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Lars Hildebrand hat es geschafft: Er ist im Ziel des Ironman auf Hawaii - Fotos: privat

BAD HERSFELD Triathlet Lars Hildebrand (2)

Traumziel Hawaii: "Genussreise und irre Spaß an der Strecke" als Schlüssel

06.01.23 - Lars Hildebrand machte Anfang Oktober vergangenen Jahres Schlagzeilen, als er das tat, wovon so mancher Triathlet träumt: Er finishte den legendären Ironman auf Hawaii. Die Geschichte des 42-Jährigen, der für Tri Force Fulda an den Start ging, hat durchaus etwas Spezielles. Und als würde er sich beim Spazierengehen im Kopf antippen, sagt er in der Erinnerung: "Es zaubert einem doch häufiger noch mal ein Lachen ins Gesicht." Auch OSTHESSEN|NEWS entging das nicht. Lesen Sie den zweiten Teil - über seine Erlebnisse auf Hawaii. 

Eigentlich hatte Lars Hildebrand sein Ziel schon erreicht, bevor er dort war. Jedenfalls ein Teilziel, Hildebrand hatte sich qualifiziert - und den Ironman auf Hawaii bestreiten zu können, davon träumt jeder Triathlet. Halbwegs seine Form konservieren und "sehen, dass du durchkommst", das hatte er sich vorgenommen. Den 8. Oktober 2022, den Tag des Wettkampfs, den wird er so schnell nicht vergessen. Vermutlich sein ganzes Leben nicht. 

Hildebrand machte sich den Jetlag zum Vorteil

Zwei Wochen zuvor reiste er an. Allein, einige Tage später kam Christian Claus, sein bester Freund, den er seit Kindesbeinen an kennt, mit dem er studierte und Seite an Seite Zivildienst leistete, nach. Die ersten Tage verbrachten sie in einem Hotel in Kona, 800 Meter vom Schwimmstart entfernt. Der kurze Weg dorthin führte am Ozean entlang, mit tollem Ausblick, Lars schwamm jeden Morgen. Den Jetlag abzuschütteln, mit der Zeitumstellung zu leben - so einfach funktioniert das nicht in der neuen Welt. "Ich war häufig schon um ein oder zwei Uhr wach", erinnert sich Hildebrand, "da bin ich aufgestanden und gelaufen". Er machte sich den Jetlag zu seinem Vorteil.

Nach dem Lauftraining frühstückte er "in aller Ruhe" - ehe er um halb sieben zum Schwimmtraining ging. Die Nähe zum Strand erlaubte und ermöglichte ihm vieles. Er sah sich, auf der Pier sitzend, das Treiben am Strand an, machte Bilder mit Triathlon-Stars wie Patrick Lange, Anne Haug oder den beiden Norwegern Gustav Iden und Kristian Blumenfelt, die dem Ironman auf Hawaii später ihren Stempel aufdrückten. 

"Mein großes Ziel war es, das Ziel in Kona zu erreichen"

Ab halb zehn stand das Training auf dem Rad an, für eineinhalb oder zwei Stunden. "So gingen die Tage dahin", blickt Hildebrand zurück, "die erste Woche hat Spaß gemacht. Für mich war es wie eine Genussreise. Die Zeit war Spaß an der Freud". Um den sportlichen Wert seines Auftenthalts auf Hawaii einzuordnen, verdeutlicht er: "Mein großes Ziel war es, das Ziel in Kona zu erreichen." Unaufgefordert schiebt er den Grund gleich nach. "Ich hatte irre Spaß an der Strecke. Das war der Schlüssel." 

Der Wettkampftag begann für Hildebrand um 3 Uhr morgens. "Da bin ich raus. Habe 'ne Kleinigkeit gefrühstückt, was Leichtes." Die Sachen, die er zum Sport benötigte, lagen bereit. Er hatte sie schon tags zuvor gepackt. In seinem Leben gibt es keinen Zufall. Auch sein Rad hatte er abgegeben, einschließlich Wechselbeutel. Um sieben Uhr war Schwimmstart. 3,8 Kilometer in den Fluten der Kona Beach. "Ich bin gut losgekommen, hatte ein gutes Gefühl, habe mich von Tumulten weggehalten. Es war ein lockeres Schwimmen." Nach 1:11:48 Stunden hatte Hildebrand wieder Land unter den Füßen.

"Es war schweißtreibend. Aber schön"

Wechsel zum Radfahren. "Ich wollte locker durchkommen", sagte er. Und freute sich, dass er Christian Claus am Start stehen sah. Sein Freund war stets präsent. Allgegenwärtig. Die zweite Disziplin des Wettkampfs lief richtig gut. Der Himmel war bedeckter, als es viele erwartet hatten. Selten war es sonnig. "Es war schweißtreibend, aber schön." Als das Rennen vorüber war, dachte sich Hildebrand: "Schade, dass ich das Rad abstellen musste." Seine Zeit: 5:22 Stunden. 

Wechsel zu Teil drei, dem Laufen. "Ich habe es wieder ruhig gemacht", sagt Hildebrand. Es hört sich an wie eine Überzeugung, auch wenn es für Normalbürger unverständlich erscheint. Ruhig? Auf Hawaii? Beim Ironman? Hildebrand hatte zunächst keine Startnummer, "da bin ich halt fünf Minuten später raus". Er genoss es, einen Kollegen des Maastricht-Triathlons wiederzusehen. Freundschaft entwickelte sich. Jetzt war es warm. 30 Grad im Schatten. Immer wieder pralle Sonne. Hohe Luftfeuchtigkeit. Gefroren habe hier keiner, scherzt Hildebrand. Bis es die berühmte Palani Road aufwärts ging. Hildebrand ging sie, "es wäre ja blöd, mich hier zu verschleißen", sagte er sich.

Der Highway nahm gefühlt kein Ende

Dann ging es den Highway entlang. Der nahm gefühlt kein Ende. Doch Hildebrand kämpfte sich durch. Er musste sich durchkämpfen. Und er wusste: "Wenn du das schaffst, wird alles gut." Er wusste auch: Wenn die Sonne untergeht, dann hast du es geschafft. Gegen kurz nach 18 Uhr Ortszeit. Ab und an unterhielt er sich mit Athleten oder Zuschauern. An einer Verpflegungsstelle traf er einen Bekannten. Momente, die einem weiterhelfen. Bei Kilometer 38 - so weit war er schon - folgte ein kleiner Anstieg. Also wieder Palani. Dann Richtung Kona. Richtung Ziel. Hildebrand spürte und motivierte sich nochmal ein bisschen selbst: Jetzt hast du es geschafft.

Nachdem ihm bei Kilometer 41 sein Freund nochmals die Zeit angab, kratzte Hildebrand am ultimativen Glücksgefühl. "Dann lässt du dich halt feiern auf der Zielgerade." Seine Marathon-Zeit: vier Stunden und zwei Minuten, "die schlechteste Zeit, die ich je gelaufen bin. Doch das war mir egal. Ich war zufrieden und happy". Seine Gesamtzeit des Ironmans auf Hawaii: zehn Stunden und 54 Minuten.

"You are an Ironman" - Hildebrand saugte das Hawaii-Gefühl auf

Jeder wird gefeiert, der das Ziel erreicht. Wenn der Moderator sagt: "Lars Hildebrand, you are an Ironman." Fühlte er sich in diesem Moment etwa prominent? "Nein. Ein Adelsschlag ist jetzt übertrieben. Aber es ist ein sehr positives Gefühl. Mir ging's gut." Eine bescheidene Person schien vollgepumpt mit Glückshormonen. Er hatte das Gefühl des weltberühmten Wettbewerbs aufgesaugt. 

Auch Wochen danach scheint er noch immer beeindruckt. Der 42-jährige gebürtige Reiloser, der im Controlling von Union Investment in Frankfurt arbeitet, macht sein Erlebnis rund. Und er gerät ins Schwärmen. "Diese Grundstimmung. Diese Atmosphäre. Die Einstellung der Sportler. Die Begeisterung der Zuschauer. Viele waren einfach locker drauf." Sein Abenteuer Hawaii finanzieren zu können, das kostete ihn einen fünfstelligen Betrag. Doch das Erlebte habe all seine Erwartungen übertroffen, "es war Wahnsinn, was ich da erleben durfte". Und eigentlich hätten wenige Worte genügt: "Ich war halt auf Hawaii. Ich war halt da." (wk) +++


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