"Wir ha'm Indianer gespielt" heißt es im Originaltext "Tausendmal berührt" von Diether Dehm - Symbolbild: pixabay

REGION Wokeness vs. Coolness

Diether Dehm zeigt Florian Silbereisen an - "Indianer" im Liedtext gestrichen

21.01.23 - Vielleicht hat sich Schlagerstar Florian Silbereisen etwas dabei gedacht, als er das Wort "Indianer" aus dem von ihm vorgetragenen Kultsong  "Zoom! 1.000 und 1 Nacht" am Samstagabend in einer ARD-Show strich. Doch der Urheber dieses bekannten Liedtextes, der in Eiterfeld lebende Komponist und ehemalige Linken-Bundestagsabgeordnete Diether Dehm findet diesen "woken" Eingriff unmöglich und hat deshalb bei der Staatsanwaltschaft Fulda Anzeige wegen Urheberrechtsverletzung erstattet.

Florian wollte wohl ganz "woke" sein... Foto: picture alliance | Frederic Kern/Geisler-Fotopress

Diether Dehm besteht auf seinen Originaltext Foto: privat

Dehm selber ist der wohl politisch-korrekt gemeinte Eingriff in seinen Originaltext, gesungen von Florian Silbereisen und Beatrice Egli bei der ARD-Gala "Der große Schlagerabschied", gar nicht aufgefallen, weil er sicher nicht zu dessen-Fans zählt und die Performance nicht verfolgt hat. Doch Fans des Songs, den Dehm in den 1980er Jahren zusammen mit Sänger Klaus Lage geschrieben hatte, bemerkten den Unterschied und riefen ihn an. "Erinnerst du dich, wir haben Indianer gespielt und uns an Fasching in die Büsche versteckt", lautet die Liedzeile des Komponisten eigentlich. Den umstrittenen Begriff mied Schlagerstar Silbereisen am Samstag aber und sang stattdessen "Wir haben zusammen gespielt". Unklar, wem er damit einen Gefallen tun wollte. Texter Dehm ist jedenfalls empört ob dieses eigenmächtigen Eingriffs: "Das ist ganz klar eine Verletzung meines Urheberrechts, denn der Text ist mein geistiges Eigentum, für den ein Veränderungsverbot gilt!" Silbereisen hatte die geänderte Textzeile offenbar bereits in der MDR-Sendung "Die Märchenschloss Nacht" im August 2022  ohne das Wort 'Indianer' gesungen, hatte die Fuldaer Zeitung recherchiert. 

Gratis-Mut

Diese offenbar politisch motivierte Streichung nennt Dehm "Gratis-Mut" und führt weiter aus, warum er den Streit um den Begriff Indianer und die im letzten Sommer entbrannte Winnetou-Debatte um kulturelle Aneignung und Rassismus für völlig überflüssig hält: Viele Indigene bezeichneten sich selbst als Indianer und beanspruchten die Deutungshoheit über diese Benennung für sich. "Gendern ist eine ängstliche Verkrampfung", urteilt Dehm, der sich in seiner politisch aktiven Zeit immer besonders für Minderheiten und gegen Diskriminierung eingesetzt hat. Doch diese Haltung beschränke sich eben nicht auf Diskussionen über Sprachverbote. Viel wichtiger als die Bezeichnung sei die notwendige Unterstützung der "Native American" gegen systematische Ungleichbehandlung und Unterdrückung, so Dehm

Indigene sollen 'alte weiße Männer' spielen dürfen

"Wenn die Verschandlung eines geschützten künstlerischen Werks in Deutschland nicht schon eine Urheberrechtsverletzung, also eine Straftat wäre, so müssten Florian Silbereisen und Beatrice Egli allein wegen groben Unsinns in eine geschlossene Einrichtung", reagierte Dehm auf Facebook und Twitter. "Ich bestehe aber nicht nur auf Texttreue, sondern auch darauf, dass meine Kinder, Enkel und Urenkel, wo und wann immer sie wollen, 'Indianer spielen dürfen'  - so wie hoffentlich auch junge Indigene ewig und überall auf der Welt 'alte weiße Männer' spielen dürfen sollen", resümiert der 72-Jährige. (ci)+++


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