Das Unternehmen Saunalux im Grebenhainer Ortsteil Nösberts-Weidmoos. - Archivfotos: O|N/Dieter Graulich

GREBENHAIN Rätselraten im Vogelsberg

Hintergründe unklar: Wohin zieht es das Unternehmen Saunalux?

26.01.23 - Muss die Vogelsberg-Gemeinde Grebenhain in Kürze den Wegzug eines Traditionsunternehmens verkraften, das weltweit einen ausgezeichneten Ruf besitzt? Es geht um Saunalux, 1968 von Karl Schneider gegründet und im Ortsteil Nösberts-Weidmoos direkt an der B 275 ansässig. Wie der "Lauterbacher Anzeiger" (LA) kürzlich schrieb, seien die Produktionsstätten kurzzeitig sogar bei Ebay angeboten worden: Die 17.780 Quadratmeter große Liegenschaft sollte ab Februar für eineinhalb Millionen Euro zu haben sein. OSTHESSEN|NEWS hat Hintergründe zu recherchieren versucht. 

Auch Außensaunen machen sich gut im heimischen Garten.

Saunalux ist führendes Unternehmen für alles rund um Saunen und Infrarotkabinen. ...

Doch zunächst kurz zur Historie: Saunalux hatte damals - Ende der 1960-er Jahre - zu den ersten Unternehmen gehört, welche das Saunavergnügen nach Deutschland brachte und populär machte. Der Betrieb wechselte später mehrfach die Eigentümer, bis er 2012 von dem chinesischen Saunahersteller Saunaking Co. Ltd. beziehungsweise dessen Saunaking Europe GmbH & Co. KG übernommen wurde. 

Individuelle Sauna- und Infrarotkabinen als Maßanfertigung sind zur Visitenkarte der Firma geworden. Diese werden nach Kundenwunsch und in Handarbeit angefertigt - und innerhalb ganz Deutschlands, Europas und auch nach Asien exportiert. Gerade in der Corona-Zeit boomte die Nachfrage enorm. Saunalux wurde 2021 sogar mit dem "Live & Living Award" des Deutschen Institutes für Servicequalität und des Nachrichtensenders ntv ausgezeichnet.

Dann aber kam der Ukraine-Krieg und damit einhergehend eine anhaltende Energiekrise, die den Absatz von Saunen ins Stocken geraten ließ. Der LA zitiert Saunalux-Geschäftsführer Hao Jin: Danach sei der Saunamarkt derzeit instabil. Das Gebäude zum Verkauf anzubieten, sei eine geschäftliche Reaktion darauf. Man wolle aber trotz angestrebter Verlegung der Produktionsstätte im Vogelsbergkreis bleiben. Ins Auge gefasst werde eine etwa 1.000 Quadratmeter große Halle.

Bauaufsicht des Kreises aktiv

Einen anderen Hintergrund nennt auf O|N-Nachfrage die Pressestelle des Vogelsbergkreises: Danach war bei einer turnusmäßig durchgeführten Sicherheitsüberprüfung am 21. April 2021 bei Saunalux seitens der Bauaufsicht des Vogelsbergkreises festgestellt worden, dass Auflagen und Bedingungen teilweise nicht erfüllt waren. "Beispielsweise wurden Räumlichkeiten eingebaut oder zusammengefasst oder es wurden zweite Ebenen in Holzkonstruktion eingebaut, die zu Lagerzwecken genutzt wurden. Es gab nicht genügend Flucht- und Rettungswege, die vorhandenen waren verstellt, nicht nutzbar oder gar nicht beziehungsweise nicht sichtbar gekennzeichnet". So Kreis-Pressesprecherin Sabine Galle-Schäfer in einer schriftlichen Erläuterung an unsere Redaktion. 

Wegen dieser baulichen Veränderungen habe die Bauaufsicht die Vorlage eines Bauantrags inklusive eines Brandschutzkonzeptes angeordnet. Dafür sei eine Frist bis zum 30. September 2021 eingeräumt worden. Die Firma Saunalux habe daraufhin einen Planer beauftragt, der im September 2021 eine entsprechende Begehung vornahm. Galle-Schäfer schreibt weiter: "Die Firma wurde von der Bauaufsicht wiederholt aufgefordert, den Bauantrag vorzulegen – zuletzt am 8. Oktober 2021. Dabei wurde eine Frist bis zum 28. Februar 2022 eingeräumt. Bis heute kam die Firma der Aufforderung der Bauaufsicht nicht nach. Es liegt kein Bauantrag vor".

Dieser fehlende Bauantrag könne wohl kaum der ausschlaggebende Punkt für eine Verlagerung des Betriebes an einen anderen Standort sein. Dem Unternehmen sei immer wieder eine Fristverlängerung eingeräumt worden – passiert sei nichts. "Die Behörde hätte daher bereits Zwangsgeld anordnen können, davon hat sie bisher abgesehen. Unseren Ermessensspielraum haben wir weit ausgelegt", so die Sprecherin des Vogelsbergkreises.

"Lösbare Vorgaben - an einen Tisch setzen"

Abschließend heißt es in der schriftlichen Stellungnahme: "Es muss noch einmal deutlich gesagt werden: Es sind – auch im Vergleich zu anderen Projekten - lösbare Vorgaben, die von der Bauaufsicht eingefordert und die bislang nicht erfüllt wurden. Nicht nachzuvollziehen ist, warum sie zu einer Schließung des Betriebes in Nösberts-Weidmoos führen sollten.  Ein Gespräch mit uns haben Vertreter der Firma bislang nicht gesucht, in der jetzigen Situation bieten wir selbstverständlich unsere Unterstützung an. Man sollte sich gemeinsam an einen Tisch setzen und das Gespräch suchen".

Auf Nachfrage von OSTHESSEN/NEWS teilte Saunalux-Geschäftsführer Hao Jin am frühen Dienstagabend Folgendes mit: "We are processing everything at moment, once we have information further we may let you know". Was man ungefähr so übersetzen könnte, dass derzeit alles einem Prozess (Durchsicht) unterzogen beziehungsweise auf den Prüfstand gestellt werde. Sobald man über weitere Informationen verfüge, werde man es einen wissen lassen".

Bezüglich der heute erforderlichen Standards von Arbeitsschutz, Betriebssicherheit oder Brandschutz hatte Hao Jin dem LA gegenüber erklärt: "Aus zeitlichen wie auch finanziellen Gründen konnten wir das leider nicht schaffen"-  

Der Grebenhainer Bürgermeister Sebastian Stang bat um Verständnis dafür, zum derzeitigen Zeitpunkt keine weitere Stellungnahme zur Sache abgeben zu wollen. Gegenüber dem LA hatte der Verwaltungschef unter anderem betont, dass er mit der Unternehmensführung in Kontakt stehe. Derzeit würden Möglichkeiten gesucht, innerhalb der Gemeinde oder der Region einen anderen Produktionsstandort zu finden. (Bertram Lenz) +++


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