Das Regionalliga-Team dieser Saison - Fotos: Hessen Kassel

KASSEL/FULDA Nächster Gegner der SG Barockstadt

Hessen Kassel: Als Trainer Damm sein 1. Bundesliga-Tor unter Kloppo schoss

16.09.22 - Wieder gegen einen Traditionsverein, wieder ein Flutlicht-Spiel, wieder beste Regionalliga-Atmosphäre - nur die Anreise ist dieses Mal nicht so weit: Die Kicker der SG Barockstadt präsentieren sich am Freitagabend, 19 Uhr, bei Hessen Kassel. Und wieder darf die Ausgangsposition keine Rolle spielen: Der Aufsteiger aus Fulda erscheint nach acht Punkten aus den letzten vier Spielen tabellarisch plötzlich als Favorit - Kassel hat keines seiner sieben Spiele gewinnen können. OSTHESSEN|NEWS hat sich in Nordhessen umgehört.

Doch zunächst zählt die Nostalgie. Denn Kassels Trainer ist in Nord- und Osthessen alles andere als ein Unbekannter. Es ist Tobias Damm aus dem Waberner Ortsteil Falkenberg. Über Homberg/Efze gelangte der 38-Jährige nach Wabern - und von dort zum Bundesligisten Mainz 05. 2005 war das - sein Trainer: Jürgen Klopp. Champions-League-Sieger, Menschenfänger, Kulttrainer und noch viel mehr. "Die Mainzer Zeit, das war meine Geschichte", sagt Damm noch heute mit Stolz in der Stimme. Neun Einsätze hatte der Angreifer in der Bundesliga, "Sachen, die man nie vergisst". Gleich in seinem ersten Bundesliga-Spiel traf Damm. "Mit das Highlight meiner Karriere", erinnert er sich. Es war das Heimspiel am Bruchweg gegen den VfL Bochum. 

Jetzt aber zur Aktualität. Damm bleibt realistisch, wenn er die jüngste 2:3-Niederlage vom Dienstagabend in Homburg erklärt. Die "Hessen", wie sie umgangssprachlich nur genannt werden, führten zur Pause 2:0. "Es war klar, dass Homburg dann Druck machen würde. Und dem konnten wir nicht standhalten", verrät der Coach. "Homburg hat zwei Gänge hoch geschaltet, und wir haben zu früh den Anschluss kassiert." Der resultierte aus einem Freistoß aus günstigster Position. "Wir waren stets einen Schritt zu spät in der zweiten Halbzeit", ergänzt Damm. Und das 2:3 in Minute 84 bewertet er so: "Natürlich war es ein Nackenschlag und das i-Tüpfelchen des Abends." Und als wäre all dies ein Sinnbild des bisherigen Saisonverlaufs, sagt der Trainer unumwunden: "Du bist drauf und dran zu gewinnen, hast das Spiel im Griff und gibst es dann aus der Hand."

Das eine oder andere Spiel hätte auch in Kassels Richtung kippen können

Damm hat beobachtet: "Das waren, bis auf das beim FSV Frankfurt, alles offene Spiele bisher. Und das eine oder andere hätte auch in unsere Richtung kippen können. Wir haben zu viele Gegentore kassiert, denen sehr einfache Ballverluste vorausgegangen sind und die der Gegner bestraft hat." 

Dabei ist die Mannschaft des KSV Hessen - Siebter der letzten Saison - weitgehend zusammengeblieben. Nur wenige Akteure sind hinzugekommen, etwas frisches und etwas erfahrenes Blut. Frisch sind gewiss Elias Liesche, der aus der U19 des SC Paderborn kam, aber ein Kasseler Eigengewächs ist. Ähnlich Silas Hagemann, der die Ausbildung des thüringischen Traditionsvereins Carl-Zeiß Jena genoss, aber aus dem Schwalm-Eder-Kreis stammt. Obwohl noch jung, verfügen sie über größere Erfahrungswerte: Rechtsaußen Oliver Issa Schmitt vom 1. FC Köln II und Mittelstürmer Noah Jones vom schweizerischen Zweitligisten FC Wil.

Das Ziel: Anschluss ans Mittelfeld gewinnen - Das Zauberwort: Langsames Wachstum 

Erwischt man einen solch schlechten Start, braucht man sich über Saisonziele erst mal nicht so zu unterhalten. "Wir wollen natürlich so schnell wie möglich Anschluss ans Mittelfeld gewinnen und über dem Strich stehen", macht Damm klar. Auch die Ausrichtung der "Hessen" umreißt er eindeutig: "Langsames Wachstum." Dazu muss man sich an der mit zahlreichen Höhen und Tiefen gespickten Vereins-Historie orientieren. Denn kaum ein zweiter hat die dermaßen durchlebt wie Hessen Kassel.

1893 wurde der Verein gegründet - und seitdem mehrfach umbenannt. Der "alte" KSV Hessen spielte zu seinen besten Zeiten zwischen den 1980 und 1990 acht Jahre lang in der Zweiten Liga - und verpasste mehrfach nur knapp den Aufstieg in die Bundesliga. Spieler wie Torjäger Helmut Hampl, der heutgie Bundesliga-Trainer André Breitenreiter, der Oberaulaer Armin Hofmann oder der Bebraner Klaus Weiland sorgten nicht nur für Qualität - sie ließen auch das Fußballer-Herz höher schlagen. Dazu gesellten sich Trainer wie Jörg Berger und Lorenz Günther Köster.

Von einem Konkurs zum nächsten

1993 ging der Verein erstmals in Konkurs. Der FC Hessen Kassel machte den Durchmarsch von der Kreis- bis in die Hessenliga. Doch der Nachfolgeverein hielt sich nur vier Jahre. Seitdem gibt es den "neuen" KSV Hessen. 2010 stieß Tobias Damm als Spieler hinzu - seit Oktober 2019 ist er Trainer. "Wir sind 2018 nochmals aus der Insolvenz gekommen. Wir waren aus der Regional- in die Hessenliga abgestiegen, hatten neun Punkte abgezogen bekommen und sind 2019 dennoch nur knapp am Wiederaufstieg gescheitert." Hier könnte Damms zweite Geschichte einsetzen. Am letzten Spieltag der Aufstiegsrelegation mussten die "Hessen" in Flieden gewinnen - und im Parallelspiel schaffte Konkurrent Bayern Alzenau beim schon aufgestiegenen FC Gießen in der 94. Minute den Ausgleichstreffer, der zum Aufstieg reichte.

Schnee von gestern. Seitdem hat sich Hessen Kassel entwickelt und stabilisiert, der Nachwuchsbereich wurde umstrukturiert. Wirtschaftlich leben die Nordhessen sehr eingeschränkt. Und wie schätzt Damm die Aufgabe gegen die SG Barockstadt im 18.737 Plätze bietenden Auestadion ein?  "Es ist ein Hessenderby. Braockstadt tritt sehr stabil auf. Sie haben sich einen Namen gemacht. Mit ihnen ist zu rechnen." Übrigens: Steven Rakk, der jetzt in Kassel spielt und  beim FSV Hohe Luft groß wurde, feiert am Tag des Spiels seinen 24. Geburtstag. (wk) +++


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