Die Oldtimer Freunde Harmerz e. V. präsentierten vor Kurzem historische Rennmotorräder und Renngespanne der Baujahre 1935 bis 1975 auf einem anspruchsvollen, ca 1,9 Kilometer langen Rundkurs durch Harmerz.. Es traten 52 Fahrerinnen und Fahrer aus dem ganzen Bundesgebiet an, um die Leistungsfähigkeit ihrer Maschinen und ihr eigenes Können unter Beweis zu stellen. In drei Läufen, die über den Tag verteilt gestartet wurden, waren die Motorräder in vier Klassen eingeteilt. So fuhren zunächst Solomaschinen bis Baujahr 1968, danach Gespanne bis Baujahr 1968 (sogenannte Sitzer – die Fahrer sitzen auf dem Motorrad), gefolgt von Solomaschinen bis Baujahr 1975 und zum Abschluss eines jedes Laufes die Gespanne bis Baujahr 1975 (sogenannte Kneeler – die Fahrer knien auf den Motorrädern).
Als die Fahrtleiter, Thomas Schultheis und Martin Lauer um den ersten Lauf starteten, öffnete der Himmel seine Schleusen. Deshalb wurde zunächst hinter dem Safetycar (baugleiches Fahrzeug, wie aus der Formel I bekannt) gestartet und mehrere Runden in gemäßigtem Tempo absolviert. Gerade während des Regens konnten die Fahrerinnen und Fahrer ihr Können zeigen. In atemberaubender Schräglage wurden die Kurven durchfahren. Besonders die Renngespanne sorgten mit ihrer verwegenen Fahrweise für Begeisterung unter den Zuschauern und brachten echtes Rennstreckenambiente nach Harmerz. Die trotz des schlechten Wetters zahlreich gekommenen Gäste sahen hautnah hohes fahrerisches Können, gekonnte Überholmanöver und erlebten die „Schmiermaxe“ (Beifahrer im Seitenwagen) als echte Artisten.
Die Veranstaltung stand unter dem Motto: „Präsentationsfahrten im Gedenken an die Fuldaer Gespannweltmeister von 1955, Willi Faust und Karl Remmert". In einer kleinen Ausstellung wurden Siegtrophäen – unter anderem der originale Weltmeisterschaft-Lorbeerkranz von 1955 – und Fotoalben gezeigt. Sogar ein baugleiches Renngespann, wie es von Faust/Remmert gefahren worden war, wurde ausgestellt und nahm ebenfalls an allen Läufen teil. Anhand von Berichten und Biografien konnten sich die Besucher über Leben und Wirken der beiden informieren. Am Samstagabend wurden den Gästen alte Wochenschaufilme im Festzelt vorgeführt, die Rennläufe der beiden Weltmeister auf mehreren europäischen Rennkursen dieser Zeit zeigten.
Die Schwester und die Tochter von Willi Faust waren mit ihren Familien als Ehrengäste anwesend. Von ihnen wurden dankenswerter Weise die Objekte für die Ausstellung zur Verfügung gestellt. Da sie selbst noch nie in einem Renngespann gesessen hat, ließ es sich die Tochter von Willi Faust nicht nehmen, eine Runde im Beiwagen des gleichen Gespannes mitzufahren, mit dem ihr Vater Weltmeister wurde.
Alle Fahrer bestätigten, dass der Kurs sehr anspruchsvoll gewesen ist. Die Strecke sei gut präpariert und sicher zu umfahren gewesen. Zwischen den Läufen konnten sich die Gäste bei Gegrilltem, Kaffee und Kuchen stärken und das Fahrerlager besichtigen.
Die Präsentationsfahrten fanden unter der Schirmherrschaft des Fuldaer Oberbürgermeisters statt. In seiner Vertretung hieß Herr Stadtrat Arnold Gäste und Teilnehmer gleichermaßen willkommen. In seinen Worten fand er Anerkennung für die Harmerzer Oldtimer-Freunde für die viele Arbeit, die im Vorfeld und während der Veranstaltung geleistet wurde. Auch der Landrat des Kreises Fulda, Herr Woide kam, um sich dieses Spektakel aus der Nähe anzusehen und fand ebenfalls lobende Worte.
Am nächsten Tag ging es dann etwas beschaulicher zu. In einer Oldtimerausstellung konnten sich die Besucher historische Fahrzeuge aus den Bereichen Motorräder, Autos, Lastkraftwagen und landwirtschaftliche Ackerschlepper und Maschinen ansehen. Viele Oldtimerbesitzer waren gekommen, um ihre Fahrzeuge auf dem Festplatz auszustellen. Dabei gab es die eine oder andere Rarität zu begutachten. Auch gab es viel Raum für „Benzingespräche“ zwischen Gästen und Besitzern.
Besonders gefreut haben sich die Oldtimer-Freunde Harmerz über den Besuch der Wohngruppe Josef des Antoniusheimes Fulda. Sofort nach ihrem Eintreffen konnte die Gruppe eine Fahrt im offenen Oldtimer-LKW mitmachen, der in früheren Zeiten als Mannschaftswagen der Bereitschaftspolizei diente. Anschließend wurde die Ausstellung erkundet.
Zum Ende des Festes konnte festgestellt werden, dass aus Sicht der Fahrerinnen und Fahrer sowie aus Sicht der Zuschauer eine solche Veranstaltung unbedingt wiederholt werden sollte. Die Begeisterung war auf allen Seiten spürbar. Gerade die älteren Zuschauer, die die Rennfahrer Faust/Remmert noch persönlich kannten, waren über das Geschehen an diesem Wochenende tief berührt. +++