Sprung ins kalte Wasser: Die Kommunikation soll besser werden zwischen Vorstand, Eltern und Schwimmern der Leistungsgruppe - Archivfotos: Bernd Vogt

FULDA Keine gute Atmosphäre bei Wasserfreunden

An der Kommunikation hapert's zwischen Leistungsgruppe und Vorstand

10.06.22 - Es ist eine Krux. Da fahren die Schwimmer der Leistungsgruppen eins bei den Wasserfreunden Fulda Erfolg um Erfolg ein - alleine bei den Deutschen Jahrgangs-Meisterschaften Anfang Mai gewannen die Teilnehmer aus der Barockstadt acht Finalläufe. Und doch stimmt die Kommunikation nicht. Zwischen dem Vorstand einerseits sowie den Eltern und den jungen Kräften andererseits. 

Zwar betonen die Vorstandsmitglieder, dass es sich nur um eine kleine Gruppe handele, die Frust schiebt. Das aber sehen rund 80 Prozent der Eltern der Leistungsgruppen 1 und 2, denen SchwimmerInnen im Alter von zehn bis 19 angehören, anders. Seitdem feststeht, dass der äußerst erfolgreiche, aber nicht von allen geliebte Cheftrainer Marco Jabien nach viereinhalbjähriger Tätigkeit zum 30. Juni seinen Hut nehmen muss, fühlen sich Schwimmer und Eltern vernachlässigt oder wollen - um im Sprachbild zu bleiben - nicht mehr so recht auftauchen. Ein Trainer-Ersatz für Jabien sei verpflichtet, sagen die Einen - sie seien nicht oder nicht ausreichend informiert, die Anderen.

Sorgen um die Zukunft der Kinder - Training in Wetzlar und Gießen

Kommunikation, Ehrlichkeit und Transparenz zwischen Vorstand und Eltern müssen sich ändern. Es ist eindeutig: Viele der Eltern sorgen sich um ihre Kinder. Um deren Zukunft. Denn die könne durchaus bei einem anderen Verein liegen. Erst am vergangenen Wochenende fuhren Eltern und Jugendliche nach Wetzlar und Gießen zum Training - auf eigene Kosten. Oder aber: Einige der Kinder und Jugendlichen beschäftigen sich wegen ihrer ungewissen Zukunft durchaus mit dem Gedanken, abzutrainieren. Also ihren über Jahre hinweg erworbenen Leistungs- und Fitnesszustand allmählich und in gesundem Umfang herunterzufahren. Ein für den Leistungssport vieler Heranwachsender eigentlich untragbarer Zustand.

Offensichtlich suchte der Vorstand keinen Kontakt zu seinen erfolgreichen Nachwuchsschwimmern. Und die wussten plötzlich nicht mehr, warum sie noch so viel trainieren sollten. 19,5 Stunden beträgt ihr Trainingsaufwand pro Woche - und bis Mitte Juli stehen sechs herausfordernde Wettkämpfe bevor. Höhepunkt sind die Deutschen Meisterschaften vom 23. bis 26. Juni in Berlin. Wichtig zu wissen, dass Fulda einer von sieben Landesleistungs-Stützpunkten in Hessen ist. Interessant auch, dass es bei den Wasserfreunden in den letzten zehn Jahren acht verschiedene Trainer gab. Und Jabien, zum zweiten Male in Fulda im Amt, alleine die letzten viereinhalb Jahre auf sich vereinigte.

Trainer Marco Jabin (l.) muss nach der Saison gehen

Ärger der Eltern scheint verständlich - Streit um die Kosten

Der Ärger der Eltern scheint verständlich - auch deshalb, weil sie einen beträchtlichen Teil der Kosten tragen. So fuhren sie während der Corona-Zeit in Hessen herum, um außerhalb zu trainieren - und finanzierten das aus dem eigenen Geldbeutel. Auch Übernachtungen in Hotels, Spritkosten oder das Opfern von Urlaub fallen in diesen Bereich.  Zudem berappen die Eltern zweimal ein Trainingslager pro Jahr aus eigenem Säckel. Florian Habersack, Kassierer des Vereins, geschäftsführendes Mitglied des Vorstands, ehemals Wasserballer der ersten Bundesliga und als Ansprechpartner stets präsent, widerspricht dem entschieden. Der Verein trage die größten Kosten, betont er. Er räumt jedoch ein, dass das Finanzierungsthema durchaus gegeben sei. Auch das Thema nicht zufriedenstellender Kommunikation sei präsent. 

Die Wasserfreunde, die sich auf immerhin 600 Mitglieder stützen, können mittlerweile einen Nachfolger für den Erfolgstrainer Jabien präsentieren. Es handelt sich um den Polen Maciei Hampel. Der ist seit vielen Jahren Schwimmtrainer im Leistungssport, verfügt über entsprechende Diplome und machte sich als Sprinttrainer der polnischen Schwimmer bei Olympia 2021 einen Namen. Der Verein ist froh, eine Lösung gefunden zu haben. Alles gut also? Mitnichten. Den Eltern stößt auf, dass es bisher gar keinen Kontakt gegeben habe (Hampels Kontrakt beginnt am 1. Juli), dass sie - und damit ihre Kinder und Jugendlichen - sich gar nicht auf die neue Situation einstellen konnten. Und sie befürchten, dass die Betreuung bei den demnächst anstehenden und wichtigen Wettkämpfen nicht gewährleistet sei.

Hoffnung auf Ruhe im Verein - niemand muss abtrainieren

Das wiederum sieht Schwimmwartin Kathinka Kröger, seit Anfang des Jahres im Amt, anders. Es werde ein qualifizierter Trainer am Beckenrand stehen bei den "Deutschen" in Berlin - und sie bittet darum, dass Ruhe im Verein einkehrt. Momentan sei es ein kritischer Zeitpunkt, um über solche Dinge zu berichten. Man befinde sich in einer "Übergangsphase" - und niemand müsse abtrainieren bei den Wasserfreunden. Es sei ihr aber bewusst, dass es "sehr viele Unstimmigkeiten" gebe derzeit. 

Weitere Trainer sollen dem Vernehmen nach ab Sommer nicht mehr zur Verfügung stehen.  Die Eltern haben Zweifel, ob es auch zukünftig ein tragfähiges Konzept gebe. Der Verein setzt darauf, weiterhin den Sport und die Kinder im Blick zu haben - er werde immer darum bemüht sein, nicht nur den Breiten-, sondern auch den Leistungssport aufrechtzuerhalten. Dieses Konzept aber hatte Jabien: Er machte einen Super-Job - unter ihm entwickelten sich viele Nachwuchsschwimmer beträchtlich. Dass die das wurden, was sie heute sind, das haben sie ihm zu verdanken. Umgangsformen des Cheftrainers hin oder her. 

Anastasia Karakeva Archivfoto: Jonas Wenzel/yowegraphy

Auch Wasserballtrainerin Karakeva geht - "Ohne Disziplin keine Entwicklung"

Mit den Schwimmern hat sie zwar nichts zu tun bei den Wasserfreunden - aber auch Anastasia Karakeva, Trainerin der Wasserballer, wird den Verein nach nur einjährigem Engagement verlassen. "Ich möchte und verfolge etwas Professionelles", betont die Griechin, "die Ziele, die ich hatte, kann ich hier nicht erreichen. Es gibt verschiedene Sachen, die mich stören. Persönlich habe ich hier keine Zukunft." Ihre Linie, die sie vorgebe, stimme nicht mit der des Vereins überein. "Ohne Disziplin gibt es keine Entwicklung. Die Umstände passen nicht", ergänzt sie. Ihr Vertrag läuft noch bis 31. Juli. 

Während die Jahreshauptversammlung schon im Frühjahr auf den 15. Juli terminiert wurde, haben die Wasserfreunde Fulda schon am Montag einen wichtigen Termin: die Vorstandssitzung. Die Fronten scheinen verhärtet. Zeit und Gelegenheit, einige Dinge voran- und auf den Weg zu bringen. (wk) +++

 


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