Der Landkreis Hersfeld-Rotenburg hat eine neue Attraktion. Nur wenigen ist noch bekannt, dass Mansbach, der malerische Ort in der Kuppenrhön, einst über die Landesgrenzen hinaus für seine „modernste Gestütsanlage Deutschlands“ und hochkarätige Pferdezucht bekannt war. Ein Grund für den Fremdenverkehrsverein Mansbach-Soislieden, die Gestüts- und Pferdegeschichte aufzuarbeiten. Heraus gekommen ist ein ungewöhnlich lebendiges Projekt, das die Geschichte erlebbar und nachvollziehbar macht. Mit einem großen Fest rund um das Geyso-Schloss wird die „Mansbacher Gestütsgeschichte“ am Sonntag, 19. Juli der Öffentlichkeit präsentiert.
„Zu dem Projekt gehören neben dem Buch ‚Galoppieren gegen den Wind’ der Gestütsweg HIPPOVIA, eine Ausstellung in der Mansbacher Heimatstube sowie eine lebensgroße Pferdeskulptur im ehemaligen Schlosspark“, fasst Helga Schlapeit als Vorsitzende des Fremdenverkehrsvereins zusammen. Die Pferdeskulptur im Park vor dem Geyso-Schloss steht dabei nicht nur für den künstlerisch-kreativen Anspruch des Projekts. Sie setzt vor dem ehemaligen Gestütsverwaltungszentrum der Pferdegeschichte ein sichtbares und überaus ansprechendes Denkmal.
Eintauchen in die besondere Historie deutscher Gestütsgeschichte kann man im Buch „Galoppieren gegen den Wind“. Nicht nur die zahlreichen historischen Fotos machen das Buch zu einem Unikat der regionalen Geschichte, auch der Text fesselt von der ersten Seite an. „Wir wollten kein trockenes Geschichtsbuch machen, sondern ein lebendiges Buch mit Anekdoten, persönlichen Schicksalen und gelüfteten Geheimnissen“; fasst die Autorin, die Mansbacher Journalistin Anja Daume zusammen. „Zum Beispiel vom ungarischen Fürsten Amassov, der mit seinen Huzulen-Pferden zum Kriegsende in Mansbach eintraf.“ Durch die wechselvolle Mansbacher Gestütsgeschichte führen die fiktiven Personen Karl Müller, seine Frau Lina und deren Kinder. Sie treffen im Buch mit den Personen der Zeitgeschichte, den ehemaligen Gestütsleitern und –besitzern, zusammen, um ein möglichst reales Bild entstehen zu lassen. „Alle Dialoge und Handlungen sind zwar fiktiv, basieren aber auf den umfangreichen Recherchen sowie den zahlreichen Interviews mit Zeitzeugen“, berichtet die Autorin.
Einer, der durch seine engagierte Unterstützung und durch sein umfangreiches Archiv wesentlich zum Gelingen des Buches und des gesamten Gestütsprojekts beigetragen hat, ist der Mansbacher Chronist Karl Echtermeyer. Er hat außerdem einen großen Teil der Fotos aus seiner Sammlung zur Verfügung gestellt. Das Buch „Galoppieren gegen den Wind“ wird im Rahmen des großen Gestütsfests am Sonntag, 19. Juli, am Mansbacher Geyso-Schloss vorgestellt und kann dort auch erworben werden. Ab 20. Juli ist es dann im Buchhandel (14,50 Euro, Verlag Books on Demand GmbH, Norderstedt, ISBN 978-3-8391-0527-6) und über den Fremdenverkehrsverein Mansbach-Soislieden zu beziehen. „Uns war klar, dass dieses Buch Lust macht, die beschriebenen Orte des Gestütsgeschichte in Mansbach zu besichtigen“, berichtet Helga Schlapeit. „Und so ist der Gestütsweg HIPPOVIA entstanden. Schließlich wollen wir die Geschichte erlebbar machen.“ Der Gestütsweg teilt sich in einen Hauptrundweg innerhalb der Ortslage sowie drei Rundwege, die jeweils an diesen Hauptweg anschließen. Von der Mansbacher Künstlerin Doris Reim entworfene Infotafeln zeigen die historischen Ansichten, kurze Texte von Anja Daume geben Auskunft über die ursprüngliche Nutzung der Orte und Gebäude. Erleben kann man diese Geschichte auch anhand zahlreicher historischer Objekte, Dokumente und einzigartiger Fotografien in der vereinseigenen „Heimatstube“. Die detailreiche Sonderausstellung „Gestütsgeschichte“ wurde von Karl Echtermeyer konzipiert und ist sonntags von 15 bis 17 Uhr oder nach Vereinbarung zu besichtigen.
Auch wenn das Projekt durch Fördermittel der EU und des Landes Hessen kofinanziert wurde, waren viele Stunden ehrenamtliches Engagement nötig, um die Vision des „Gestütsprojekts“ Wirklichkeit werden zu lassen. „Die Realisation des Projekts verdanken wir nicht nur den Mitgliedern unseres Vereins, sondern auch dem Engagement von Alois Wörndl vom Amt für Regionalentwicklung, Landschaftspflege und Landwirtschaft Bad Hersfeld, sowie Hohenrodas Bürgermeister Jörg Schäfer“, betont Vorsitzende Helga Schlapeit. Es hat sich gelohnt: Für die jüngere Mansbacher Generation und die zahlreichen Urlauber, die Mansbach besuchen, ist mit dem Gestütsprojekt eine ganz besondere Attraktion geschaffen worden. Anja Daume: „Die historische Pferdezucht-Tradition zusammen mit der modernen, artgerechten Pferdehaltung in Mansbach live erleben zu können, ist ein ganz besonderer Vorteil. So kann Geschichte tatsächlich lebendig werden.“ Auf dem Gestütsrundweg und in der Heimatstubenausstellung wird man übrigens auf die weiteren Attraktionen Mansbachs – wie die älteste Barockkirche Osthessens, die womöglich keltische Wallanlage „Grasburg“ und zahlreiche Hügelgräber, das Geheimnis der Eulenburg, den jüdischen Friedhof und die Mansbacher Schlösser (Geyso, Untermansbach und Sonnenuhrgebäude) stoßen. Und man wird feststellen: Mansbach ist auf jeden Fall einen Besuch wert. +++