21.08.22 - Eines vorweg: Das ist nicht besserwisserisch gemeint. Doch im Fußball geht es nun einmal um drei Punkte. Die Bilanz der Fußballer der SG Barockstadt Fulda-Lehnerz ist nach den ersten drei Spielen für einen Aufsteiger gar nicht mal so schlecht mit drei Punkten aus dem Auftakterfolg gegen Steinbach Haiger. Jedoch fällt eins auf: Wieder war die 1:3-Heimniederlage am Samstag gegen die U23 des FSV Mainz 05 lehrreich - wie schon das 0:3 am vergangenen Wochenende in Aalen. Es sind vor allem zwei Dinge, die die SGB so bald als möglich beherzigen sollte. Wenn sie punkten möchte.
Der Eindruck täuschte nicht. Sedat Gören, Trainer der SGB, kam etwas mühsam zur obligatorischen Pressekonferenz. Dabei hätten ihm die Worte des Gästetrainers Jan Siewert schmeicheln müssen. "Kompliment für die gute Arbeit, die in Fulda seit Jahren geleistet wird." Kaufen konnte sich Gören in diesem Moment, den ersten Eindrücken und Stunden dafür nichts. Es fiel Gören nicht leicht, die zweite Niederlage zu Saisonbeginn "gegen eine Mannschaft, die uns spielerisch überlegen und beweglich ist sowie Tempo mitbringt", zu akzeptieren. Vor allem mit zwei Dingen tat sich Fuldas Trainer schwer.
1. Das taktische Verhalten nach dem 1:0 - oder wie gehe ich mit einer Führung um?

Jan Siewert
Nach dem Führungstreffer des Innenverteidigers Marius Grösch per Elfer - wie schon gegen Steinbach Haiger - gab es keinen Grund, Ordnung oder Kompaktheit aufzugeben. Im Gegenteil: Die SGB ging als Aufsteiger und keinesfalls als Favorit in dieses Duell. Warum aber gelangte der Japaner und doppelte Mainzer Torschütze Mizuta in eine solch verlockende Position, dass es obligatorisch war aus seiner Sicht, zum Abschluss - und damit zum 2:1 zu kommen? Und warm war der zur Pause eingewechselte und viel Geschwindigkeit mitbringende Brandstetter in der Entstehung des 3:1 so frei?
Mit diesem Tor war der Käse gegessen. Siewert begründete Brandstetters Hereinnahme: "Ich hatte es im Gefühl. Wir brauchten einen Spieler, der zwischen den Linien steht." Und der Coach wollte sich sofort erinnern. "Seit Oktober hat er, glaube ich, nicht mehr getroffen." Gören jedenfalls war es nicht recht. "Dreimal ist es passiert auf der Seite. Da müsssen wir kompakter stehen. Wir haben es angesprochen, dass der Gegner viel Geschwindigkeit mitbringt."
2. Im Offensivspiel der SG Barockstadt muss sich einiges tun

Leon Pomnitz (vorn)
Auch das war eine Erkenntnis aus dem Aalen-Spiel - und sie zeigte sich am Samstag erneut: im Offensivspiel des Aufsteigers ist nicht besonders viel los. Beide Tore des SGB-Teams sind aus Elfmetern und nicht aus dem Spiel heraus gefallen. Leon Pomnitz wird vom Gegner meist gut zugedeckt und vom Tor weggehalten - und dann? An Bewegung und Beweglichkeit hapert es ebenso wie an der Tiefe und an Überraschungsmomenten. "Der Schuh drückt vorne. Wir brauchen einen Stürmer. Unbedingt. Um in dieser Liga zu bestehen", weiß Gören.
Zwar erspielte - besser: erarbeitete sich - sein Team in Halbzeit eins einige "Halbchancen" - Jonas Pfalz' Heber hätte durchaus das 1:0 bedeuten können - "und wir haben in dieser Phase gute Möglichkeiten nicht zu Ende gespielt", befand der Trainer. Nur: Wie kann man davon auf Sicht leben? "Wir wollten in der zweiten Halbzeit genauso angreifen wie in der ersten", erklärte Gören. Der SGB-Coach musste aber in der Entwicklung des Spiels erkennen: "Wir standen dann nicht mehr so gut. Wir dürfen dem Gegner nicht so die Räume geben. Es war bitter, dass wir solch ein Spiel aus den Händen gegeben haben." Dass angesprochene Fehler in der Regionalliga eiskalt bestraft werden, das hatten wir schon ...
Siewert hatte da gut lachen. "Die Jungs haben in der Pause ein paar Dinge mitbekommen", sagt er, "wir wollten in der zweiten Halbzeit das Tempo durchziehen". Fuldas Trainer versprach indessen, dass sich er und sein Team gewissenhaft vorbereiten und arbeiten werden, was die anstehende Aufgabe bei der TSG Balingen am kommenden Samstag angeht. (wk) +++