Daniel aus Eschwege organisiert den "Christopher Street Day" in Bad Hersfeld - Fotos: Christopher Göbel

BAD HERSFELD Kampf gegen Diskriminierung

Ein "Christopher Street Day" für Bad Hersfeld

09.06.22 - Daniel Seelos möchte am 24. September einen "Christopher Street Day" gegen Diskriminierung in Bad Hersfeld veranstalten. Der 24-Jährige hat konkrete Pläne, wie er sich diesen Tag für die LGBTQ-Community in der Festspielstadt vorstellt.

LGBTQ steht für Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender und Queer. Das Symbol für die Gemeinschaft ist die Regenbogenflagge. Zur Community zählen sich nahezu alle Bi- und Homosexuellen, Transgender-Personen, und Menschen, deren Geschlecht und Sexualität nicht dem "typischen" Mann-Frau-Bild entspricht.

Daniel ist bisexuell und hat sich im vergangenen Jahr geoutet. "Erst habe ich es meiner Mutter erzählt. Die wollte es nicht glauben", erzählt er. Im Freundes- und Bekanntenkreis habe der gebürtige Eschweger allerdings viel Ablehnung erfahren müssen. Einige Menschen haben den Kontakt völlig abgebrochen. "Das war der Moment, in dem ich mir sagte, dass ich den Kampf gegen diese Diskriminierung aufnehmen muss." Auch heute noch erfahren Daniel und andere LGBTQ-Personen viel Ablehnung, Hass und Hetze - vor allem im Internet, aber auch auf offener Straße. Daniel rät Betroffenen, sich an spezielle Organisationen zu wenden, sich eine Vertrauensperson im direkten Umfeld oder Rat und Hilfe bei "CSD"-Vereinen zu suchen.

Am Lullusbrunnen sollen Infostände stehen und die Kundgebung stattfinden ...

Insgesamt plant er neun CSD-Veranstaltungen in Nord- und Osthessen in diesem Jahr. Eine davon ist die am 24. September in Bad Hersfeld. "Ich kann und will das natürlich nicht mit den großen Paraden in Frankfurt, Wiesbaden oder Kassel vergleichen." Wenn in Bad Hersfeld 50 bis 60 Menschen seinem Aufruf folgen, wäre er schon zufrieden - für den Anfang.

Daniel plant ab zehn Uhr Infostände rund um den Lullusbrunnen mit einer Kundgebung und einem anschließenden Marsch bis in den Jahnpark. Als Moderator(in) hat er die Drag-Queen "Ludmilla" eingeladen. Sprechen wird unter anderem der LGBTQ-Aktivist Jonas Schmidt, der auch als Moderator und Schauspieler arbeitet.

Aufklärung und Überzeugungsarbeit

Bis dahin liegt noch viel Arbeit vor dem 24-Jährigen, vor allem, weil seine Suche nach Mitstreitern bisher wenig Erfolg gebracht hat. Über die "Ehrenamtssuchmaschine Hessen" sucht Daniel Helfer für Auf- und Abbau, den Backstage-Bereich und die Infostände. In seiner Heimatstadt hat er die Erfahrung gemacht, dass sich viele potenzielle Interessenten nicht trauen, öffentlich im LGBTQ-Umfeld zu erscheinen. Auch deswegen will Daniel den CSD in Bad Hersfeld veranstalten. "Ich will jungen Menschen zeigen, dass es nichts Schlimmes ist, nicht der Norm zu entsprechen." Überzeugungsarbeit und Aufklärung hat er sich auf die Fahnen geschrieben.

Daniel arbeitet selbstständig und hauptberuflich für seine CSD-Idee. Er betreibt einen Internetshop mit Flaggen, Armbändern und anderen Produkten aus der LGBTQ-Szene, um seinen Lebensunterhalt und seine Idee zu finanzieren. Seinen Shop findet man auf https://www.etsy.com/de/shop/csdwerrameissnekreis.

Das Ende des Zuges durch die Stadt soll dann im Jahnpark sein.

Daniel besucht regelmäßig CSD-Veranstaltungen in ganz Deutschland und hat dort schon viele Kontakte geknüpft. "Auf einem CSD bin ich sogar als Redner eingeladen", erzählt er. Das sei allerdings "ein Alptraum" für ihn. Daneben will er auch an Schulen aufklären, doch seine Erfahrungen sind eher negativ: "In den Schulen gibt es immer noch sehr viel Ablehnung", beklagt er. Seine Hoffnung ist, dass er in Bad Hersfeld bei den Schulen, die er demnächst kontaktieren möchte, auf offene Ohren stößt. Am 26. Juli und am 6. August will Daniel bereits mit Infoständen in der Bad Hersfelder Innenstadt auf den 24. September aufmerksam machen.

Appell an die Politik

"Seinen" CSD sieht er als Appell an die Politik, sich mehr für die Rechte homo- und bisexueller sowie Transgender-Personen einzusetzen. Als Beispiel nennt er das Verbot des Blutspendens homosexueller Männer. Das gehe zwar inzwischen unter Auflagen, aber es sei noch keine Selbstverständlichkeit in Deutschland. "Die Politik muss bestehende Gesetze überdenken", sagt er. Politische Parteien möchte Daniel allerdings bewusst aus der CSD-Organisation heraushalten.

Auch bei der Buchung von Tickets oder Hotelzimmern oder für die Bahn würden geoutete Bi- und Homosexuelle sowie Transpersonen laut Daniel benachteiligt. "Es gibt diese Ausgrenzung noch", versichert er. Daniel möchte auch an die Sicherheitsbehörden appellieren, beispielsweise die Sicherheit in Zügen zu verbessern. Menschen, die sich offen als Teil der LGBTQ-Community zeigen, würden oft angefeindet oder angepöbelt. Der 24-Jährige stand auch in Kontakt mit dem offen homosexuell lebenden Bundestagsabgeordneten Michael Roth (Landkreis Hersfeld-Rotenburg und Werra-Meißner-Kreis), "aber durch Corona ist der Kontakt leider eingeschlafen", so Daniel.

Den CSD Bad Hersfeld hat Daniel bereits beim Ordnungsamt der Stadt Bad Hersfeld angemeldet. Jetzt wartet er noch darauf, dass auch die Wegstrecke von der Innenstadt zum Jahnpark abgesichert werden kann. "Das alles zu organisieren ist gar nicht so einfach, wenn man nicht in Bad Hersfeld lebt." Wer Daniel bei den Vorbereitungen zum Bad Hersfelder CSD unterstützen möchte, findet unter dem Stichwort "CSD Bad Hersfeld" Kontaktmöglichkeiten in Instagram, Facebook und TikTok oder per E-Mail an [email protected].

Wenn dann am 24. September am Rathaus und vielleicht entlang der Strecke zum Jahnpark Regenbogenflaggen aus Fenstern und an Balkonen hängen, wäre ein Teil seines großen Traumes bereits erfüllt. (Christopher Göbel) +++


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