16.01.23 - "Bundesliga-Hessenmeister" ja, Deutscher Meister nein. Die große Sensation in Form von Schützenhilfe anderer Teams blieb aus, sodass die Petersberger Luftgewehr-Schützen mit zwei weiteren Siegen auf Platz fünf ins Bundesliga-Ziel kamen und sich damit nicht für das Finale um die Deutsche Meisterschaft qualifizieren konnten. Einen zumindest inoffiziellen Titel am letzten Saisonwettkampf-Wochenende gab es aber doch: im brisanten Duell gegen das Team Wetterau siegten die Osthessen klar und verdient und wurden damit quasi "Bundesliga-Hessenmeister". Nach einem stimmungsvollen Abend folgte am Sonntag gegen Gastgeber Wissen der zweite Sieg des Wochenendes - ein Zieleinlauf, der zu einer "geilen Saison" (Zitat der Trainerin Anja Heck) passte.
Ob es nun Tiefstapelei war oder nicht - Trainerin Anja Heck hatte im Vorfeld vor der starken Wetterauer Setliste gewarnt und den Gegner nur wegen der schlechteren Tabellenposition nicht auf die leichte Schulter genommen. Immerhin elektrisierte das erstmalige Bundesliga-Hessenduell gegen den mittelhessischen Aufsteiger sicher beide Lager.
Jana Heck schlug den ersten Pfahl in den Boden
Nach einem ausgeglichenen Beginn gewann Petersberg langsam aber sicher Oberwasser. Die wie immer als "Sprinterin" schießende Jana Heck schlug auf Position vier den ersten dicken Pfahl in den Boden: 393 Ringe waren von ihrer Gegnerin nicht zu halten und bedeuteten einen frühen ersten Punkt, der vielleicht auch eine Signalwirkung hatte. Auf den Positionen zwei, drei und fünf leuchtete alsbald die gelbe Führungsfarbe ebenfalls beim SVP - so dass Grund für Optimismus bestand.
Ausgerechnet die sonst so sichere Bank Tom Barbe auf der 1 erlaubte sich das mit 393 schlechteste Saisonergebnis.
Sein Kontrahent und Nationalmannschaftskollege Max Ohlenburger, wie Barbe unlängst bei der WM in Kairo am Start, war nach einer 99 und dann dreimal 100 mit 399 Ringen nicht zu schlagen. Dies sollte auch das Top-Ergebnis des Wettkampfes bedeuten.
Johanna Tripp holt den zweiten Punkt, Annika Peters macht den Deckel drauf
Den zweiten Petersberger Punkt sicherten vorzeitig die starken 397 Ringe von Johanna Tripp. Kurios dann im Duell an Position 5 der Moment des endgültigen Team-Sieges: ausgerechnet der schlechteste aller 200 Petersberger Schüsse bedeuteten den dritten notwendigen Punkt und besiegelte damit den SVP-Sieg. Annika Peters hatte einen richtig guten Lauf, während ihre Gegnerin Lina Krebs in der dritten Serie einen bitterbösen Einbruch erlitt. Lina schoss "sieben Miese" in den ersten fünf Schuss - das war natürlich nicht mehr aufzuholen. Es mag das Gefühl des sicheren Sieges gewesen sein, das zu einer Unkonzentriertheit bei Annika führte - sicher hätte sie auf die "8" im allerletzten Schuss gerne verzichtet. Dennoch: 390 und "Spiel, Satz und Sieg" werden Annikas Ärger auf einen klitzekleinen Moment reduziert haben.
Bleibt Position drei: hier gab es quasi eine Vogelsberger Meisterschaft, denn die Herbsteinerin Lea Ruppel´hatte es mit dem einst für die Schützengilde Homberg/Ohm schießenden zweifachen Olympiateilnehmer (2012, 2016) Julian Justus zu tun. Lea präsentierte sich in blendender Verfassung und ließ nichts anbrennen. Mit 397 Ringen avancierte sie, zusammen mit Johanna Tripp, zum SVP-Highscorer und holte damit den vierten Punkt. Justus musste mit 394 nicht nur die Niederlage verdauen, sondern obendrauf auch die Abmoderation des Hallensprechers: "Julian Justus, der alte Mann und das Gewehr." Zur Einordnung: Julian Justus wird Ende Januar 35 - es ist eben alles relativ.
Anja Heck begeistert von der Tugend ihrer Mannschaft
Fazit: mit 4:1 Punkten und 1970:1956 Ringen fuhr der SV Petersberg einen klaren Sieg ein. Eine gut aufgelegte Trainerin Anja Heck betonte im Anschluss gegenüber OSTHESSEN|NEWS die Tugend ihrer Mannschaft. "Da ist Tom mal ausnahmsweise nicht der Fels in der Brandung und schon sind alle vier Mädels zur Stelle, sodass der Sieg unangefochten und verdient war. Das haben auch die Wetterauer fair anerkannt."
Bevor sich das Team und der etwa 25-köpfige Tross zur Shooter Party aller Teams hingeben konnten, platzte leider noch die kleine Hoffnung auf das Wunder. Durch die weiteren Ergebnisse des Wettkampftages war klar, dass es keine Petersberger Qualifikation für das Finale um den Titel geben wird. Anja Heck nahm es sehr gelassen: "Das macht gar nichts, wir konnten schon vor dem Wettkampf am Sonntag sagen, dass wir eine Super-Saison erlebt haben. Unser Ziel vor der Saison war der Klassenerhalt."
"Eine solche Veranstaltung mit allen sechs Teams ist ein Traum"
SVP-Teamchef Frank Urspruch geriet bei der Beschreibug des Samstagabends gegenüber
OSTHESSEN|NEWS ins Schwärmen: "Das war eine richtig schöne Veranstaltung in einer Top-Location. Tolles Essen, toller Service, klasse DJ und eine hervorragende Stimmung, das kann man nicht anders sagen. Burkhard Müller vom Wissener SV hat hier etwas auf die Beine gestellt, was wir bisher in unserer Bundesliga-Zeit nicht erlebt haben." Zum exakt gleichen Ergebnis kam auch Hallensprecher Axel Schell, der seit zehn Jahren Bundesliga-Wettkämpfe begleitet: "Eine solche Veranstaltung mit allen sechs Teams ist ein Traum - das ist eine echte Bundesliga-Familie." (gox)
In Zahlen
Schützenverein Petersberg - Team Wetterau 4:1 (1970:1956 Ringe)
Tom Barbe - Max Ohlenburger 393:399, Johanna Tripp - Luc Dingerdißen 397:390, Lea Ruppel - Julian Justus 397:394, Jana Heck - Lina Krebs 393:389, Annika Peters - Kathrin Winter 390:384
Den Bericht über den Wettkampf gegen den Wissener SV lesen Sie morgen +++