09.07.22 - "Walther von der Vogelweide" gilt als der bedeutendste deutschsprachige Lyriker des Mittelalters. Was der Spruchdichter und Minnesänger mit Worten schuf, erbaute "Martin vom Vogelparadies" rund 800 Jahre später mit seinen Händen und modernen Baggern. Erstgenannter sollte den Meisten von uns bekannt sein, den zweiten "Meister seines Fachs" dürften indes bis dato nur wenige Insider kennen. Das wird sich nach diesem "farbenprächtigen Artikel" gewiss ändern.

Fotos: Rudolf Fischer
Martin Omerts Meisterwerk "versteckt" sich hinter einem altehrwürdigen unterfränkischen Fachwerkhaus in der Brunnengasse im beschaulichen Rhöner Dörfchen Bastheim. Hier hat der 57-Jährige einen "kleinen Garten Eden" erschaffen, der deutschland-, wenn nicht sogar europaweit seinesgleichen suchen dürfte. Auf rund 600 Quadratmetern Fläche "tummeln" sich, nein natürlich tirilieren, zwitschern, piepen, plantschen, fressen, brüten und - in erster Linie natürlich - fliegen in großzügig und weitgehend naturnah gestalteten Volieren knapp 100 Vögel aus aller Herren Länder: Russische Nachtigallen, Rubinkehlchen aus Tibet, Bienenfresser und Natalrötel aus Afrika, Schwarzkehl-Häherlinge aus China oder auch ein Weißkappen-Schama aus Borneo, um nur die hervorstechendsten zu nennen.
40 verschieden Vogelarten
Rund 40 verschiedene Vogelarten "beheimatet" der Gemeindearbeiter in seiner Vogel-Miniatur-Biosphäre - neben den "Exoten" natürlich auch einheimische Exemplare. Da stelzen Rotschenkel durch das kühlende Wasserbecken mit Seerosen, an der neugebauten, einem alpinen Felsen nachempfundenen Steilwand hüpft ein gut getarnter und nur bei genauem Hinsehen an seiner roten Flügelbinde zu erkennender Mauerläufer kopfüber in der Vertikalen, Seidenschwänze kokettieren auf einem Ast nebeneinander sitzend mit den Rauchschwalben um das glänzendste Gefieder und die beste Fotografier-Positur, bei Familie Wiedehopf duckt sich leicht ängstlich der Nachwuchs auf den Nistkasten-Boden und die Farbenprächtigsten der bunten Vogelschar, die Bienenfresser, fliegen waghalsige Loopings, bevor sie in ihren frisch angelegten, nach vorne und hinten offenen Brutröhren nach dem Rechten, sprich ihren Eiern sehen bzw. sich an den Futterschälchen mit Mehlwürmern schadlos halten.
"Da stecken viele Mineralien und Vitamine drinnen. Das gibt eine schöne, gesunde und natürliche Farbe", sagt Omert. "Hässliche Vögel sprechen mich eher nicht so an", kommt er "bewusst-unbewusst-unterbewusst" auf seinen "Lieblingsvogel", den Bienenfresser zu sprechen. 2006 habe er drei der fliegenden Farbtupfer zum ersten Mal "in natura" auf Durchzug in Bastheim beobachtet, nach diesem unvergesslichen Erlebnis habe er seitdem seine seinerzeit eher bescheidene Volierenanlage sukzessive aus- und neu aufgebaut, hier von der Scheune, dort vom Garten peu à peu, die Sahnestückchen für sein Vogelparadies (und natürlich die besonderen Bienenfresser) "abgezwackt".
Faszination Vögel
"Das Beobachten von Tieren, speziell von Vögeln, hat mich schon immer fasziniert, seit meinem sechsten Lebensjahr", sagt der gelernte Bauschlosser. "Und wahrscheinlich liegt es auch an den Genen. Schon mein Vater, Opa und Onkel gingen auf die Jagd und hielten sich Tauben und Papageien - ich hingegen erfreue mich an meinen Vögeln!"
Und solche Erlebnisse möchte er interessierten (Hobby-und Profi-) Fotografen und Videofilmern in seinem Paradiesgarten offerieren. "Hier biete ich Ihnen und auch Vereinsmitgliedern eine andere Art des Fotografierens an. Nicht in der Natur, aber fast wie in der Natur. So nahe dran, ohne Glasscheibe zwischen Kamera und Vögeln, können Fotografen und Videofilmer in meinem Vogelparadies seltene einheimische und fremdländische Vögel aufnehmen."

Fotos: Hans-Peter Ehrensberger
Besuchen kann man Omerts Webseite unter www.martinsvogelparadies.de oder mobil unter 0176 559 640 97 Besuchstermine ausmachen. Er freut sich über jede Anfrage nach seinem Refugium, in dem beim Besuch des Reporters satte 38 Grad auf der nach oben offenen Temperaturskala herrschten. Was Bienenfresser, Pirol, Stieglitz, Bluthänfling, Bartmeise, Kernbeißer, Dompfaff, Bergfink, Erlenzeisig, Neuntöter, Orpheus-Grasmücke und Co. nicht das Geringste auszumachen schien. In deren nahezu natürlichem Terrain boten sich ihnen ausreichend Rückzugsnischen, sprudelnde Wasserspiele, schattenspendendes Grünzeug, schützende Nistkästen und kühlende Brutröhren.
Prächtiges Farbenspiel
Und "drinnen", etwas abgesetzt, auf einem mit einer Klimaanlage versehenen "Hochsitz", besser Aussichtsplattform oder Wintergarten, hörten und sahen bei coolen Getränken und einem frisch gebrühten Kaffee mit einem auf einer Vogelmotiv-Tischdecke drapierten Fernglas Hobby-Ornithologe Omert, Kumpel Theo, Fotograf Rudolf Fischer sowie der Reporter und dessen Gattin ihren gefiederten Freunden bei prächtigen Farbenspielen und waghalsigen Flugmanövern zu… (Hans-Peter Ehrensberger) +++