Virtuose Choreographie - Fotos: privat

REGION Eintracht Frankfurt im Finale

Osthessen steht Kopf, Deutschland verneigt sich

07.05.22 - Fußball-Deutschland verneigt sich, die Superlative und der Gefühls-Rausch nahmen kein Ende - und es schien, als würde Osthessen ausflippen: Eintracht Frankfurt steht im Endspiel der Europa League. 1:0 (1:0) gewann die SGE das Halbfinal-Rückspiel vor natürlich vollbesetztem Haus im Deutsche Bank Park, in dem die verrückten Fans vor Spielbeginn eine virtuose Choreographie geboten hatten, gegen West Ham United. Nun heißt das nächste Etappenziel Estadio Sanchez Pizjuan in Sevilla. Hier findet am 18. Mai das Finale statt. Gegner sind die Glasgow Rangers, die RB Leipzig eliminierten. 

Bisher sei er Atheist gewesen - aber jetzt glaube er wirklich an den Fußball-Gott. Das war nur eine der ekstatischen Reaktionen der zu Recht emotionalisierten Eintracht-Fans. Zahlreiche Anhänger aus Osthessen, die in der Stunde des größten Triumphs im Europapokal seit 1980, als die SGE UEFA-Pokalsieger wurde und der Neuhofer Fred Schaub das Siegtor zum 1:0 gegen Borussia Mönchengladbach schoss, waren am Donnerstagabend vor Ort - ob privat oder in einem der Fanclubs organisiert. 

"Es war der Wahnsinn. Lautstärke wird nicht zu toppen sein"

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Auf zum Jubeln

Es gibt kein Halten mehr. Die Fans bevölkern den Platz

"Es war der Wahnsinn. Ich habe immer noch ein dickes Grinsen im Gesicht, und das wird auch noch ein paar Tage anhalten. Eine klasse Atmosphäre. Ein super Abend", sagt Björn Brang, 1. Vorsitzender des Fanclubs EFC Inferno, noch am Tag danach. Eine Stunde, oder auch eineinhalb Stunden vor Beginn des Spiels seien die Zuschauer bereits vor Ort gewesen. "Die Mannschaft wurde beim Aufwärmen in einer Bomben-Lautstärke angefeuert. Das war der Höhepunkt. Es wird kaum noch einmal zu toppen sein."

Zudem machte Brang eine merkwürdige Entdeckung. "Der ganze Tag ging nicht so richtig rum. Alle waren irgendwie nervös." Umso mehr war er froh, dass das Spiel "relativ entspannt" verlief. Seine Eintracht ließ nicht viel anbrennen. Als "Hinti", wie Martin Hinteregger bei den Fans nur genannt wird, schon nach einigen Minuten runter musste, war das ein "Schreckmoment. Er ist ja der Fels in der Brandung. Doch die drei Jungen haben das absolut super gemacht." Mit dem Schlusspfiff habe eine "extra Ekstase" eingesetzt. "Wir waren noch recht lange im Stadion. Es war eine kurze Nacht." Brang blickt, wie alle Eintracht-Fans, voraus: Seit heute laufen die Planungen fürs Finale. Mit dem Schlusspfiff ging eine Mail an alle Mitglieder raus. Das läuft voll Stoff an."

Nochmal ein Stück besser als in Barcelona

"Die Stimmung war nochmal ein Stück besser als im Heimspiel gegen Barcelona. Das war unglaublich!" bemerkt Leon Wettels, 2. Vorsitzender des Fanclubs "EFC Dom-Adler Fulda-West". Das gesamte Stadion war in wieder Weiß gehüllt. "Vorher hatte die aktive Fanszene dazu aufgerufen, ähnlich wie in London oder Barcelona, mit weißem Shirt und mit schwarz-weißem Balkenschal zu kommen". 

Der 23-jährige Wettels ist sich sicher: "Im ersten Moment realisiert man als junger Fan gar nicht so, dass man im Finale der Europa League steht! Der Pokalsieg 2018 war schon klasse. Aber was dort gerade passiert, könnte noch größer werden." Nicht nur Wettels freute sich, dass auch die Glasgow Rangers das Finale erreicht hatten. "Da treffen jetzt zwei Traditionsmannschaften aufeinander. Das elektrisiert jeden." Die Euphorie kannte keine Grenzen. Auch deshalb fügt Wettels hinzu. "Man hatte ja schon vorher Hotel und Flieger nach Sevilla gebucht." Nach dem Sieg im Hinspiel gegen Barcelona haben das bereits viele gemacht. "Ganz Deutschland ist auf einmal Eintracht-Fan." 

"Ganz Deutschland ist auf einmal Eintracht-Fan"

Seit 1999 ist er Eintracht-Fan - und er war am Donnerstagabend vor Ort. Natürlich. Gemeint ist Christian Lotz aus Heimboldshausen. Erst gegen halb eins kam er aus dem Stadion, und am Morgen danach sagt er: "Die Stimmung war überragend. Aber das kennen wir ja." Er saß sprichwörtlich in der ersten Reihe: Gegentribüne, Rang eins, "genau auf Höhe der Mittellinie. Allein das war schon geil". Es sei alles sehr aufregend gewesen, "nach der Roten Karte gegen einen West-Ham-Spieler aber war die Anspannung verflogen. Und was mir besonders gefallen hat: Hinten die Drei haben so stark verteidigt." Er meint Touré, der für den früh ausscheidenden Hinteregger ins Spiel kam, Tuta und N'Dicka. Interessant ist, was er nachschiebt: "Beeindruckend ist, dass ganz Deutschland auf einmal Frankfurt-Fan ist."

Die Spuren des Besuchs in Barcelona wirkten noch nach - auch deshalb musste Stephen Petrich aus Eiterfeld mit einem Stadionbesuch in Frankfurt passen. "Das ist einfach überragend. Die Wahrscheinlichkeit, dass Deutschland noch zweimal die WM gewinnt, ist größer, als dass wir mit Eintracht Frankfurt noch mal einen Europapokal gewinnen. Das ist schon großes Kino, was die Eintracht da abreißt." Er meint die Einmaligkeit und bemüht die historische Note. Auch die Einmaligkeit, dass in Barcelona so viele Eintracht-Fans ins Stadion durften.

Mit der Champions League winkt ein Geldsegen

"Die Leidenszeit hat momentan ein Ende", denkt er auch an Zeiten zurück, als es der Eintracht nicht so gut ging sportlich. "Doch im Moment herrscht eine schöne, gesunde Euphorie. Was gibt es Schöneres?" Solch ein Erfolg sei für einen Eintracht-Fan nicht alltäglich. Es wird wahrscheinlich nie wiederkommen", bemerkt er. "Selbst wenn wir die Champions League erreichen: Da winkt ein Geldsegen, den wir nie wieder erleben." Die Fankultur wächst bei Eintracht Frankfurt. Etwa 100.000 Mitglieder zählt der Klub. Noch einmal nimmt er einen Rückgriff auf Barcelona. "So etwas wie dort, das ist mit Geld nicht zu bezahlen." (wk) +++


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