Ist in Kirchen bald der Zwiebelook notwendig? - Archivfotos: O|N/Martin Engel

REGION Einsparungspotenziale werden gesucht

Auch Kirchen sind von Energiekrise betroffen: Maßnahmen werden eruiert

13.09.22 - Die Temperaturen werden in Osthessen immer herbstlicher. Somit auch die Frage, welche Maßnahmen im Zuge der Energiekrise ergriffen werden. Natürlich betrifft die schwierige Situation auch die Kirchen. Sowohl beim Bistum Fulda, als auch der Evangelische Kirche in Hessen und Nassau werden derzeit verschiedene Szenarien erwogen.

"Für das Bistum Fulda werden derzeit Handlungsempfehlungen und konkrete Vorgaben zu den Themen Energieeinkauf und Energieeinsparung in Zeiten der Energieversorgungskrise erarbeitet und abgestimmt, die zum Beginn der Heizperiode in Kraft treten sollen. Schon die bisher gültigen Empfehlungen und Möglichkeiten können zu erheblichen Kosten- und Energieeinsparungen beitragen. So bietet das Bistum den Kirchengemeinden bereits seit vielen Jahren die Möglichkeit des gemeinsamen Gas- und Stromeinkaufs durch Rahmenverträge an. Strom wird bei einem Anbieter bezogen, der prinzipiell nur Ökostrom im Geschäftsmodell hat. Der noch bis Ende 2024 laufende Rahmenvertrag für Erdgas beinhaltet die Kompensation der CO₂-Emissionen, das heißt aufgrund ausgleichender Maßnahmen gilt das bezogene Erdgas als klimaneutral", so das Bistum auf OSTHESSEN|NEWS-Anfrage.

Weitere Absenkung der Temperatur nicht ausgeschlossen


Und weiter heißt es in einer Stellungsnahme: "Besucher unserer Kirchen sind es ohnehin gewohnt, in der kalten Jahreszeit mit Jacken und Mänteln in den Gottesdienst zu kommen, da die Kirchen in der Regel nicht auf Zimmertemperaturen geheizt werden: In der Heizperiode werden als Mindesttemperaturen für Kirchenräume während der Gottesdienste Temperaturen von 12°- 14° C empfohlen, in anderen Zeiten 8° C. Eine weitere Absenkung dieser Werte kann abhängig von bauphysikalischen Gegebenheiten wie den zu erwartenden Schwankungen und Extremwerten der jeweiligen Luftfeuchtigkeit möglich sein. Differenzierte Empfehlungen dazu werden derzeit erstellt, dazu sind die entsprechenden Fachleute auch in einem überdiözesanen Austausch. Dabei gibt es aber auch bauphysikalische Grenzen – so gilt es etwa, Schäden an der Bausubstanz, an Orgeln und Kunstgegenständen durch zu niedrige oder zu stark schwankende Temperaturen zu vermeiden."

Zusammenlegung von Gottesdiensten?


Zudem denkt das Bistum auch über eine Zusammenlegung von Gottesdiensten nach: "Vielerorts werden aktuell auch die Möglichkeiten zur Zusammenlegung von Gottesdiensten an einem Standort geprüft, etwa auch die verstärkte Nutzung von Pfarrheimen. Zur Beheizung von kirchlichen Arbeitsstätten und Versammlungsräumen werden Regelungen in Anlehnung an öffentliche Einrichtungen erstellt. Weitere Möglichkeiten zur Energieeinsparung gibt es zudem in der Außenbeleuchtung."

Im Sommer waren die Temperaturen in den Kirchen angenehm, doch der Herbst und der Winter ...

Das Bistum hat zudem schon in der Vergangenheit Maßnahmen ergriffen, unter anderem gibt es, auf einigen größeren Gebäuden des Bistums, seit Jahren Fotovoltaikanlagen zur Stromerzeugung, ein weiterer Ausbau werde zudem angestrebt. "Das Bistum animiert die Pfarrgemeinden darüber hinaus zur Umsetzung verschiedener Maßnahmen zur Energieeinsparung wie etwa der Anpassung der Heizungssteuerung an die Gottesdienstzeiten, einer Heizungswartung und einem hydraulischen Abgleich zur Optimierung. Auch innovative Wärmekonzepte wie Geothermie in Verbindung mit Flächenheizungen sind als Pilotprojekte in einzelnen Liegenschaften bereits umgesetzt. An anderen Stellen sind Kirchen auch an Nahwärmenetze angeschlossen", erklärt die Pressestelle des Bistums Fulda abschließend.

Natürlich betrifft das Problem auch die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN): sie hat ihre Gemeinden sowie alle Kirchenmitglieder angesichts der Gasknappheit zum Energiesparen aufgerufen. In einem Rundschreiben, das am Freitag (9. September), an über 1000 Kirchengemeinden und EKHN-Einrichtungen ging, wird darum gebeten, aufgrund der "besonderen Lage und in Solidarität mit der Ukraine in allen Kirchengemeinden und kirchlichen Einrichtungen Energie einzusparen und so einen Beitrag zur Energieversorgungssicherheit zu leisten".  Das Papier weist zugleich darauf hin, dass Gemeinden Menschen verstärkt in den Blick nehmen sollen, die durch die dramatisch gestiegenen Energiepreise besonders betroffen sind. So könnten kirchliche Räume beispielsweise auch als Wärmestuben dienen. Gleichzeitig wurde ein umfangreiches Informationspaket entwickelt, das im Internet abrufbar ist unter www.ekhn.de/energiesparen 

Gottesdienste notfalls im Freien oder im Internet feiern


Die kirchlichen Sparmaßnahmen lehnen sich für Verwaltungsgebäude und Gemeindehäuser an die jüngsten Verordnungen des Bundes an. So sollen beispielsweise Flure in evangelischen Bauten kalt und Büros künftig nicht über 19 Grad geheizt werden. Auch die Fassadenbeleuchtungen sollen ausgeschaltet bleiben. Bei Kirchen, die bereits nach bisher geltenden hessen-nassauischen Richtlinien in der Woche nicht über sieben und zum Gottesdienst nicht über 15 Grad aufgeheizt werden sollen, gibt es dagegen keine neuen Heiz-Vorschriften. Das Papier regt zugleich an, im Winter zu Gottesdiensten gegebenenfalls in Gemeindesäle oder auch ins Freie auszuweichen. Auch verkürzte oder digitale Feiern sowie die Nutzung von Sitzkissen und Decken werden vorgeschlagen.

Eindringliche Bitte zum Sparen in Gemeinden


Nach Worten des Leiters der EKHN-Kirchenverwaltung, Heinz-Thomas Striegler, befänden sich "Deutschland und weitere europäische Länder infolge des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine in einem Ausnahmezustand im Hinblick auf die Energie- und Gasversorgung". Er bitte mit der Kirchenleitung "eindringlich darum, dass alle verantwortlichen Entscheidungsorgane, Kirchenvorstände sowie sonstige Leitungsorgane" sich in ihren Sitzungen mit den Empfehlungen auseinandersetzen, um den bestehenden Herausforderungen verantwortlich begegnen zu können. Hintergrund: Evangelisch Kirchengemeinden sind organisatorisch eigene Körperschaften und treffen ihre Entscheidungen weitgehend eigenverantwortlich. (kku/pm)+++


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