Anfang April ging es für Dr. Wolfram Beres mit der Human Pilots Initiative zum Einsatz an die ukrainische Grenze - Fotos: Privat

EHRENBERG Rettung aus der Luft

Mit dem Flieger Richtung Ukraine - Dr. Wolfram Beres versorgt Kriegsverletzte

04.05.22 - Während wir in Osthessen die ersten warmen Sonnenstrahlen genießen, tobt nur ein bis zwei Flugstunden entfernt der Krieg - Städte werden bombardiert, Menschen werden schwer verletzt oder verlieren gar ihr Leben. Dass der Krieg manchmal näher ist, als man zu glauben vermag, weiß auch Dr. Wolfram Beres. Dem Hausarzt aus Wüstensachsen liegt die Versorgung der Kriegsverletzten sehr am Herzen. Ehrenamtlich engagiert er sich als Arzt bei der Humanitarian Pilots Initiative. Jeden Moment kann der Mediziner zum Einsatz gerufen werden. Bereits vor gut zwei Wochen startete der Hausarzt das erste Mal per Luftrettung an die ukrainische Grenze.

"Die Anfrage für unseren ersten Einsatz erreichte uns über die Pediatric Air Ambulanz. Ein am Wörthsee beheimatetes Unternehmen, welches sich auf den Transport von schwer erkrankten Kindern spezialisiert hat. Die Logistic, das Equipment sowie die Flight nurse Jacob Sander, wurden ebenfalls kostenfrei von der Pediatric Air Ambulanz gestellt. Bei meinem ersten Einsatz musste ein 11-jähriges schwerkrankes Mädchen von der ukrainischen Grenze nach Italien in eine Kinderklinik geflogen werden, da es im Grenzgebiet nicht versorgt werden konnte. Ein Bodentransport wäre unter diesen Bedingungen nicht möglich gewesen. Die Luftrettung war daher die einzige Chance", erzählt Beres. "Der Einsatz war wirklich herzzerreißend. Das Kind hatte nichts bei sich, die Mutter lediglich eine kleine Handtasche. Der Vater musste in der Ukraine bleiben, die Familie muss diese Trennung erstmal verkraften. Wer weiß, ob der Vater seine Tochter jemals wieder sieht". Eine Helferin hatte für das Mädchen außerdem ein Kuscheltier mitgebracht. "Sie hatte große Angst vor dem Flug. Solche Einzelschicksale nehmen mich schon mit." 

Dr. Wolfram Beres im exklusiven O|N-Interview

"Habe sofort zugesagt"

Sich angesichts der aktuellen Situation nicht ehrenamtlich zu engagieren, stand für den Mediziner nie zur Debatte. "Glücklicherweise konnte ich in meiner Praxis vertreten werden und so meine Arbeitszeit reduzieren", so Beres. Durch die Malteser Fulda entstand schließlich der Kontakt zur Dr. Thomas Plappert von der Ärztlichen Leitung des Rettungsdienstes im Landkreis Fulda. Träger der Aktion ist der Malteser Rettungsdienst Hessen. "Er fragte mich, ob ich den Transport ärztlich begleiten könnte. Ich musste nicht lange überlegen und sagte sofort zu", erinnert sich der Allgemeinmediziner, der bereits langjährige Erfahrung in der Flugambulanz vorweist.

Benötigt jemand in der Ukraine ärztliche Hilfe, ist jedoch nicht in der Lage vor Ort versorgt oder in eine Klinik verlegt zu werden, so kann die Initiative eingreifen. Mit einem Vorlauf von etwa ein bis zwei Tagen beginnen dann die Planungen und alle Beteiligten organisieren gemeinsam den Transport des Patienten. Wir fliegen jedoch nicht direkt in die Ukraine oder das Kriegsgebiet hinein - heißt, der Patient muss zuerst bodengebunden zur Grenze transportiert werden. Das Ganze bedeutet einen großen, organisatorischen Aufwand. Das Team für den Transport muss einfach passen", weiß der Fuldaer. Über 10.000 Euro kostet ein Einsatz per Luftrettung, finanziert wird das Projekt durch Spendeneinnahmen. 

Großartiges Engagement der Mediziner

"Es handelt sich hierbei um eine internationale Hilfsinitiative. Es ist beeindruckend, wie hier alle an einem Strang ziehen und der Krieg Menschen verschiedenster Nationen in gewisser Weise zusammenführt. Hier zeigt sich wieder das großartige Engagement der Mediziner", meint Antonia Schmidt, Pressereferentin der Malteser Fulda. Kommt ein Einsatz, so muss alles ganz schnell gehen. "Am Montagmorgen stand fest, dass wir den Einsatz an der Grenze antreten, bereits einen Tag später ging es früh am Morgen von München aus mit dem Flieger Richtung Osten. Rund 18 Stunden später landeten wir wieder in Deutschland", so Beres. 

Rund 60 Kilogramm medizinisches Material hat das Team mit an Bord "Das Equipment beinhaltet alles, um einen schwer kranken Patienten versorgen zu können - von einem EKG-Monitoring über Defibrillator bis hin zu Beatmungsgeräten und Notfallrucksack, es muss an alles gedacht werden", erklärt er. Die Luftrettung von Kriegsverletzten ist auch für den Mediziner eine vollkommen neue Erfahrung. "Ich war jahrelang in der Flugambulanz tätig, betreute medizinische Einsätze auf der ganzen Welt. Wie nah der Krieg und das Leid wirklich ist, wird einem jetzt erst wirklich klar. Man muss sich mal bewusst machen, dass man in weniger als zwei Stunden mit dem Flieger mitten im Kriegsgebiet ist. Sich das vor Augen zu führen, ist erschreckend".

Dr. Wolfram Beres und Antonia Schmidt, Pressereferentin der Malteser Fulda ...

Hoher Bedarf

Ursprünglich sollte das Projekt erst Anfang Mai starten. Durch den aktuell hohen Bedarf ging es für Beres allerdings schon einen Monat zuvor das erste Mal in den Einsatz an die ukrainische Grenze. "Wie oft es für uns in Zukunft mit dem Flieger Richtung Ukraine gehen wird, ist schwer zu sagen. Jedoch ist der Bedarf bereits jetzt schon unglaublich groß". Das Projekt sei dabei auch eine logistisch herausfordernde Leistung. "Das 11-jährige Mädchen musste ja erst einmal von Helfern aus der Ukraine heraus zur Grenze transportiert werden. Jeder trägt auf seine Weise dazu bei, dass dieser Transport auch gelingt", meint der Arzt.

"Auch wenn solche Einsätze oft schmerzlich sind, so ist das Erlebnis, jemandem zu helfen, wirklich bereichernd", meint Beres, der betont: "Man kommt nach dem Flug in die Ukraine wieder in Deutschland an und fällt sich in die Arme. Auch wenn wir nicht direkt ins Kriegsgebiet fliegen, so sind die Einsätze ja nicht ganz ungefährlich. Man weiß nie, was passiert und ob alles gelingt. Das Gefühl, den Transport als Team erfolgreich gemeistert zu haben, ist unbeschreiblich". 

Gutes bewirken

Mit seinem ehrenamtlichen Engagement bewirkt der Mediziner Großes. Während wir in Deutschland unserem gewohnten Alltag nachgehen, kann Beres jeden Moment eine Einsatzmeldung aus der Ukraine erreichen. Ohne zu Zögern steigt er nur wenige Stunden später in den Flieger. Nicht nur mit dem Gefühl, etwas Gutes bewirkt, sondern auch mit der Erkenntnis, ein Menschenleben gerettet zu haben, kehrt er schließlich nach Deutschland zurück - ein Mediziner mit Herz, der auch in diesen Tagen nicht vergessen hat, Menschlichkeit zu leben. 

Wer die Initiative unterstützen will, kann sich gerne mit der Human Pilots Initiative (https://www.hpi.swiss/?lang=de)  oder den Maltesern Fulda (www.malteser-fulda.de) in Verbindung zu setzen. (Lea Hohmann) +++


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