Der Pegel im Edersee sinkt, der Weg zum Ausflugsschiff wird steiniger und länger. Rechts die Straße an der Uferpromenade - Fotos: Hans-Hubertus Braune

WALDECK Klimawandel ist gegenwärtig

Dem Edersee geht das Wasser aus - Tourismuschef: "Eine Katastrophe für uns"

16.08.22 - Die Sonne scheint vom blauen Himmel, die Temperaturen pendeln sich auf rund 30 Grad ein und in vielen Bundesländern sind gerade Sommerferien: Ideale Voraussetzungen für einen wunderschönen Urlaub am und im Wasser. Der Edersee in Nordhessen ist seit vielen Jahren ein beliebter Ausflugsort. Doch die anhaltende Trockenheit macht auch der Tourismusbranche zu schaffen.

"Das ist schon eine Katastrophe für uns", sagt Claus Günther. Der Geschäftsführer der Edersee Marketing GmbH ist in diesen Tagen viel unterwegs. Er spricht mit den Betrieben entlang der Uferpromenaden.

"Gerade die Tagestouristen bleiben aus", sagt Günther im Telefongespräch mit OSTHESSEN|NEWS. Der Edersee mit seinen vielen Wassersportmöglichkeiten ist das Zentrum der Tourismusregion. Das wiederholte Niedrigwasser in der Hauptreisezeit macht den Touristikern zu schaffen.

Von der Festung von Schloss Waldeck aus ist das Niedrigwasser garnicht so gut zu erkennen ...

Hier schon eher

Einst wurde die Talsperre vor über 100 Jahren gebaut, um die Schifffahrt auf der Weser und dem Mittellandkanal zu gewährleisten. Inzwischen fordert der Klimawandel ein umdenken. Dem Edersee geht förmlich das Wasser aus. Am Montag befinden sich rund 37,01 Millionen Kubikmeter Wasser im Edersee. Hört sich viel an, ist es aber nicht. Genau genommen sind es lediglich 18,55 Prozent der möglichen Gesamtmenge. Der Edersee muss gerade in den Sommer- und Herbstmonaten wegen seiner Bestimmung mehr Wasser abgeben, sobald die Weser selbst nicht genug Flüssiges unter dem Kiel der dortigen Schiffe bieten kann.

Doch: "Am 9. August 2022 hat das Wasservolumen im Edersee die Marke von 40 Millionen Kubikmetern unterschritten, mit der Folge, dass nun nur noch die Mindestabgabe abgelassen werden darf und damit auch die Schifffahrt auf der Oberweser eingestellt werden muss. Das geschieht nun bereits zum vierten Mal in den letzten fünf Jahren. Konnte man 2018 noch von einem Ausnahmesommer sprechen, ist diese anhaltende Trockenheit in den Sommermonaten nun Normalität geworden", schreibt der Regionalverband Eder-Diemel (REVD) in einer Pressemitteilung. Und das mehrere Wochen früher im Verglich zu den Vorjahren. Zum Mittelwert der Jahre 1914 bis 2021 fehlen aktuell knapp 14 Meter. Unter Vollstau beträgt der Wasserstand 244,97 Meter über NN, aktuell sind es 222,57 Meter über Normalnull (NN).

Den Edersee komplett leerzumachen, macht keinen Sinn

Die Abflussmenge ist geregelt und derzeit auf die Mindestmenge reduziert. Dies bekommt natürlich auch die Region Oberweser und der Mittellandkanal zu spüren. Die Pegelstände dort sind entsprechend gesunken, eine Schifffahrt kaum möglich. Doch den Edersee komplett leerzumachen, macht für den Lebensraum der Unterwassertierwelt überhaupt keinen Sinn. Fällt der Pegel weiter unter den Grenzwert von 20 Millionen Kubikmeter Wasser, dann wird die Abflussmenge auf die Einflussmenge reduziert. Und die ist derzeit kaum nennenswert. "Dann trocknet die untere Eder aus", sagt Günther - und das ist auch ökologisch eine Katastrophe.

Edersee-Atlantis kein Grund zur Freude

Zwar zieht das Edersee-Atlantis einige Touristen an. Doch die Freude, alte Mauerweke zu entdecken ist nicht unbedingt ausgeprägt, zeigt dies doch die Wasserknappheit. Mit Atlantis sind die Reste von Asel, Berich und Bringhausen gemeint. Die Dörfer wurden im Zuge des Talsperrenbaus in höheren Regionen neu aufgebaut.

Der Tourismus lebt aber in erster Linie von den Angeboten auf dem Wasser und am Strand. Ob Touren mit den Ausflugsschiffen, Segeltörns, Tretboot, Surfen, tauchen, angeln - um einige Möglichkeiten zu nennen. Den Wildpark, die Hochbahn, Schloss Waldeck, Wander- und Radwege - all das nutzen die Touristen gerne als zusätzliche Angebote. Wenn aber erstmal 100 Stufen zurückgelegt werden müssen, um an das Ausflugsschiff zu gelangen, dann schreckt dies die Urlauber ab. Die Touristiker am Edersee befürchten, dass das Image der gesamten Region unter der anhaltenden Dürre leide.

Konzept Haltelinie 125

Der Regionalverband Eder-Diemel fordert deshalb, gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Weder dem Edersee noch der Region Oberweser bringt die aktuelle Situation irgendetwas. "Für 2022 ist nichts mehr zu retten. Umso wichtiger ist nun eine Perspektive für die nächsten Jahre, also eine Änderung des Wasserwirtschaftskonzeptes, z. B. wie es der RVED mit dem Konzept Haltelinie 125 vorschlägt. Ansonsten wird der Imageschaden für den Tourismus am Edersee nicht mehr aufzufangen sein und auch an der Oberweser sollte man sich mit neuen Konzepten befassen. Denn das Opfer, welches der Edersee und der Diemelsee nun fast jeden Sommer bringen müssen, hilft auch dort immer weniger", schreibt der Verband.

Trotzdem seien die zuständigen Behörden bisher nicht bereit, zusätzliche Wassersparmaßnahmen einzusetzen. Ein Konzept dafür habe der RVED bereits 2020 erarbeitet und in die Fachdiskussion eingebracht. Danach sollten die Wasserentnahmen vom 15. Juli bis zum 15. August auf die Mindestabgabemenge begrenzt werden, sofern die Marke von 125 Millionen Kubikmetern im Edersee dann unterschritten worden sei. Für dieses "Konzept Haltelinie 125" hatten sich auch die Anrainergemeinden, die Stadt Bad Wildungen und der Landkreis eingesetzt. Immerhin gebe es seitens des Regierungspräsidiums und der Wasserschifffahrtsbehörde die Zusage, noch einmal darüber zu reden. Die aktuelle Situation zeige die Dringlichkeit.

Niemand hofft, dass die Klimaforscher recht haben und diese Dürre- und Hitzeperioden länger werden. Die Situation am Edersee zeigt, wie vielfältig die Auswirkungen sind. Die Situation annehmen und gemeinsam Lösungen finden, ist entscheidend wichtig. Wie sagt Tourismus-Geschäftsführer Claus Günther so treffend: "Wir sitzen letztlich alle in einem Boot" - egal wie schön das Wetter auch sein mag. (Hans-Hubertus Braune) +++


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