Boris Weppler (vorne) auf seinem Weg durchs Wattenmeer der Nordsee - Fotos: Privat

NORDHOLZ/LAUTERBACH Lauterbacher bewältigt 100 Kilometer Lauf

Boris Weppler läuft beim Watt-Moor-Ultra durchs Wattenmeer der Nordsee

06.07.22 - Bereits seit einigen Jahren ist Boris Weppler aus Lauterbach-Reuters bereits in der Ultralaufszene aktiv,
Der 46-Jährige, der seit knapp zwei Jahren auch in der Laufabteilung des TV Brauerschwend unterwegs ist, lief bereits an den Edersee und nach Guxhagen. Sein bislang letztes Laufabenteuer war aber auch für ihn etwas ganz Besonderes. Denn bei dem 100 Kilometer langen Watt-Moor-Ultra ging es nicht nur über Straßen, Felder und Wiesen. Weppler zog es diesmal sogar ins Wasser der Nordsee. 

Der Tag davor

Der Streckenverlauf

Da das Event am Samstag startete, fuhr Boris Weppler mit seiner Frau Dagmar und weiteren Mitläufern Freitagnachmittag mit Wattwägen zur kleinen naturbelassenen Insel Neuwerk, wo am Morgen darauf der Lauf startete. Nach der Ankunft in der Unterkunft auf Neuwerk lernte der 46-Jährige die anderen Teilnehmer kennen, zudem gab es ein Briefing für den Lauf. Nach einem gemeinsamen Abendessen ging es dann früh ins Bett, um fit genug zu sein, denn am Samstagmorgen ertönte bereits um vier Uhr der Startschuss. Bei der diesjährigen Austragung des Watt-Moor-Ultra waren insgesamt fünf Teilnehmer für den 100 km-Lauf gemeldet, acht nahmen immerhin noch die 65-, weitere fünf Läufer die 33-Kiometer-Strecke in Angriff.

Die Strapazen wurden immer wieder mit tollen Eindrücken belohnt. Wie hier der Sonnenaufgang ...

Umziehen auf dem Festland

Der Lauftag

in der Morgendämmerung starteten die Teilnehmer und umrundeten gemeinsam die Insel Neuwerk. Nach rund fünf Kilometern ging es dann bei Ebbe ins Wattenmeer. Hier zog sich die Gruppe bereits weit auseinander. Im Wattenmeer konnten alle dann aber einen herrlichen Sonnenaufgang genießen, der ein wenig von den anstehenden Strapazen ablenken konnte. Aber nicht wirklich lange, denn schon währenddessen gab es immer wieder hüfthohe Siele zu durchqueren. Nach zwölf Kilometern im Watt wurde in Duhnen das Festland erreicht.

Dort wartete die erste Versorgungsstation mit Verpflegung und Wechselkleidung auf die Teilnehmer. Ab diesem Zeitpunkt lief Weppler dann allein weiter. Der 46-Jährige lief durch Cuxhaven, an der Alten Liebe vorbei, durch den Hafen hinaus und durch zahlreiche Moorgebiete. Weppler durchquerte dabei kilometerweit naturbelassene und nahezu unbewohnte Landschaften. Doch neben dem Alleinsein bereitete dem heimischen Ultraläufer auch seine Uhr, besser gesagt die damit einhergehende Navigation, Schwierigkeiten, sodass sich Weppler zwischenzeitlich nicht mehr sicher war, auf der korrekten Route zu sein. Zumal die bei Kilometer 28 angekündigte Verpflegungsstation erst bei Kilometer 40 errichtet war. "Die mentale Belastung empfand ich bei diesem Lauf höher als die körperliche. Ich wusste nicht immer, ob ich auf der richtigen Strecke bin. Kilometerweit vor und hinter mir war niemand zu sehen. Ich fühlte mich dadurch einsam, hatte weder Unterhaltung noch Ablenkung", beschreibt Weppler, der noch anfügt: "Einmal hatte ich mich verlaufen, ich lief einen Kilometer in die falsche Richtung, musste umkehren und erneut einen weiteren unnötigen Kilometer zurücklegen. Das fördert nicht unbedingt die mentale Stärke."

Anfeuerung durch seine Fuldaer Freunde

Morgens um 4 Uhr ging es los

Die Überraschung

Bei Kilometer 70 stieß dann urplötzlich und wie aus dem Nichts ein befreundetes Paar – Franzi Sohler und Julian Bredel – aus der Fuldaer Laufgruppe hinzu. "Ich war so perplex und dachte, jetzt halluziniere ich schon. Es kann doch nicht sein, dass ich plötzlich jemanden neben mir laufen sehe, der doch eigentlich 500 km entfernt sein müsste", beschreibt Weppler den skurrilen Moment des so völlig unerwarteten und zunächst unerklärbaren Aufeinandertreffens. Doch ein Zufall war dieses mitnichten, wie groß wäre eine Chance darauf auch gewesen? Kurz zuvor hatte Eike Brähler, eine andere Läuferin aus der Fuldaer Laufgruppe, im Telefonat unbedingt von Weppler exakt wissen wollen, mit welchem Kilometer er gerade kämpfe. Nun schloss sich der Kreis, die Nachfrage der Laufkollegin gab nun noch wesentlich mehr Sinn. Denn mit ihrem Wissen hatte sie die beiden direkt zu Boris Weppler lotsen können. "Die Drei haben mir das Gefühl meines Alleinseins genommen. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar. Das war wirklich eine ganz wunderbare Überraschung", berichtete Weppler nach dem für ihn wohl emotionalsten Highlight der Veranstaltung. Franzi und Julian begleiteten ihn dann auch einige Kilometer während des Laufs. Dies sorgte zudem auch endlich für willkommene Ablenkung von den Strapazen und den Schmerzen. Inzwischen hatten sich nämlich an beiden Fußsohlen Blasen gebildet, Fuß und Rücken schmerzten zudem, Erschöpfung machte sich breit. Neben diversen Pflasterutensilien versorgten beide den 46-Jährigen aus dem Verpflegungsfahrzeug dann auch noch mit alkoholfreiem Bier.

Das Ziel

Das Ziel in Spieka-Neufeld erreichte der heimische Ultraläufer als Sieger nach 13:49 Stunden und hatte in dieser Zeit aufgrund des Umwegs nicht nur 100, sondern 102,5 km zurückgelegt. Im Zielbereich überreichte man ihm nach einer Sektdusche noch eine handgefertigte Finisher-Medaille. Im Anschluss an die Siegerehrung folgte ein geselliger Abend mit allen Teilnehmern und deren Angehörigen. Wepplers Frau Dagmar, Franzi und Julian waren selbstverständlich mit dabei. Bei Kuchen, Grillgut und einer Vielzahl an Getränken wurde bei einem gemütlichen Abend noch lange gefachsimpelt, reflektiert und gelacht.

Was bringt die Zukunft?

Ursprünglich hatte Weppler angedacht am 13.08. in Berlin am 100 Meilen Mauerweglauf teilzunehmen, eine Distanz von 163 km. "Das wäre für mich eine neue Herausforderung, denn 100 km wie beim Watt-Moor-Ultra bin ich ja nicht zum ersten Mal gelaufen. Doch ich erachte es inzwischen als sinnvoller zunächst noch eine paar 100-km-Läufe zu sammeln, um noch mehr Routine für lange Distanzen zu erhalten. Vielleicht nehme ich Ende dieses Jahres noch an einem 100er im Wettbewerb teil." Im Juni des kommenden Jahres jedenfalls ist er bereits beim 100 km-Heide-Ultra mit seinem Lauffreund Bodo Geßwein aus Schwalmtal-Brauerschwend verabredet. (pm/fh)+++


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