Die Blöcke der Ultras der Eintracht (l) und von Marseille beschießen sich mit Feuerwerk. - Foto: picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow

MARSEILLE / FRANKFURT Ausschreitungen in Marseille

Pyro-Schlacht und Hitlergruß: Eintracht droht Geisterspiel

14.09.22 - Eigentlich trug das Spiel eine historische Note. Nein, nicht eigentlich. Es trug sie. Und der 1:0-Sieg der Frankfurter Eintracht - der erste in der Champions League - im Stade Velodrome bei Olympique Marseille wird in die Geschichtsbücher des Vereins eingehen. Jener Dienstagabend am 13. September 2022, an dem Jesper Lindström der Torschütze war und auch er einen Platz in den Annalen sicher hat. Doch auch das andere, bestens bekannte Thema überschattete die Partie: Fan-Ausschreitungen, unzählige Böller krachten, Pyrotechnik umnebelte das Spiel. OSTHESSEN|NEWS hat sich umgehört.

"Fans" beider Seiten waren involviert. Schuldige waren kaum auszumachen. Da eine kleine, aber beschämende Gruppe von Gäste-"Fans" daran beteiligt war, droht dem Bundesligisten nun ein Geisterspiel in der Champions League. 

"Im Fernsehen konnte man sich eigentlich gar kein Bild machen"

"Ich bin skeptisch mit den Fans. Ähnlich wie unser Präsident", sagt Marc Dechant, Mitglied eines osthessischen Eintracht-Fanclubs, knapp. Auch aus seinen Worten hört man, dass die erneuten Ausschreitungen zu erwarten waren und nicht überraschend kamen. Dechant war zunächst Gast des Barockstadt-Spiels, eilte nach Hause und verfolgte das Eintracht-Spiel ab der fünften Minute im TV. "Im Fernsehen hat man ja nicht viel gesehen", sagt er, erst in den Schlussminuten sei es zu den negativen Vorfällen gekommen. Dechant vermutet, das Fernsehen habe bewusst nicht viel gezeigt, "man konnte sich eigentlich gar kein Bild machen".

Archivfoto: O|N/Jonas Wenzel

Dabei sei die Problematik schon speziell. "In jedem Fanclub gibt es echte Hardcore-Fans". Und wenn man mit denen spreche, seien oft die Anderen schuld. "Natürlich sieht das die große Masse, die für Sport und Fußball einsteht, schon sehr kritisch", ergänzt der Fuldaer. Dechant hatte die Befürchtung, dass es bereits im ersten Heimspiel der Eintracht in der Champions League gegen Sporting Lissabon zu Ausschreitungen kommen würde. Doch da - er war im Stadion - "war eine große Zurückhaltung zu spüren. Die Stimmung war merkwürdig ruhig".

Dechant bleibt im Sprachbild des Fußballs. "Die Eintracht hat die Gelbe Karte gekriegt. Jetzt müssen wir sehen, wie die Rote Karte aussieht." Ein Ziel aber verfolgt er: das letzte Champions-League-Auswärtsspiel am 1. November in Lissabon. "Ich habe einen Platz im Fan-Flieger. Falls es kein Geisterspiel gibt."

Fan zeigt Hitlergruß - Fanabteilung distanziert sich

Neben den Pyro- und Böllerattacken sorgte noch eine andere Szene für Entsetzen. Auf einem im Internet geteilten Video ist zu sehen, wie ein Eintracht-Fan offenbar den Hitlergruß zeigt. Der Mann trägt einen Eintracht-Pulli und ist auf dem Video deutlich zu erkennen. Die Fanabteilung der Frankfurter verurteilt das Verhalten des Fans: "Wir schämen uns für Menschen, die aus Frankfurt kommen, den Adler auf der Brust tragen und den Hitlergruß zeigen. Ihr gehört nicht zu diesem Verein, zu dieser Stadt, ihr gehört nicht zu uns", schreiben sie auf Facebook.

Was bei aller Kritik aber nicht untergehen darf: Auch die Frankfurter Fans wurden massiv von Olympique-Anhängern attackiert. Ein Fan wurde gar von Pyrotechnik am Hals getroffen. Beim darauffolgenden Sturz brach er sich drei Rippen und einen Halswirbel. Er verbrachte die Nacht auf der Intensivstation, kann seinen linken Arm nicht mehr bewegen. In Lebensgefahr schwebe er aber nicht. Insgesamt soll es mehrere Dutzend leichtverletzte Eintracht-Anhänger geben. 

Foto: Eintracht Frankfurt

All das trübt die Freude über die ersten drei Punkte in der Champions League erheblich. "So richtig Freude über die drei Punkte mag nicht aufkommen, weil es schon sehr befremdlich ist, welches Ausmaß an Aggressivität uns da entgegenschlug – und natürlich auch auf Reaktionen traf. Es gab auf beiden Seiten sicher eine ganze Menge Täter, aber auf der Seite der Gastgeber bedeutend mehr. Dass wir hier sportlich einen kühlen Kopf bewahrt haben, ist natürlich großartig. Aber mit dem Rest werden wir uns wahrscheinlich noch lange beschäftigen müssen. Was das an Uefa-Sanktionen und -Auswirkungen hat, kann ich noch nicht sagen. Wenn ich eine Bestrafung fürchte, dann eher für ein Auswärtsspiel. Ich kann aber nicht ausschließen, dass die Bewährung für das Heimspiel betroffen ist", sagte Eintracht-Vorstand Philipp Reschke nach der Partie. (wk/fh)+++


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