Eine Woche nach dem furiosen Ligaauftakt steht bereits der zweite Spieltag der noch so jungen DTTL-Saison an. Und die fünf Begegnungen am Sonntag und Montag versprechen keinesfalls weniger Spannung. Topspiel ist diesmal das erste Event der neuen "DTTL on Tour"-Serie, das Schwabenderby zwischen Ochsenhausen und Frickenhausen, die Neuauflage des letztjährigen Play-Off-Halbfinales. In der modernen Arena Hohenlohe in Ilshofen wird nicht nur Top-Tischtennis zu sehen sein, sondern auch der Live-Auftritt der Popgruppe "Fools Garden", deren größter Hit "Lemon Tree" um die Welt ging.
Die weiteren vier Partien versprechen kaum weniger Brisanz, etwa der Auftritt Timo Bolls mit Rekordmeister Düsseldorf in seiner hessischen Heimat - trotz aller sportlichen Rivalität wird der frischgebackene Weltranglistendritte am Sonntag in Hanau "zu Gast bei Freunden" sein. Aufsteiger Saarbrücken möchte gegen Werder Bremen dem saarländischen Publikum den ersten DTTL-Sieg präsentieren, Fulda in Jülich die tolle Form vom Ochsenhausen-Spiel bestätigen und Plüderhausen gegen Grenzau den beim unglücklichen 2:3 an der Weser verlorenen Boden wieder wettmachen.
Sonntag, 15:00: TTC indeland Jülich - TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell
Jülich unterlag zwar in Grenzau, hinterließ dort aber keinen schlechten Eindruck. Yang Zi glänzte bei seinem DTTL-Debüt gegen Lucjan Blaszczyk und Loic Bobillier machte Patrick Baum das Leben richtig schwer. Das Selbstbewusstsein der "Indeländer" ist ungebrochen. Nun muss man schauen, ob man vor heimischer Kulisse noch etwas draufpacken kann, da sich mit Fulda-Maberzell, Überraschungssieger gegen Vizemeister Ochsenhausen, ein ganz hartes Kaliber in der Nordhalle vorstellt. Wenn die Osthessen - sonst immer mit großen Anlaufschwierigkeiten behaftet - schon einmal stark in eine neue Saison starten, ist ihnen wirklich alles zuzutrauen. Auf dem Papier ist das Waldner-Team aus der Rhön klar favorisiert, aber was zählt das schon, da es nur eine Wahrheit gibt - und zwar die an der Platte.
Interessant wäre es, wenn es zum Match zwischen dem "Händchenspieler" Yang Zi - wie fast alle Jülicher Mitglied der Linkshänderfraktion - und dem begnadeten Defensivstrategen Wang Xi käme. Sofern die Herzogstädter ihren Topmann aus Singapur nicht an Position drei aufbieten, dürfte - vorausgesetzt es gibt kein 3:0 oder 0:3 - tatsächlich dieses Duell auf der Agenda stehen, da die Osthessen Wang in aller Regel zwei Einzel spielen lassen. In der Kalkulation von Johannes Dimmig spielt Fuldas hagerer "Abwehrchinese" auch eine zentrale Rolle: "Wenn wir Wang Xi eimal knacken könnten, haben wir eine reelle Chance zu gewinnen. Ansonsten wird es sehr schwer für uns, gegen Fulda zu punkten."
Jülichs Trainer und Sportlicher Leiter erinnert sich: "Im letzten Jahr hatten wir zu Hause eine Chance auf den Sieg. Es war ein sehr attraktives Spiel. Wir wollen versuchen, mit dem neuen Team die Zuschauer zu begeistern." Die hessischen Domstädter wollen dagegen genau da anknüpfen, wo sie gegen Ochsenhausen aufgehört haben. Vereinsvorsitzender und Manager Stefan Frauenholz nimmt die Aufgabe sehr ernst und zeigt Respekt vor dem Gegner: "Natürlich wollen wir nach unserem tollen Saisonauftakt auch in Jülich gewinnen. Aber auch das wird ein schwieriges Unterfangen, da auch Jülich eine gefährliche Mannschaft hat."
Sonntag, 16:00: TG 1837 Hanau - Borussia Düsseldorf
Nach dem Meister von 2006 und 2007 aus Frickenhausen, gegen den sich die TG Hanau beim 2:3 sehr achtbar aus der Affäre zog, gibt nun Europas stärkstes Tischtennisteam seine Visitenkarte in der Brüder-Grimm-Stadt ab. Manche bezeichnen es als das „Spiel des Jahres" - jedenfalls aus Sicht der TGH. Es wird auch eine Art Coming-Home-Erlebnis für Timo Boll sein. Vor seiner Düsseldorfer Zeit feierte der Linkshänder mit dem extrem gefährlichen Vorhandtopspin seine größten Erfolge bei TGH-Vorgänger Gönnern, wo er bis zur Saison 2006/07 unter Vertrag stand. Zweimal gewannen Timo, "Rossi" und Helmut Hampl die europäische Königsklasse. Allerdings ist ein Einsatz des Weltranglistendritten in der Main-Kinzig-Halle eher unwahrscheinlich, der seinen vielen Fans im Rhein-Main-Gebiet aber versprochen hat, wenigstens zum Autogrammeschreiben zu erscheinen.
Nach dem überzeugenden 3:1 der Borussia im Auftaktspiel gegen Saarbrücken dürfte Dirk Wagner diesmal auf das Terzett Süß (Weltrangliste 27) – gegen Gacina und Leung überragend -, Kishikawa (58) und Keen (67) setzen. Im Vergleich dazu lesen sich die Weltranglistenpositionen der Hanauer eher bescheiden: 65 Jörg Roßkopf, 75 Lee Jung Sam (Mai 2009), 87 Chiang Hung-Chieh, 182 Ruwen Filus, 227 Steffen Mengel, 383 Patrick Franziska. Ein Vergleich zwischen David und Goliath steht also bevor, selbst wenn Timo Boll pausieren sollte. Andererseits hat sich Gönnern - trotz eines zuletzt schwächeren Kaders als die TGH - gegen Düsseldorf immer teuer verkauft und die Spiele teilweise sehr eng gestaltet. An der eindeutigen Außenseiterrolle der Hanauer ändert dies allerdings nicht. In der 90.000-Einwohner-Stadt will man den Fans einfach ein tolles Tischtennisfest bieten und hofft auf das eine oder andere enge Match.
TGH-Trainer Helmut Hampl bereitet folgender Umstand etwas Sorge: "Wir konnten seit dem Frickenhausen-Spiel noch kein Training machen, weil unsere Spieler beim EM-Lehrgang in Rotenburg waren. Für das Nationalteam und die Spieler ist das eben sehr wichtig und wir unterstützen das hundertprozentig." Hampl fordert dazu auf, realistisch zu bleiben und dämpft allzu euphorische Erwartungen: "Man muss auf dem Boden bleiben. Wenn Düsseldorf komplett spielt, haben wir keine Chance. Sollten sie nicht komplett antreten, haben wir eine kleine Außenseiterchance, mehr nicht." Von den Spielern erwartet der Coach dennoch, dass sie alles geben: "Unsere Spieler werden sich zerreißen und bis zum Umfallen kämpfen, das verlange ich von ihnen auch. Gegen Frickenhausen war ich mit der Einstellung und Moral zu hundert Prozent zufrieden, so willensstark und kampfbereit werden wir auch gegen Düsseldorf auftreten."
Jörg Roßkopf mit 272 Einsätzen für Deutschland wohl noch auf Jahre hinaus der Rekordnationalspieler vor Timo Boll (88), macht sich keine Illusionen: "Düsseldorf ist nach meiner Einschätzung jetzt noch stärker als letzte Saison. Sie haben nun noch mehr Konstanz in der Mannschaft und mit Keen/Kishikawa ein bärenstarkes Doppel hinzubekommen. Ich hoffe, dass wir nicht 0:3 verlieren, könnte aber mit einem umkämpften 1:3 oder 2:3 durchaus leben. Drei Punkte gegen Düsseldorf zu holen, würde aber ganz, ganz schwer."
Borussia-Manager Andreas Preuß denkt nicht daran, den Außenseiter auf die leichte Schulter zu nehmen: "Wie gefährlich Hanau sein kann, konnten wir schon vergangenen Sonntag erleben, wenn Rossi gewinnt, ist der erste Favorit schon geschlagen, wir sind mehr als gewarnt." Düsseldorfs Trainer Dirk Wagner geizt nicht mit Lob für das ‚Projekt Hanau‘: "Persönlich hoffe ich sehr, dass dieses Projekt in Hanau langen Atem hat, die Verantwortlichen für ihren Mut und ihren Einsatz belohnt werden." Wagner macht den Timo-Boll-Fans allerdings nur geringe Hoffnungen: "Der Einsatz von Timo ist hier normalerweise nicht geplant. Er steht jedoch Gewehr bei Fuß, falls wir in den kommenden Tagen seine Hilfe brauchen. Unsere Mannschaft kann diese schwere Aufgabe auch ohne Timo meistern."
Düsseldorfs erfolgreicher Coach ergänzt: „Das Spiel würde ich sowohl als Herausforderung - voraussichtlich große Kulisse, engagierte Spieler für einen neuen Verein im Heimspiel - als auch als Pflichtaufgabe sehen." Auf die tolle Form von Christian Süß beim Spiel gegen Saarbrücken angesprochen, sagt Wagner: „Wir müssen uns diese Form jeden Tag aufs Neue erarbeiten und ständig bestrebt sein, besser zu werden. Christian und Kishi sind noch in einem Alter, in welchem man so denken und arbeiten muss. Trinko kann und wird da etwas anders vorgehen." Timo Boll selbst äußert sich recht diplomatisch: "Ich glaube, das Spiel ist sehr offen. In der letzten Saison haben wir gegen den TTV Gönnern zwar beide Spiele 3:1 gewonnen, doch da war Rossi noch nicht dabei..." (DTTL) +++