antrag auf Insolvenz des Vereins zu stellen. In einer Erklärung betonten beide jedoch, dies müsse "nicht zwangsläufig das Ende der Borussia" sein. Man hoffe durch das geordnete Insolvenzverfahren auf einen "Neuanfang". Diese Perspektive wurde auch schon umrissen: die Aufrechterhaltung des Spielbetriebs im Seniorenbereich und die Weiterführung und Ausbau der Jugendarbeit.

Präsident Straeter bestätigte gegenüber osthessen-news, dass die 1. Mannschaft in der Fußball-Verbandsliga - also der Gruppe, in die Borussia abgestiegen ist - verbleiben wird. Offen ist noch, ob die 2. Mannschaft am Spielbetrieb, in der Fußball-Gruppenliga, auch künftig noch teilnimmt. Die Clubführung teilte am Mittwochabend gemeinsam mit Rechtsanwalt Dr. Raimund Schraad aus Bad Hersfeld der Mannschaft die Lage mit. 19 Spieler waren im Clubhaus der Borussen anwesend. Nach dem Gespräch setzten sich die Spieler gegen 21:30 Uhr in der Kabine nochmals zusammen. Schraad werde morgen die Arbeit als vorläufiger Insolvenzverwalter aufnehmen und zunächst ein Gutachten über die Lage bei Borussia Fulda erstellen. Nach Informationen von Walter K. Goth, stellvertretender Präsidiumsvorsitzender der Borussen, belaufen sich die Verbindlichkeiten auf einen "niedrigen sechsstelligen Bereich". Trotz Insolvenz soll es sportlich weiter gehen. "Wir streben eine Lösung etwa wie bei Darmstadt 98 an", sagte Schraad. "Wir wollten mit dem heutigen Schritt Aufbruchstimmung signalisieren", sagte Groth. Es sei ein gutes Zeichen, dass sich die Spieler zusammensetzen und den Ernst der Lage erkannt hätten.

Derzeit hat Borussia acht feste Zusagen. Der Verein will künftig verstärkt auf die Jugend setzen. So sollen die A-Junioren auch das Relegationsspiel zur Hessenliga bestreiten. "Endziel ist, mindestens eine Mannschaft in der Verbandsliga zu stellen", sagte Präsident Heinz Straeter. Zur Krisensitzung kam auch Fuldas Bürgermeister und Sportdezernent Dr. Wolfgang Dippel. "Der Vorstand hat einen positiven Akzent gesetzt. Borussia ist wichtig für die Region und ich wage die Prognose, dass die Spieler den Weg mit gehen. Zurück zum Verein, zur Jugend und zum finanziell Machbaren muss die Devise lauten", sagte Dippel. Er unterstrich allerdings, dass es von Seiten der Stadt keinerlei finanzielle Unterstützung für den Verein geben werde.

Ausstehende Spielergehälter der vergangenen zwei Monate und vom Juni werden aus dem Insolvenzgeld bezahlt, erklärte Schraad. Er habe Erfahrungen mit Sportvereinen. So war er zwischen 1984 und 1987 Vorsitzender bei der SG Hessen Hersfeld. (Hans-Hubertus Braune)

Die von Borussen-Präsident Heinz Straeter, stellvertretenden Präsident Walter K. Goth und Aufsichtsratsmitglied Thomas Dreifürst unterzeichnete Erklärung veröffentlicht die Redaktion von osthessen-news hier NACHFOLGEND IM WORTLAUT.

SC Borussia Fulda stellt Antrag auf Insolvenz

"In Anbetracht der aktuellen wirtschaftlichen Situation unseres Vereins und nach Abwägugn aller Sach- und Rechtsgründe, haben der Aufsichtsrat und das Präsidium beschlossen, im Rahmen der hierfür geltenden gesetzlichen Bestimmungen Antrag auf Insolvenz des Vereins SC Borussia Fulda 04 e.V. zu stellen.

Die gesamtwirtschaftliche Situation und die aktuelle Rezession ist auch am Traditionsverein SC Borussia Fulda nicht spurlos vorübergegangen. Die Einnahmen haben sich im Sommer und Herbst 2008 lange nicht so dargestellt, wie offensichtlich erhofft. Die Ausgaben in diesem Zeitraum haben bei weitem die erwarteten Einnahmen übertroffen. Allein durch die Unterstützung des Hauptsponsors und der Co-Sponsoren kann die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Vereins aber nicht erhalten werden. Trotz drastischer Einsparmaßnahmen in den letzten Monaten ist es nicht möglich, die kurzfristigen Verbindlichkeiten und laufenden Verpflichtungen zu erfüllen.

Der Insolvenzantrag bewirkt nicht zwangsläufig das Ende der Borussia. Nach dem Insolvenzantrag wird das zuständige Gericht einen vorläufigen Insolvenzverwalter bestellen. Dieser führt zunächst die Geschäfte des Vereins und wird alle notwendigen Handlungen, die für diese Verfahren gelten, vornehmen. Ob es zur Eröffnung eines Insolvenzverfahrens kommt, wird im Ermessen des Insolvenzverwalters respektive der zuständigen Gerichtsbarkeit liegen.

Es besteht durchaus Grund zur Hoffnung, dass der Verein SC Borussia Fulda 04 e.V. fortbesteht und ein Neuanfang gemacht werden kann. Ziel eines solchen Neuanfangs muss die Aufrechterhaltung des Spielbetriebs im Seniorenbereich sowie die Weiterführung und der Ausbau der Jugendarbeit sein. Ein geordnetes Insolvenzverfahren eröffnet durchaus den Weg für einen solchen Neuanfang.

Aufsichtsrat und Präsidium bedauern sehr, das Insolvenzverfahren einleiten zu müssen, sehen jedoch unter Würdigung der Gesamtumstände und rechtlichen Erfordernisse keine andere Handlungsalternative.

Sowohl das Präsidium als auch der Aufsichtsrat bedanken sich ausdrücklich bei allen Sponsoren, Werbepartnern, Zuschauern und Fans für die Unterstützung in der Vergangenheit. Diese Unterstützung benötigt Borussia auch in der Zukunft.

Heinz Straeter

Präsident SC Borussia Fulda

Walter K. Goth

Stellv. Präsident

SC Borussia Fulda

Thomas Dreifürst

Mitglied des Aufsichtsrates

SC Borussia Fulda" +++


19 Spieler der Borussen waren am Dienstagabend im Clubhaus.

Präsidium, sportliche Leitung und Rechtsanwalt Dr. Raimund Schraad informierten über die Insolvenz.



Borussen-Präsident Heinz Strater und Fuldas Bürgermeister Dr. Wolfgang Dippel (rechts).


Borussia Fulda - nicht nur sportlich "am Boden zerstört"? - Archivfoto: Hendrik Urbin

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