Das Dieselkraftwerk (links) und das Dach des ÜWAG-Informationszentrums mit Solaranlage (re)

Pressegespräch heute Vormittag bei der ÜWAG - Fotos:Hendrik Urbin

10.07.09 - FULDA

ÜWAG modernisiert Dieselkraftwerk: mehr Leistung, besserer Umweltschutz

Das seit 1912 bestehende Dieselkraftwerk des regionalen Energieversorgers Überlandwerk Fulda Aktiengesellschaft (ÜWAG) in der Frankfurter Straße in Fulda wird wieder einmal mit modernster Technik für noch mehr Umweltschutz und Leistungsverbesserung aufgerüstet. Damit verbunden sei auch eine wesentliche Verbesserung der Notstromversorgung für die Region Fulda. Rund 10 Millionen Euro investiert das - nach eigenen Angaben - "führende osthessische Energieversorgungsunternehmen" in den Standort und steigert gleichzeitig die maximal zu erzeugende elektrische Leistung um 20 Prozent auf 24 Megawatt. Für dieses Vorhaben gab der Aufsichtsrat der ÜWAG in seiner jüngsten Sitzung grünes Licht, wie Vorstandsvorsitzender Dipl.Ing. Günter Bury heute Vormittag bei einem Pressegespräch erläuterte.

Das Dieselkraftwerk war schon immer ein Grundstein der Elektrizitätsversorgung der Stadtregion Fulda und der ÜWAG. Es nimmt heute drei Aufgaben wahr: die Notstromversorgung für die Region Fulda, den Spitzenlast- und Regelenergiebetrieb sowie die Sicherstellung größerer Unabhängigkeit vom Strommarkt. Seine vier Aggregate speisen die derzeit mögliche erzeugte Leistung von insgesamt 20,6 Megawatt direkt über das in unmittelbarer Nähe gelegene Umspannwerk Fulda Süd in das 20.000-Volt-Netz der ÜWAG ein.

Bei einem begrenzten Ausfall der Stromversorgung im vorgelagerten Hochspannungsnetz der E.ON Netz GmbH kann das Dieselkraftwerk die Energieversorgung besonders wichtiger Verbraucher im Netzgebiet der ÜWAG übernehmen – allerdings müssen dazu zunächst mobile Notstromaggregate herangeschafft werden, mit deren Hilfe die Maschinen vor Ort in Betrieb zu setzen sind.

„Schwarzstart“ für den „Inselbetrieb“

„In Zukunft wird unser Dieselkraftwerk mit seiner Lage zentral im Netz und in unmittelbarer Nähe zum Umspannwerk auch schwarzstartfähig sein“, beschrieb ÜWAG-Vorstand Dipl.-Ing. Günter Bury weiter das zentrale Ziel der Modernisierung. Das heißt, nach dem Umbau können die Aggregate des Kraftwerks auch bei vollständigem Ausfall des Hochspannungsnetzes ("Blackout") selbstständig wieder anfahren und Strom in definierte Teile des ÜWAG-Netzes einspeisen. „So können wir im Fall der Fälle zum Beispiel Krankenhäuser, Altenheime, Kindergärten, die Notversorgung von Behörden und Krisenzentren, aber auch die Straßenbeleuchtung in der Region Fulda kurzfristig punktuell wieder herstellen“, erläuterte der ÜWAG-Vorstand.

Diese dann mögliche „Inselversorgung“ der Stadtregion sei ein enormer Sicherheitsgewinn und eine deutliche Verbesserung der Versorgungsqualität in Extremsituationen: „Ein solches Notfallkonzept existiert in dieser Form ausgesprochen selten“, betonte Günter Bury. Das Dieselkraftwerk erhält dazu ein separates Schwarzstartaggregat, das die für den Maschinenstart erforderliche Hilfsenergie zur Verfügung stellt. Gleichzeitig erhöht es die Gesamtleistung des Kraftwerks und seine Flexibilität.

Wärmepumpen sichern künftig die schnelle Verfügbarkeit

Auch zum Ausgleich von Lastbedarfsschwankungen im Netz spielt das Dieselkraftwerk der ÜWAG eine wichtige Rolle. „In Zukunft wird diese Funktion noch viel wichtiger, denn je mehr sich die Stromversorgung auf die Einspeisung von regenerativen Energien ins Netz stützt, die wie etwa die Windkraft extremen Schwankungen unterliegt, desto häufiger werden kurzfristig verfügbare Leistungsreserven benötigt“, machte ÜWAG-Vorstand Günter Bury deutlich. So würden inzwischen ins ÜWAG-Netz bis zu 28 MegaWatt Strom aus Photovoltaik eingespeist, die aber bei schlechtem Wetter nicht zur Verfügung stehe. Wichtig für die Wirtschaftlichkeit des Kraftwerks sei die sogenannte Spitzenlastreduktion, die die ÜWAG mit dem Dieselkraftwerk leisten könne, sagte Bury. Die Einzelaggregate könnten getrennt gestartet werden, ihre Leistung stehe innerhalb von Minuten zur Verfügung und stellten so Elektrizität für kurzfristig besonders hohe Nachfrage bereit.

Das erforderliche Vorwärmen der Aggregate für diese Schnellstarts wird nach dem Umbau deutlich effizienter gelöst: Statt der bisherigen elektrischen Direktheizung werden künftig Wärmepumpen eingesetzt. Sie gewinnen rund 75 Prozent der benötigten Wärme aus Luft und Erde; die Vorwärmung der Motoren erfolgt über einen Wasserkreislauf. „Die Wärmepumpen können wir außerdem für die Kühlung der Halle einsetzen, sodass wir auch im Sommer die optimale Betriebstemperatur gewährleisten können“, freute sich Günter Bury über ein ausgefeiltes technisches Detail.

Umweltschutz, Leistungssteigerung und Modernisierung

Modernste Technik, planerische Kreativität und Ingenieurskunst zeichnen das Modernisierungskonzept durchgehend aus. „So sichern wir langfristig den wirtschaftlichen und ökologisch verträglichen Betrieb der Anlage unter Nutzung der vorhandenen Infrastruktur“, lobte der ÜWAG-Vorstand die Arbeit der hausinternen Projektgruppe, die das Konzept entwickelt hat.

Der letzte größere Umbau am Dieselkraftwerk fand 1993/1994 statt. Zwei Maschinen wurden ersetzt, eine aufwendige Schalldämmtechnik wurde eingebaut und die Anlage insgesamt modernisiert. Damit wurde das Dieselkraftwerk den seinerzeit gültigen Bestimmungen der Technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft (TA Luft) und der Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm) angepasst.

„Heute gehen wir einen großen Schritt weiter und optimieren aus eigenem Antrieb die Umweltverträglichkeit unseres Dieselkraftwerks deutlich“, erklärte ÜWAG-Vorstand Günter Bury. Auch zwei weitere Ziele – die Leistung des Kraftwerks zu verbessern und die Anlagen zu modernisieren – seien erfolgreich durchgeplant worden. So werden zwei ältere Aggregate durch drei Aggregate, die den neuesten Standards entsprechen, ersetzt. Weiterhin verbessert die Einspritzung des Brennstoffs nach der „Common-Rail-Technik“ die Motorleistung bis zu 15 Prozent und verringert die Staubemissionen. Für die Reduzierung von Emissionen nach der Verbrennung des Kraftstoffs sorgt die Stickoxid-Reduktion durch SCR-Katalysatoren.

Ein Anbau am Dieselkraftwerk wird künftig die ORC-Anlage beherbergen. ORC steht für „Organic Rankine Cycle“, eine Technik, die überschüssige Abgaswärme der Motoren wiederum für die Stromerzeugung nutzt – ohne Ausstoß zusätzlicher Schadstoffe oder Abgase. Alle fünf Maschinen, die in Zukunft im ÜWAG-Dieselkraftwerk zur Verfügung stehen, werden an diese Anlage angeschlossen. Den Strom aus dem ORC-Prozess speist die ÜWAG in das öffentliche Stromnetz ein. Die überschüssige Wärme wird in ein lokales Nahwärmenetz eingespeist und unterstützt die vorhandene Wärmeversorgung im ÜWAG-Informationszentrum, dem benachbarten Umspannwerk und dem Wohnhaus auf dem Betriebsgelände.

Projektabschluss im Jahr 2011

„Mit diesem Konzept, dem der Aufsichtsrat der ÜWAG in seiner jüngsten Sitzung zugestimmt hat, nutzen wir innovative Techniken, machen unseren Maschinenpark zukunftsfähig, steigern die Leistung des Dieselkraftwerks um rund 20 Prozent und tragen zum Umweltschutz bei“, fasste Dipl.-Ing. Günter Bury zusammen. Das Kraftwerk sei dann mit Leistungen zwischen 1,7 und 24,6 Megawatt flexibel einsetzbar.

Als nächsten Schritt wird die ÜWAG beim Regierungspräsidium Kassel einen Genehmigungsantrag nach Bundesimmissionsschutzgesetz stellen und die Beschaffung der Anlagenkomponenten vorbereiten. Noch in diesem Jahr beginnen die ersten Ertüchtigungsmaßnahmen, ebenso die Arbeiten an der Herstellung der Schwarzstartfähigkeit. Parallel zum weiteren Ein- und Umbau der Maschinen soll nach Vorliegen der Genehmigung, voraussichtlich im Jahr 2010, die ORC-Anlagen-Integration erfolgen. Der Projektabschluss ist für das 2. Quartal 2011 vorgesehen.

Eigenstromerzeugung "bei 60 Prozent im guten Mix"

Für die ÜWAG hat das dann modernisierte Dieselkraftwerk aber noch einen anderen entscheidenden Vorteil, denn damit steigt die so genannte "Eigenstromerzeugung" (incl. Strom aus Windkraft, Photovoltaik und den Beteiligungen an mehreren z.T. im Bau befindlichen Kraftwerken) von bisher 37 auf 43 Prozent. "Ein guter Mix wären etwa 60 Prozent" erklärte Bury. Künftig kümmere sich die ÜWAG deshalb auch mehr um neue Blockheizkraftwerke und andere "intelligente Lösungen der Kraft-Wärme-Kopplung". Seiner Ansicht nach gebe es langfristig ohnehin einen Trend zu "dezentraler Stromgewinnung". Und wörtlich schloss Bury auf den Hinweis, dass sich die ÜAG ja auch an einem Kohlekraftwerk beteilige: "Der richtige Energie-Mix machts". +++


Das Dieselkraftwerk in der Frankfurter Straße um 1930 ...

ÜWAG-Vorstand Dipl.Ing Günter Bury


Das Kraftwerk in der Frankfurter Straße um 1993

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