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Grenzenlose Freude ...

06.11.09 - FULDA

Es war 22:45 Uhr am späten Donnerstagabend, als die Fuldaer Wilmington-Halle in ihren Grundmauern wankte und das kleine Wunder - zumindest nach dem dramatischen Spielverlauf - wahr wurde. Fulda-Maberzell steht nach dem 3:2-Sieg gegen den Ligakonkurrenten TTC Frickenhausen erstmals in der Vereinsgeschichte in der Endrunde um den deutschen Tischtennis-Pokal: Qing Yu Meng und Robert Svensson lagen im entscheidenden Doppel schon 0:2 nach Sätzen zurück und kaum einer der rund 250 Zuschauer setzte noch einen "Pfifferling" auf die Spieler des TTC Rhönsprudel Fulda-Maberzell.

Doch die beiden Tischtennis-Cracks drehten plötzlich auf und spielten sich förmlich in Ekstase. Satz Nummer drei und vier gingen gegen die starken Bastian Steger und Kenta Matsidaira mit 11:9 und 11:7 an die Hausherren. Der fünfte Satz musste die Entscheidung darüber bringen, ob Maberzell oder die Gäste vom TTC Frickenhausen in die lukrative Finalrunde am 27. Dezember in Dortmund einziehen würden. Meng/Svensson brachten ihre Gegner schier zur Verzweiflung und gewannen unter tosendem Beifall mit 11:9. Die erste Finalrunden-Teilnahme im Deutschen Tischtennis-Pokal war perfekt.

Spieler, Funktionäre und Fans lagen sich in den Armen. Es war eines der spannendsten Spiele in der Vereinsgeschichte des TTC Fulda-Maberzell. Über drei Stunden lieferten sich die drei Akteure der Gastgeber einen Fight der Extraklasse. Für den diesmal geschonten Jan-Ove Waldner spielte Trainer Qing Yu Meng. Und er musste als erster an die Platte. Gegen den Chinesen Rui Wu Tan begann Meng stark und führte nach Sätzen 2:0 11:9, 11:4). Doch Tan drehte die Partie noch zu seinen Gunsten mit 11:8, 11:7 und 11:7. Frickenhausen führte 1:0.

Maberzell indes hat mit Wang Xi einen Spitzenspieler in seinen Reihen, der in dieser Saison scheinbar nicht zu schlagen ist. Gegen den deutschen Nationalspieler Bastian Steger brauchte Wang Xi gerade einmal drei Sätze, um mit 11:7, 11:9 und 11:5 klar zu gewinnen. Der Chinese brachte den WM-Dritten (Mannschaft) mit seinem variablen Abwehrspiel und plötzlichen Wechsel zum Angriffsspiel schier zur Verzweiflung. Der Ausgleich war geschafft. Und es schien planmässig weiter zu gehen. Robert Svensson hielt das japanische Supertalent Kenta Matsudaira in den ersten beiden Sätzen mit 11:8 und 12:10 in Schach. Doch den Schweden erging es wie zuvor Meng. Svensson leistete sich einige Rückhandfehler und musste die folgenden drei Sätze (5:11, 5:11, 7:11) noch abgeben. Frickenhausen gelang das wichtige 2:1.

Auf Wang Xi war anschließend natürlich wieder Verlass. 11:9, 11:8 und 11:8 fegte Wang Xi seinen Gegner Rui Wu Tan von der Platte. Ausgleich zum 2:2. Dann folgte dieses sagenhafte Doppel, welches mit in die Geschichtsbücher der Maberzeller eingehen dürfte. Bereits in den ersten beiden Sätzen führten Meng/Svensson mit 8:4 im ersten und 9:5 im zweiten, ließen sich aber die Butter jeweils vom Brot nehmen. In den Einzeln gaben sie nach 2:0-Führungen ihre Spiele noch ab, im Doppel schafften sie gemeinsam die sensationelle Wende. Svensson und sein Trainer lagen im Entscheidungssatz beim Seitenwechsel mit 5:2 in Front, doch Steger und sein japanischer Partner kämpften sich Punkt um Punkt heran. Doch es reichte nicht für die in dieser Saison nicht gerade vom Glück gesegneten Schwaben: Mit 11:9 ging auch Satz fünf an den ausgelassen jubelnden Gegner aus Osthessen, dessen tolle Kampfmoral am Ende belohnt wurde.

Fuldas Vorsitzender Stefan Frauenholz, stets emotional in höchstem Maß beteiligt, zeigte sich begeistert: "Sensationell, ich fühle mich wie neugeboren! Gerade Meng ist über sich hinausgewachsen." Frickenhausens Manager Jürgen "Max" Veith schwankte zwischen Verzweiflung und Hoffnung: „Es ist fast schon zum Heulen. Wir können einfach nicht gewinnen. Ich kann niemandem einen Vorwurf machen. Die Mannschaft hat gut gespielt und vor allem großartig gekämpft. Kenta Matsudaira und Tan Rui Wu befinden sich in aufsteigender Form. Wenn wir noch unsere finanziellen Probleme gelöst haben, wird es bei uns auch wieder bergauf gehen.“ "Ich bin schon lange dabei, aber so einen Krimi habe ich selten gesehen", freute sich Maberzells zweiter Vorsitzender Claus-Dieter Schad nach dem Pokalmarathon, während sich die Spieler in den Armen lagen.

Im Halbfinale gegen die TTF Liebherr Ochsenhausen

In der Finalrunde - dem Final-Four - ist nun alles möglich. "Wir können im Halbfinale rausfliegen oder mit dem Pokal nach Fulda zurückkehren und mit einem Corso durch die Stadt fahren", blickte Schad schon einmal voraus. Nach diesem Pokalhammer am Mittwochabend ist den Maberzellern wahrlich alles zuzutrauen. Die Halbfinal-Begegnungen sind bereits ausgelost: Fulda-Maberzell spielt gegen die TTF Liebherr Ochsenhausen.

Im zweiten Spiel am 27. Dezember 2009 in der Dortmunder Westfalenhalle trifft der amtierende Deutsche Meister Borussia Düsseldorf auf den SV Plüderhausen. Anschließend treffen die beiden Sieger der Halbfinalspiele im Endspiel aufeinander. Die Endrunde wird sicher ein Riesenspektakel. Neben dem Tischtennis ist ein riesiges Event mit Live-Konzert geplant. Im vergangenen Jahr standen Ich+Ich auf der Bühne. Sport and Concert versprechen die Veranstalter. Wer diesmal den musikalischen Act bildet, ist noch nicht bekannt. (Hans-Hubertus Braune)

Die Redaktion von osthessen-news hatte mit einem Live-Ticker vom Spiel berichtet. Im Laufe des Freitag folgt ein ausführlicher Videobeitrag von dem Pokalkrimi, Jubel und Stimmen der glücklichen Sieger. +++


...aber nur etwas mehr als 200 Zuschauer - Fotos: Hendrik Urbin

Gemeinsamer Jubel am Ende...


Robert Svensson gestern Abend


Wang Xi einmal mehr in Galaform...

...während Robert Svensson im Einzel unglücklich spielte...


Das entscheidende Doppel gegen Frickenhausen (Steger/Matsudaira)...

... und vorne die beiden Fuldaer Meng und Svensson...



Hoffen und Bangen...


...das Schlussdoppel bot alles, was den Reiz des Tischtennissports ausmacht...



Robert Svensson nur zwischenzeitlich am Boden...



Die Schwaben wähnten sich schon in der Finalrunde...


...da hatten sie die Rechnung ohne Svensson und Meng gemacht...

Kann stolz auf sein Team sein: Klub-Präsident Stefan Frauenholz (rechts) nach dem historischen Sieg. Links Vizepräsident Alexander Günther.



Wang Xi und Qing Yu Meng im osthessen-news-Interview.


Der TTC Frickenhausen...







Tan behielt in fünf Sätzen die Oberhand...


...gegen Qing Yu Meng, der jedoch immer wieder spektakuläre Ballwechsel zeigte...

Nationalspieler Bastian Steger hätte wohl am liebsten seinen Tischtennisschläger...


...in die Ecke gefeuert. Was er auch machte...

...Wang Xi wusste eine Antwort. Der Maberzeller Spitzenspieler ist förmlich ein Überflieger...





Unter den Zuschauern: Jörg Schlichter.





Auch Gottes Beistand half Svensson Im Einzel nicht.






Frickenhausens Anhang. Rechts mit Krawatte Manager Jürgen Veith.













Freudentanz: Claus-Dieter Schad und Robert Svensson...


Spielten ein sensationelles Doppel...






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