Richtungsweisendes Wochenende für die TGH: 21 Stunden nach dem Europacup-Spiel gegen Turin empfangen die Brüder-Grimm-Städter in heimischer Halle den ETTU-Cup- und Ligapokalsieger der letzten Saison aus Plüderhausen. Die Schwaben stehen derzeit nur auf Platz 7 der DTTL-Tabelle, also zwei Ränge hinter der TGH, sind aber hochkarätig besetzt und reisen als Favorit an. Dies gilt umso mehr, als „Leitwolf“ Aleksandar Karakasevic (Weltranglistenposition 56) – mit einer 0:6-Ligabilanz gestartet – zuletzt in die Erfolgsspur zurückgefunden hat.
Der 43-jährige Ex-Weltmeister Jörgen Persson aus Schweden, derzeit Nummer 21 der Welt, und der oft unterschätzte Pole Jakub Kosowski spielen bereits seit Rundenbeginn auf sehr gutem Niveau. Auch die Nummer vier, der 19-jährige Engländer Paul Drinkhall, mehrfacher Jugendeuropameister und vor zwei Jahren beim „Vorgänger“ Gönnern unter Vertrag, hat sich auf einem ordentlichen DTTL-Niveau stabilisiert. Allein schon die Gelegenheit, Weltklassespieler von Format live zu erleben wie die mit einer überragenden Spielintelligenz ausgestattete „Ikone“ Persson oder den launischen, nicht unbedingt sportgerecht lebenden, dafür aber mit einer genialen linken Hand gesegneten Karakasevic, lohnt den Besuch der Main-Kinzig-Halle am Sonntagnachmittag.
Hanau muss mit einem Handikap zurechtkommen und kann personell diesmal nicht aus dem Vollen schöpfen: Topspieler Chiang Hung-Chieh startet für Taiwan bei den Asien-Spielen und sein designierter Stellvertreter Lee Jung Sam, der erstmals bei Werder Bremen die Hanauer Farben trug, ist schwer erkrankt – jedenfalls soll er nach Aussage seines Verbandes an der „Schweinegrippe“ laborieren. Somit wird die TGH erstmals in der Liga mit einer rein deutschen Mannschaft antreten. Jörg Roßkopf dürfte als „Leader“ gesetzt sein, Ruwen Filus aufgrund seiner zuletzt so eindrucksvollen Leistungen auch. Der dritte Einzelplatz wird von Bundesranglistenturnier-Sieger Steffen Mengel oder „Nesthäkchen“ Patrick Franziska eingenommen - beide übrigens auch gute Doppelspieler.
Aufgrund der aktuellen Personalkonstellation und des klaren Plus der Gegenspieler aus dem Remstal in der Weltrangliste geht die TGH, die sich bislang wirklich achtbar geschlagen hat, als klarer Außenseiter in die Partie. Doch wer weiß, ob nicht vielleicht doch etwas mit der Unterstützung des begeisterungsfähigen Hanauer Publikums geht, das sich längst mit der Mannschaft identifiziert. Und wenn dann noch die kämpferische Einstellung so gut ist, wie sie Erfolgstrainer Helmut Hampl immer von seinen Jungs verlangt, und mit reichlich Adrenalin um jeden Ball gefightet wird, könnte ein Überraschungscoup durchaus gelingen. Da die Schwaben am Freitagabend ein ganz schweres Champions-League-Spiel im russischen Jekaterinburg zu absolvieren haben, besteht zudem eine kleine Chance, dass man ihnen am Sonntag noch die Reisestrapazen anmerkt.
Plüderhausen denkt nicht daran, die TGH auf die leichte Schulter zu nehmen: „Dass die Hanauer Mannschaft stärker ist als sie allgemein eingeschätzt wurde, hat man ja deutlich gesehen und dementsprechend haben wir auch gehörigen Respekt vor dieser Truppe“, so Ulrich Engele. Der Sportkoordinator des TGH-Gegners lässt keinen Zweifel an der Bedeutung der Partie für seinen SVP, der sogar einen Fanbus einsetzen wird: „Wir stehen beim Spiel in Hanau stark unter Druck, denn wenn wir dieses nicht gewinnen, kleben wir im unteren Tabellendrittel fest und haben keine Chance mehr, groß nach vorne zu schauen.“
Hanaus Teammanager Johannes Herrmann setzt auf die bekanntermaßen gute Kampfmoral der hoch motivierten Truppe: „Ob wir gewinnen, hängt sicherlich von der Tagesform unserer jungen Mannschaft ab. Karakasevic hin oder her, wir konzentrieren uns auf unsere Vorbereitung und geben in jedem Spiel 100 Prozent Einsatz. Ob dies dann gegen die favorisierte Mannschaft aus Plüderhausen reicht, werden wir sehen.“ Zudem hofft er auf die Fans: „Wir wünschen uns eine ähnlich gute Stimmung wie gegen Jülich und rechnen mit 500 Zuschauern. Das wären dann mit Freitag, auch hier hoffen wir auf 500, tausend Tischtennisfans an einem Wochenende in der Main-Kinzig-Halle!“ Wer kommt, darf sich - wie immer - auch auf ein attraktives Rahmenprogramm freuen. Herrmann: „Wir haben erneut ein rundes Paket mit zahlreichen Attraktionen für die ganze Familie geschnürt.
Ein besonderes Special wird diesmal Rope Skipping der Extraklasse mit Sindi Sina, Deutsche Juniorenmeisterin 2008, und Elisa Vasylyeva, Deutsche Vize-Juniorenmeisterin und Hessenmeisterin 2009 werden. Zudem werden wieder die Galactic Dancers, früher Cheerleader der Frankfurt Galaxy, tänzerisch und optisch brillieren.“ (Dr. Stephan Roscher) +++