Zum neuen Geschichtswettbewerb hat Dr. Michael Imhof (stehend, Zweiter von rechts) für den Bildungsverein Zukunft Fulda e.V. gemeinsam mit dem Staatlichen Schulamt Fulda zu einer Impulsveranstaltung eingeladen. - Fotos: Freiherr-vom-Stein-Gymnasium

FULDA "Mehr als ein Dach über dem Kopf"

"Wohnen hat Geschichte" - Impulse zum neuen Geschichtswettbewerb

29.09.22 - Traditionell zum neuen Geschichtswettbewerb hat Dr. Michael Imhof für den Bildungsverein Zukunft Fulda e.V. gemeinsam mit dem Staatlichen Schulamt Fulda zu einer Impulsveranstaltung eingeladen. Im Medienzentrum der Freiherr-vom-Stein-Schule Fulda begrüßte Schulleiter Dr. Ulf Brüdigam Schüler der Mittel- und Oberstufe sowie Experten aus Archiven, Museen, Archäologie, bürgerlichen Initiativen und sozialen Einrichtungen. Schnell wurde klar, wie vielschichtig der Wettbewerb sein kann, wenn man das Motto "Mehr, als ein Dach über dem Kopf" mit Themen füllt.

Plakat zum Geschichtswettbewerb

Dr. Thomas Heiler, Leiter des Fuldaer Kulturamtes und des Stadtarchivs spannte den Bogen vom beengten Wohnen innerhalb der Stadtmauern vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert, als Industrialisierung und Bevölkerungszunahme den bisherigen Wohnrahmen sprengte. Es entstanden Industrieviertel und oft in deren Nähe neue Wohnviertel für die rasch anwachsende Bevölkerung. Bürgerliches Engagement wie das vor 100 Jahren gegründete Siedlungswerk Fulda trug der damaligen Wohnungsnot Rechnung. Auch die ideologischen Vorstellungen über das Zusammenleben in der NS-Zeit lassen sich in Fuldas Stadtvierteln entdecken. Die Zuwanderung durch Flüchtlinge und Heimatvertriebene nach dem Zweiten Weltkrieg lässt sich im Stadtbild genauso nachverfolgen wie der Bevölkerungszuwachs in den Hochhaussiedlungen am Aschenberg. Das Stadtarchiv und das Archiv des Bauamtes bieten eine Fülle an Dokumenten, sich dem Thema "Wohnen" anzunähern.

Eng verbunden mit Bauen und Wohnen ist der Brandschutz. Die Anwesenden staunten nicht schlecht, als Rolf Schamberger, Leiter des Deutsch Feuerwehrmuseums, den Begriff des "roten Hahns auf dem Dach" erklärte. Als bei ausbrechenden Stadtbränden, auch das Federvieh nicht verschont blieb und oftmals die Hähne mit brennenden Federn auf die Dächer flohen und dort als Brandbeschleuniger die strohgedeckten Dächer anzündeten. Das Museum zeigt insbesondere die Technik-Mensch Beziehung, von den Löschketten mit Löschketten in Ledereimern, den Löschpumpen per Hand bis zur Löschtechnik in heutiger Zeit.

Stadt- und Kreisarchäologin Milena Wingenfeld öffnete ein Fenster in das Wohnen zur Zeit der Kelten. Da diese über keine Schrift verfügten, sind es die archäologischen Ausgrabungen, die Rückschlüsse auf die Wohnverhältnisse in Gemeinschaftshäusern von Menschen und Tieren geben. Der wichtige Schritt zur Sesshaftigkeit förderte die Nahrungsentwicklung, Handel und Technik in der Bronzezeit, barg aber auch die Gefahr von Krankheiten und deren Verbreitung durch gemeinsames Wohnen. Die Grabungen im Raum Fulda lassen wichtige Rückschlüsse auf das Zusammenleben damals in kleineren Siedlungsformen westlich von Fulda und in der befestigten Anlage, einem Oppidum, auf der Milseburg zu.

Gemeinsame Wohnkonzepte heute in Mehrgenerationenhäusern zeigte Dr. Hans Unbehauen, Vorsitzender des Vereins Miteinander-Füreinander auf. Angesichts des Wegzugs der Jüngeren aus den Dörfern in die Städte, mangelnder Mobilität und drohender Vereinsamung im Alter könnten diese Hausgemeinschaften alternative Wohnformen sein. Gemeinsame Nutzungen von Räumen und Gegenständen, nachbarschaftsbezogene Angebote und die Beteiligung der Bewohner an der Projektentwicklung seien wichtige Bestandteile der Konzeption. Am Beispiel der Alten Textilfabrik in Weyhers zeigte Dr. Unbehauen die Ideen in der möglichen praktischen Umsetzung auf.

Wie intensiv seitens der kommunalen und staatlichen Behörden das Wohnen auf dem Lande in den Fokus der Regionalplanung gerückt ist, machte Sonja Aliu vom Landratsamt Fulda deutlich. Hier ist der Erhalt der traditionellen Gebäude- und Wohnstrukturen in den Dörfern auf dem Lande eines der zentralen Ziele von Förderung und Beratung. Wohnen in denkmalgeschützten Häusern ergänzte den Erhalt der Dorfkerne mit ihren Bauernhöfen, den holzgeschindelten Wandverkleidung, den gepflasterten Höfen und den Bauerngärten als früherer Teil der dörflichen Nahrungsmittelversorgung durch Eigenbau.

Der Beitrag "Obdachlos sein" von Torsten Hammer von der Caritas Fulda erschien Dr. Imhof wichtig, den Schülern eine weitere Dimension des Wettbewerbsthemas aufzuzeigen. Herr Hammer skizzierte zunächst die unterschiedlichsten Gründe für Wohnungslosigkeit und die menschlichen Schicksale, die dahinter stehen. Oftmals sind es soziale und finanzielle Schwierigkeiten, Sucht- oder psychische Erkrankungen, Schicksalsschläge oder Straffälligkeit, die Menschen "aus der Bahn" werfen. Daher seien Hilfen wie das Wohnungs- und Beratungsangebot der Caritas, stellvertretend für andere Einrichtungen, wichtige Orte der Unterstützung.

Dr. Imhof dankte Rudolf Karpe vom Medienzentrum Fulda für die Aufzeichnung der Veranstaltung, die über den Youtube-Kanal des Medienzentrum abgerufen werden kann. https://youtube.medienzentrum-fulda.de

Weitere Informationen bietet die Homepage der Körber-Stiftung in Hamburg, als Ausrichter des Wettbewerbs. Dort können auch die Wettbewerbsunterlagen kostenfrei abgerufen werden.  Auch die genannten Expert:innen der Impulsveranstaltung haben sich bereit erklärt, bei den Recherchen für einen Wettbewerbsbeitrag behilflich zu sein. (pm)+++


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