12.12.22 - Das letzte Spiel eines Jahres ist für Fußballer etwas Besonderes. Keine Frage. Jeder möchte einen Ertrag haben, um mit einem guten Gefühl in die Winterpause gehen zu können. Das war schon immer so. Und es wird auch immer so sein. Legt man dies zugrunde, kann die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz beruhigt Weihnachten feiern - und sich sinnlich zurücklehnen. Der Punktgewinn mit dem 1:1 bei der U23 des Bundesligisten FSV Mainz 05 schmeckte süß - 29 Punkte aus 20 Spielen sind eine stolze Ausbeute für den Aufsteiger in die Regionalliga Südwest.
Ob er mit dem Auftritt seines Teams und dem Erreichten im letzten Spiel des Jahres einverstanden gewesen sei, wollen wir von Sedat Gören wissen. "Ja, auf jeden Fall", antwortet er spontan. "Wenn man sieht, wie wir in die Liga gestartet sind, mit drei Punkten aus den ersten Spielen. Jetzt haben wir fünf Zähler geholt aus diesen drei Partien. Und darunter waren ja jetzt zwei Auswärtsspiele." Und die Vergleiche bei Steinbach Haiger und in Mainz seien ja keine leichten gewesen. Favorit war die SGB in beiden Fällen nicht, fünf Punkte und 7:2 Tore aus diesem kleinen Zeitfenster können sich in der Tat sehen lassen.
Griffig, ballsicher, guter Aufbau, gutes Positionsspiel

Archivfotos: Eibner Pressefoto/Florian Wolf
Was Gören noch Spaß machte, schiebt er nach. "In der ersten Halbzeit waren wir besser. Wir waren sehr griffig und ballsicher, haben gut aufgebaut. Auch das Positionsspiel war wirklich gut." Irgendwie taugte der Auftritt in der ersten Hälfte als Abziehbild der bisher so positiv verlaufenen Saison. Der Coach beobachtete natürlich auch, was ihm fehlte. Wieder einmal war es das Verhalten im letzten Drittel. An Durchsetzungsvermögen, Beweglichkeit und Tempo mangelte es hauptsächlich. Gören, der er als Spieler einst in der Türkei bis in die Zweite Liga brachte, unkte: "Die Spieler aus Mainz trainieren zweimal pro Tag, wir nur viermal in der Woche. Vielleicht ist das der Unterschied."
Und Mainz schaffte es, seinen zu wenig aktiven Schalter aus der ersten Hälfte umzulegen im zweiten Abschnitt. "Die haben hopp oder topp gespielt", fiel dem SGB-Coach auf, "volles Risiko, erst mit drei Mann aufgebaut, dann nur noch mit zwei Spielern, und versucht, noch mehr über außen durchzubrechen". Und sein Team habe einfach zu früh das Gegentor zum 1:1 gekriegt, als Kristian Gaudermann unglücklicherweise Patrick Schaaf bei der Befreiung aus dem Sechzehner den Ball vom Fuß nahm und die SGB nicht wirklich klären konnte. Gören monierte, dass aus dieser Situation heraus "auch ein Konter möglich gewesen wäre". Später war auch bei der Chance des eingewechselten Dominik Wüst, der aus wenigen Metern übers Tor traf, mehr drin.
Von Matchplänen, Analysen und gutem Scouting
Fuldas Trainer kommt unweigerlich zu einer Erkenntnis: "Wir brauchen noch mehr Kreativität im Offensivspiel." Doch man werde jetzt gucken und die Runde analysieren. Und Gören, der seit dem 3. Oktober 2018 im Amt ist bei der SG Barockstadt Fulda-Lehnerz, lobt: "Wir haben eine super-gute Runde gespielt. Ein sehr gutes Jahr. Ich weiß auch, dass wir immer gute Pläne haben, gute Matchpläne. Wir analysieren die Gegner." Bei jedem Spiel scoute die SGB, ob sich für sie interessante Spieler befinden beim Kontrahenten.
Ein Fußballcoach blickt immer über den Tellerrand hinaus. Auch Gören tut dies. "Von unseren acht Unentschieden kannst du fünf Spiele auch gewinnen. Das sind zehn Punkte mehr. Und mit 39 Punkten wären wir Zweiter." Manche nennen das "träumen". Das mag sein. Unrealistisch aber ist es nicht. Wie auch dieser Aspekt: Einige SGB-Spieler haben sich ins Fenster des Interesses anderer Vereine gespielt. Das mag Pomnitz, Ganime, Frey oder Grösch betreffen. Und wieder freut sich Gören. "Das zeigt, welche Arbeit wir geleistet haben." (wk)
Kurz-Bilanzen der SG Barockstadt
Heim: 10 Spiele: 5 Siege, drei Remis, zwei Niederlagen - 19:10 Tore, 18 Punkte (Sechster)
Auswärts: 10 Spiele, zwei Siege, fünf Remis, drei Niederlagen - 14:15 Tore, 11 Punkte (Neunter)
Beste Torschützen: Marius Löbig, Moritz Reinhard (je 6), Marius Grösch, Leon Pomnitz (je 4), Will Siakam, Eric Ganime (je 3)
Serientäter: Zwischen dem 27. August 2022 (0:0 bei der TSG Bahlingen) und dem 22. Oktober (1:1 gegen Koblenz) blieb die SGB in zehn Spielen ungeschlagen. Ihre Bilanz: 18 Punkte, 20:9 Tore. Eine Niederlage gab es erst wieder am 30. Oktober in Stuttgart (1:2). +++