03.11.22 - Es ist nicht überliefert, wie viele Sonnenstrahlen die Seelen der Fans von Eintracht Frankfurt überflutet haben am späten Dienstagabend. Doch den vielen Anhängern des Fußball-Bundesligisten wird warm ums Herz geworden sein. Auch und besonders in der osthessischen Region, in der zig Fanclubs und noch mehr nicht-organisierte Anhänger mitfieberten. Das Jahr 2022, in dem die Eintracht zunächst Europa-League-Sieger wurde und jetzt in Lissabon ins Achtelfinale der Champions League einzog - also international ihre größten Erfolge feierte im modernen Fußball - dieses allmählich zu Ende gehende Jahr wird in die Vereinsgeschichte eingehen. Ein Kommentar
Manche werden dem eine symbolische Fußnote beimessen. Doch es ist mehr als das. Als endlich alle Eintracht-Fans Einlass fanden ins Estadio José Avalade am Dienstagabend - da kam auch die Zeit der Kicker auf dem Rasen. 0:1 lagen sie hinten in Lissabon, um im zweiten Abschnitt das Spiel zu drehen - und als Lohn ins Achtelfinale einzuziehen. Ob und wie diese fußballerische Kehrtwende mit der Unterstützung aller Fans zusammenhängt, kann nicht abschließend beantwortet werden. Ein besonderes Verhältnis, eine enge und harmonische Beziehung zwischen der SGE und ihren Anhängern - das ist unterdessen unbestritten.
Immer sind die Fans da. Immer lassen auch sie ihr Herz da
Wunderschöne Choreografien bereiten die Fans. Das ist nicht nur bei Heimspielen in der Bundesliga auf nationaler Ebene sichtbar und auffallend, die Anhänger haben sich längst auf internationalem Parkett einen Namen gemacht. Natürlich muss man die kleine Gruppe idiotischer Anhänger ausklammern, die durch den übermäßigen Gebrauch von Pyrotechnik und bisweilen Randale das Ansehen des Vereins beschmutzen. In erster Linie sind aber die fußballverrückten Fans - und das ist positiv gemeint - angesprochen.
Denn die begleiteten Eintracht Frankfurt durch das spezielle Jahr 2022. Ob in der Europa League in Sevilla, Barcelona, in London bei West Ham - oder jetzt in der Champions-League-Gruppenphase in London bei Tottenham, in Marseille (auch wenn das Spiel von Ausschreitungen überschattet war) oder in Lissabon. Immer waren die Fans da. Immer ließen sie auch ihr Herz da.

Die Fans haben einen großen Anteil am Erfolg
Fußballerisch vorangekommen - das offensive Quartett
Auch sportlich und fußballerisch ist Eintracht Frankfurt vorangekommen. Man könnte sagen, in dem Team im Herzen von Europa ist ein Reifeprozess vonstatten gegangen. Das Team hat eine stimmige Balance gefunden. Und das Stilmittel, das die SGE seit Jahren prägt, ist zum Programm geworden. Eintracht Frankfurt stresst seine Gegner. Durch hohes Anlaufen. Durch hohe Intensität. Das ist eng mit dem Namen des Trainers verbunden: mit Oliver Glasner. Er hat jetzt die Spieler gefunden, die Ballgewinne in des Gegners Hälfte - oft sogar in torgefährlichen Räumen - in Torgefahr umsetzen und veredeln können.
Vier kreative Köpfe sind das. Daichi Kamada, so etwas wie das fußballerische Herz, und der spielintelligente Däne Jesper Lindström waren schon da - neu sind aber Feingeist Mario Götze und der das Tor riechende Kolo Muani. Man kann fast die Uhr danach stellen, dass die SGE durch ihr bekannt schnelles und gradliniges Umschaltspiel mit Hilfe der vier Genannten Torgefahr produziert. Und Hand aufs Herz, ihr Eintracht-Fans: Wer redet heute noch über Filip Kostics Weggang? Der gefiel durch seine Dynamik, seine Wucht und Geradlinigkeit - schien aber hier und da ausrechenbar und verlor sich auf dem Weg zum Tor.
Wenn irgendwo in Europa das Flutlicht angeknipst wird
Oliver Glasner scheint sich als eine Art Glücksgriff zu erweisen. Ein Trainer, der oft stimmige Lehren zieht. Zum Wohle der Mannschaft. Ruhig blieb er, als der Start in die Bundesliga-Saison in der vergangenen Saison missriet. Als Dank bewies sich die SGE auf internationaler Bühne, die sie, sobald das Flutlicht irgendwo angeknipst wird in Europa, eh zu beflügeln scheint. Ruhig blieb Glasner auch nach der hohen Heimniederlage gegen die in Deutschland unangefochtenen Bayern zu Beginn der Saison. Und manch einer mag sich die Augen gerieben haben, als der Österreicher Glasner in Lissabon zur Pause einen taktischen Kniff zog, indem er Kapitän Rode für Lindström zur Pause ins Spiel brachte - und damit die Wende zum Positiven einläutete.
All das sind Gründe für den Aufschwung. Ob man es nun Märchen nennt oder nicht. Es ist Realität. Hinter all dem steckt viel Arbeit. Es ist die Arbeit hin zu einem Reifeprozess im Herzen von Europa. (Walter Kell) +++