Was müssen seine Eltern für Ängste ausgestanden haben: der kleine Johannes Jehn war als Kind schwer krank - Fotos: privat

FULDA "Lassen Sie das Kind in Würde sterben!"

Lebertransplantation mit drei Jahren - Johannes Jehn lebt dank Organspende

07.08.22 - Für die junge Mutter Rita Jehn aus Fulda war es ein Schock: Ihr Sohn Johannes war im Säuglingsalter schwer krank, seine Leber arbeitete nicht so wie sie sollte - schnell wurde der Zustand lebensbedrohlich - die Lage für das Baby schien aussichtslos. "Lassen Sie das Kind in Würde sterben, Sie sind ja noch jung", mehr Trost hatten die behandelnden Ärzte nicht für die Eltern. Dass der kleine Johannes gerettet wurde und heute selbst Vater von zwei gesunden Kindern sein darf, verdankt er mutigen Ärzten - und einer Organspende. Doch die notwendige Transplantation eines erwachsenen Organs an ein Baby stellte die Mediziner vor ein fast unlösbares Problem, für das sie aber einen sensationellen Eingriff wagten - die allererste dieser Art in Deutschland, die inzwischen vielen Kindern das Leben gerettet hat. Lesen Sie den Bericht, den Johannes Mutter über ihr Baby und dessen Rettung aufgeschrieben hat: 

"Am 28.09.1984 wurde Johannes als zweites Kind per Notkaiserschnitt im Klinikum Fulda geboren. Er wurde als völlig gesundes Kind eine Woche später entlassen. Zuhause bemerkte die Mutter, dass irgendwas mit Johannes nicht stimmt, der Urin wurde immer dunkler, der Stuhlgang immer heller und die Augen immer gelber, fast grün. Der Kinderarzt Dr. med. Wolfgang Reinhard untersuchte sein Blut und überwies Johannes in die Kinderklinik der Uni Frankfurt. Dort stellte man eine Gallengangs Atresie fest (keine Gallengänge von der Leber zum Darm).

Am 21.10.1984 wurde Johannes operiert, die Leber wurde mit dem Darm verbunden, damit die Gallenflüssigkeit abfließen kann. Einen Tag vor Weihnachten wurde Johannes nach Hause entlassen, mit den Worten "Lassen Sie das Kind in Würde sterben! Sie sind ja noch jung."

Die Eltern waren verzweifelt und fanden nach unzähligen Telefonaten mit Kliniken in der ganzen Welt schließlich einen Ansprechpartner in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Dort wurde Johannes durch Prof. Dr. Burdelski bis zur Transplantation betreut. Nach zweimaligem Fehlalarm (mit Hubschrauber nach Hannover und wieder nach Hause) kam im März 1987 der Anruf, auf den die Eltern hofften, vor dem sie aber auch große Angst hatten.

Die gute Nachricht: Es konnte ein passendes Organ gefunden werden. Die Anreise gestaltete sich schwierig, da aufgrund eines Schneesturms, der Hubschrauber nicht starten durfte. So musste die Familie abends um 21:22 Uhr mit dem Zug nach Hannover fahren, wo sie bereits von einem Krankenwagen empfangen wurden. Dieser konnte jedoch die Klinik nicht auf Anhieb finden, so dass manche Straßen mehrfach abgefahren wurden.

Johannes wurde direkt auf die Operation vorbereitet und um 4:30 Uhr in den OP-Saal geschoben. Laut den Ärzten bestand eine Chance für Johannes von 70 zu 30. Abends gegen 19:30 Uhr durften die Eltern Johannes endlich sehen. Der Anblick war nicht schön, überall waren Schläuche. Jedoch erholte sich Johannes gut und durfte am 20.05.1987 nach Hause, auch wenn er selbst das gar nicht wollte.

Doch bei einer wöchentlichen Blutuntersuchung wurde festgestellt, dass die neue Leber vom Körper abgestoßen wird und so wurde er am 23.06.1987 wieder stationär aufgenommen. Sein Zustand verschlechterte sich drastisch. Am 09.08.1987, wieder früh morgens um 4:30 Uhr, schoben sie Johannes wieder in den OP zur Re-Transplantation, die Ärzte in Deutschland entschieden sich erstmals für eine Leber-Teiltransplantation. Dabei wird nur ein Teil des erwachsenen Spenderorgans an das Kind übertragen, die Leber wächst wunderbarerweise mit. Die OP dauerte mehr als sechs Stunden. Um 17 Uhr durften die Eltern Johannes auf der Intensivstation (kein Anblick, an dem man sich gewöhnen möchte) besuchen.

Johannes konnte sich gut erholen und durfte einen Tag vor seinem dritten Geburtstag, am 27.09.1987 nach Hause. Aus wöchentlichen Kontrollen in Hannover, wurden monatliche, dann vierteljährliche und dann jährliche Kontrollen. Johannes konnte wie jeder normale Junge die Schule besuchen, verbrachte eine unbeschwerte Jugend und absolvierte eine Ausbildung.

Heute, 35 Jahre nach der erfolgreichen Leberteiltransplantation hat Johannes Jehn ...

Jetzt, 35 Jahre später, arbeitet er als Hausmeister beim Landkreis Fulda, ist verheiratet und selbst Vater von zwei Jungen im Alter von fünf und zehn Jahren. Bis auf die tägliche Einnahme von Medikamenten bestehen keine Einschränkungen mehr. Der 37-Jährige ist seinen Eltern bis heute unendlich dankbar, dass sie sich nicht haben entmutigen lassen und alles Menschenmögliche für das Überleben ihres Kindes getan haben. Im Jahr 1987 wurde der Verein "Leberkrankes Kind" von betroffenen Eltern gegründet. Dieser ist auch heute noch aktiv und unterstützt betroffene Familien. https://leberkrankes-kind.de."

Es gerät immer wieder in Vergessenheit und ist doch so unendlich wichtig: Jeder kann über den eigenen Tod hinaus helfen: "Organspender retten Leben!" (ci)+++


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