Jan Ullrich tankt sich durch - Archivbilder: O|N/Hans-Hubertus Braune

WEIDENHAUSEN Die Adler fliegen in der Hessenliga

SV Weidenhausen: Herz, Kult und eine Erfolgsgeschichte im 900-Einwohner-Dorf

29.09.22 - Dies ist ein kleiner Ausriss aus der Erfolgsgeschichte eines Vereins aus dem nordosthessischen Werra-Meißner-Kreis. Die Rede ist vom SV Weidenhausen. Der Ort zählt gerade einmal 900 Einwohner. Dennoch - oder gerade deswegen - sind die "Adler", wie sie landauf, landab genannt werden, Stolz und Prunkstück einer ganzen Region. Den Verein begleiten kult-ähnliche Züge. Im Frühsommer hat er den Aufstieg in die Fußball-Hessenliga geschafft - und am Samstag (15 Uhr) ist er zu Gast beim SV Steinbach. OSTHESSEN|NEWS hat sich informiert.

Tim Ullrich und Fabian Assmann im Adler-Trikot

Das Ambiente am Chattenloh ist Kult

Der Adlerhorst ist ein beliebter Treffpunkt

Er sei als Zuschauer "in Weidenhausen hängen geblieben, so wie es einigen geht", sagt Stefan Stederoth. Seit 2009 ist er Fußball-Abteilungsleiter im Verein. Zunächst war der 39-Jährige, der aus Sontra stammt und in Heringen-Widdershausen wohnt, Betreuer. Später Schriftführer. Und so wuchs er in sein derzeitiges Amt hinein. Mit "hängen geblieben, wie es einigen geht" liefert er ein lebendiges Kennzeichen dessen, was den SV Weidenhausen ausmacht.

Stederoth: Ob Zuschauer, als Funktionär oder Spieler. Viele bleiben"

"Es bleiben immer wieder Leute bei uns hängen. Ob als Zuschauer, in Funktionärstätigkeiten oder als Spieler", ergänzt Stederoth. Zuschauer kommen nicht von überall her - aber gerne aus angrenzenden Regionen mit ansprechender Entfernung für ein Fußballspiel auf dem Land. Auch aus dem Hersfelder Raum fanden einige den Weg an den Chattenloh, einer Kultstätte des Kickens auf dem Dorf.

Weidenhausen zieht die Fußballfans an

Tim Ullrich etwa, der einst für den SVA Bad Hersfeld kickte - und seit 2018 bei den "Adlern" spielt. "Das schätzen die Zuschauer, dass die Identifikation mit dem Verein so groß ist", weiß der Abteilungsleiter - oder, wie er sich in Weidenhausen offiziell nennt, Spartenleiter. Heute gilt Tim Ullrich als nicht wegzudenkender Mittelfeldspieler. Oder sein jüngerer Bruder Jan, früher für Aulatals A-Junioren im Einsatz und später auf Torejagd für den SV Steinbach im Mühlengrund. 

Jan Ullrich und Fabian Assmann teilen in Kassel eine Wohnung

Den Jüngeren der Ullrichs verbindet einiges mit Fabian Assmann. Auch er kickte für den JFV Aulatal, dann auch für den JFV Viktoria Fulda. Und er stand in Steinbachs Kader: als Neuzugang für die Serie 2019/20. Noch ehe die Wechselperiode im Sommer beendet war, zog es Assmann wieder nach Weidenhausen zurück. Heute teilen sich beide - Jan und Fabian - in Kassel, des Studiums wegen, eine Wohnung.

Einen aus Bebra sollten wir in dieser Aufzählung nicht vergessen: Der starke Linksfuß Martin Silbermann heuerte einst am Chattenloh an. 2011 war das. Auch er blieb einige Jahre. Kommen wir zu den Gonnermanns, einer eigenen Familien-Geschichte der "Adler". Sören Gonnermann, "personifizierte Tor-Garantie" des SVW, kam 2007 als 18-Jähriger aus Herleshausen. Er und sein Bruder Tim spielten früher Asbachs A-Junioren in der Oberliga Hessen. Mit Klaus Gonnermann ist eine Institution des Vereins aktueller Jugendleiter.

Zusammenhalt, Wohlfühl-Charakter und höherklassiger Fußball in der Region

Jan Ullrich

Wichtig sei es, betont Stederoth, "dass die jungen Spieler in der Region bleiben". Ohne Frage: Beim SV Weidenhausen herrscht Wohlfühl-Charakter. Zusammenhalt schiebt der 39-Jährige nach. Man könnte es auch Herz nennen. Und eine Tatsache, die unbestritten ist, fügt er hinzu: Höherklassiger Fußball in der Region. "Wenn man guten Fußball sehen will, dann kommt man zu uns. Und das macht uns stolz."

Die Erfolgsgeschichte der jüngeren Vergangenheit ist an fixe Daten und Eckpunkte geknüpft. 2009 stieg der Verein in die Verbandsliga auf. Mit 2:1 gewannen die Adler das entscheidende Spiel gegen den von Mäzen Mehmet Göker im Hintergrund geleiteten VfB Süsterfeld - Sören Gonnermann glückte in der 84. Minute das Siegtor. Es war der dritte Anlauf zum Sprung in die höhere Liga. Zehn Jahre später - 2019 - gab es Tage, wie für die Vereinschronik gemacht. Zunächst feierte der SVW in der zweiten Runde des Hessenpokals einen triumphalen 4:1-Sieg gegen Hessen Kassel -nach 0:1-Rückstand. Und zwei Tage darauf, an einem Freitag, begannen die Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen des SV Adler.

Aufstieg in die Hessenliga größter Erfolg der Vereinsgeschichte

Ein Dorf steht kopf

Ehe das Team vor wenigen Monaten den größten Erfolg seiner Vereinsgeschichte beging: den Aufstieg in die Hessenliga. Am 30, Mai reichte ein 0:0 gegen den CSC Kassel und dessen Trainer-Institution Lothar Alexi. "Da hat sich ein wahrer Hype gebildet", spürte Stederoth. Der hielt auch in den ersten Wochen der aktuellen Saison in der höchsten Liga Hessens an: Zum Saisonauftakt gab es einen 4:1-Heimsieg gegen Eddersheim - aus den ersten sechs Spielen sprangen für einen Aufsteiger beachtliche zwölf Punkte heraus. 

Zugänge wie Sönke Schneider (aus Mihla bei Eisenach, spielte zu Jugendzeiten in Wehen, Braunschweig und bei Rot-Weiß Erfurt), der junge Marcel Velmeden (wohnhaft in Abterode) und Rückkehrer Jan Ullrich passten ins Gefüge. Die Brüder Moritz und Kilian Krug waren bereits im Jahr zuvor aus Baunatal zurückgekommen an den Chattenloh.

Dem guten Start folgten fünf Niederlagen in Folge - Innenverteidigung fehlt

Dem guten Beginn aber folgten fünf Niederlagen am Stück, in den beiden letzten Spielen blieben die Adler ohne Torerfolg. "Wir haben nach dem guten Start sehr wohl eingeschätzt, dass es so nicht weitergeht", erklärt der Abteilungsleiter. Die Misere hat auch mit Verletzungspech und Ausfällen zu tun. Mit Kilian Löffler, der von der Polizei aus nach Wiesbaden versetzt wurde, und Thomas Hammer, der sich im zweiten Saisonspiel beim KSV Baunatal einen "Totalschaden im Knie" zuzog, fehlt seit Wochen die komplette Innenverteidigung.

Ehe am Montag das Heimspiel gegen Waldgirmes ansteht, geht's am Samstag zunächst in den Mühlengrund. "Wir kennen Steinbach aus Verbandsliga-Zeiten. Es wird ein interessantes Spiel. Unser Gegner ist schwer zu bespielen", blickt Stederoth voraus, "wir hoffen, den Bock umzustoßen und einen Punkt mitzunehmen". Steinbach habe "ähnliche Strukturen wie wir und ist auch eine Art Vorbild. Um so schöner ist es, dass wir uns in der Hessenliga wiedersehen." Und eines vergisst er nicht. "Für uns ist es die zweitkürzeste Auswärtsfahrt." Es sind etwa 75 Kilometer. Ob das Spiel am Samstag zur Fußnote einer Erfolgsgeschichte wird? (wk) +++

Jubel nach dem Aufstieg in die Hessenliga


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