Die TG Hanau ist in der ersten Hauptrunde des Ligapokals am Süd-Zweitlisten TSV Gräfelfing gescheitert und wartet weiter auf den ersten Sieg auf Profiebene. Nun kann man sich voll und ganz auf den Klassenerhalt in der Bundesliga konzentrieren. Beim 2:3 in einer äußerst spannenden Dreieinviertelstunden-Partie vor den Toren Münchens sorgten Patrick Franziska und Ruwen Filus für die Hanauer Punkte. Überraschend scheiterte das eingespielte Doppel Filus/Mengel im entscheidenden Match des Abends vor 130 Zuschauern an den Gräfelfingern Christ/Schauer. Am Ende standen zwar 11:10 Sätze und 210:185 Bälle zugunsten der Hessen auf dem Spielberichtsbogen, die dennoch mit hängenden Köpfen die Heimreise antreten mussten.
Die im Vorfeld vermutete Hanauer Youngster-Aufstellung mit Ruwen Filus, Steffen Mengel und Patrick Franziska - Durchschnittsalter deutlich unter 20 - wurde tatsächlich von Trainer Helmut Hampl ins Cup-Rennen geschickt. Gräfelfing bot in den Einzeln die Nummern eins bis drei, Jörg Schlichter, Nico Christ und Gabriel Stephan auf, allesamt an Erfahrung ihren Gegenspieler um mindestens eine Nasenlänge voraus.
Und es ging gleich heiß her: Mit der Nummer neun der deutschen Rangliste, Jörg Schlichter, vor nicht allzu langer Zeit selbst Erstligaspieler in Fulda, lieferte sich der 1,96 Meter lange Steffen Mengel ein heißes Gefecht. Doch dem 21-jährigen Siegerländer in Diensten der TGH reichte eine 2:1-Satzführung nicht zum Sieg (10:12, 11:5, 11:4, 9:11, 8:11). Nun war es an dem an Position eins nominierten "Nesthäkchen" Patrick Franziska, gegen den erfahrenen Nico Christ den Rückstand seines Teams nicht zu groß werden zu lassen - und der 17-Jährige zog sich prächtig aus der Affäre. Beim 12:10, 11:6 und 11:9 zeigte der jüngste TGH-Spieler bestes Tischtennis und ließ seinem Gegenüber keine echte Chance. EM-Viertelfinalist Ruwen Filus ging anschließend als hoher Favorit gegen Gabriel Stephan, Nummer 27 der JOOLA Computerrangliste des DTTB, an den Tisch. Doch es begann holprig für den sichtlich nervösen Publikumsliebling von Stuttgart. Zudem entpuppte sich Stephan als taktisch clever im Spiel gegen Schnittabwehr und gewann den ersten Satz mit 11:9. Filus schlug zwar postwendend zurück (11:4), musste aber in Durchgang drei einem 3:8-Rückstand hinterherlaufen, um dann schließlich doch mit 11:9 die Oberhand zu behalten. Das 11:7 im vierten Satz war dann eher Formsache für den blonden Niedersachsen im TGH-Dress. Ganz schwer wurde es für Patrick Franziska im Spitzeneinzel gegen den block- und konterstarken Jörg Schlichter. Nach verlorenem ersten Durchgang (6:11) rappelte sich der Europe-Junior-TOP10-Sieger des Jahres 2009 jedoch auf und schlug mit dem gleichen Satzresultat zurück. Doch dann war wieder Schlichter am Zug und brachte das Match mit 3:1 nach Hause.
Das Doppel musste entscheiden. Trainer Hampl hatte so aufgestellt, dass das eingespielte Duo Filus/Mengel, das bereits für Gönnern in der DTTL erfolgreich war und amtierender Deutscher Vizemeister ist, den Schlussakkord setzen sollte. Gräfelfing hatte mit dem alten Haudegen und "Urbayern" Martin Schauer einen weiteren Spieler nominiert, der zusammen mit Nico Christ antrat. Wer mit leichtem Spiel für die TGH-Profis kalkuliert hatte, sah sich getäuscht. Mit 14:12 und 11:9 legten die um jeden Ball fightenden Bayern eine 2:0-Satzführung vor. Filus/Mengel standen nun mächtig unter Druck und erhöhten die Schlagzahl bis zum Satzausgleich (11:7, 11:3). Im Entscheidungsdurchgang war die Spannung kaum zu überbieten. Doch hier präsentierten sich die beiden Hanauer wieder nervös und mussten trotz einer zwischenzeitlichen Aufholjagd am Ende ihren Gegnern gratulieren, die mit 12:10 das Happyend auf ihrer Seite hatten.
Hanaus Trainer Helmut Hampl haderte nicht mit dem Schicksal: "Es war ein knappes Spiel auf gutem Niveau, auch sehr interessant für die Zuschauer. Unsere Jungs haben gut gekämpft und sind auch 2:1 in Führung gegangen. Bei Steffen Mengel hat man eben noch gemerkt, dass er fünf Monate keinen Wettkampf bestritten hatte. Etwas enttäuscht hat mich nur unser Vizemeister-Doppel, aber Christ/Schauer haben auch sehr gut harmoniert. Unser Ziel war es, dass die jungen Spieler etwas lernen sollten. So gesehen, war es kein Misserfolg." Das Fazit des TGH-Teammanager Johannes Herrmann fiel so aus: "Mit Patrick Franziskas Leistung können wir zufrieden sein, Ruwen Filus muss nach seinem EM-Erfolg wohl erst wieder in die richtige Spur finden, Steffen Mengel fehlt es erkennbar an Wettkampferfahrung. Es ist schade, dass es nur eine Pokalrunde wurde, da wir den Pokal ja für unsere jungen deutschen Spieler nutzen wollten. Unsere volle Konzentration gilt jetzt der Liga, wo wir versuchen wollen, in den nächsten Wochen wichtige Punkte zu sammeln."
Am Sonntag (15 Uhr) wartet mit dem SV Werder Bremen auswärts die nächste Bundesligahürde auf die TGH, eine weitere Chance auf den ersten TGH-Sieg im Profigeschäft.
Die Gräfelfinger jedoch stehen nach einer engagierten Leistung nicht unverdient als einer von zwei Zweitligisten in der 2. Pokalhauptrunde - Gegner wird in der ersten Oktoberhälfte Jülich-Bezwinger Siek sein. Somit wird diesmal ein Klub aus dem Unterhaus zwingend das Pokalviertelfinale erreichen. (DTTL) +++