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Sascha Gramm vor den für Bhutan typischen Gebetsfahnen - Fotos: Privat

HOSENFELD Etappenrennen in Bhutan

Sascha Gramm läuft "in einer anderen Welt" auf Platz zwei

13.06.23 - "Eine Reise in eine komplett andere Welt", so beschreibt Sascha Gramm seinen Trip nach Bhutan. Und wenn der Extremläufer aus Hainzell das sagt, will das schon etwas heißen. Im asiatischen Königreich nahm er am Etappenrennen "The Last Secret" teil. Neben einem tollen sportlichen Erfolg kam er auch wieder mit jeder Menge unvergesslicher Eindrücke nach Hause. 

Wer kann schon von sich behaupten, ein Tor in einem Spiel gegen bhutanische Kinder-Mönche in einem Kloster auf 3.600 Meter Höhe geschossen zu haben? Oder aber eine Ausgabe der bhutanischen Verfassung vom Chief of Justice persönlich überreicht bekommen zu haben? Wohl kaum jemand. Sascha Gramm gehört dazu. 

Der Hainzeller, der regelmäßig an den schönsten und exotischsten Orten der Erde läuft, hat all das beim "The Last Secret"-Etappenrennen in Bhutan erlebt. "Es waren sehr beeindruckende und bemerkenswerte Erlebnisse", sagt Gramm, der, obwohl er schon so viel gesehen hat, den Trip in das asiatische Königreich als eine "Reise in eine andere Welt" bezeichnet. 

Der Mount Everest, das Dach der Welt

Bhutan ist kein Land, wie jedes andere. Wirtschaftswachstum und ein möglichst hohes Bruttosozialprodukt stehen nicht an erster Stelle, Priorität genießt das Glück der Bürger und das Bewahren der außergewöhnlichen Natur. Auch die buddhistische Religion spielt eine große Rolle. Spektakuläre Klöster, die teils atemberaubend in die Berge des Himalaya gebaut wurden, und die roten Gebetsketten, die im Wind flattern, prägen das Bild des Landes. 

Schon die Anreise war alles andere als gewöhnlich. Über Delhi und Kathmandu ging es nach Paro - und dabei direkt vorbei an den höchsten Bergen der Welt. "Wir hatten aus dem Flugzeug beste Sicht auf den Mount Everest. Es war total beeindruckend. 'Dach der Welt' ist wirklich ein passender Name", sagt Gramm. 

Bundesliga-Konferenz am Himalaya

Von Paro reiste die Gruppe erst nach Thimphu, der Hauptstadt Bhutans, und dann weiter ins Basecamp, wo das Rennen gestartet wurde. Vor dem Start ließ es sich Gramm gemeinsam mit seinem Zeltkollegen Patrik aber nicht nehmen, rund 7.000 Kilometer von Deutschland entfernt, bis spät in die Nacht am Fuße des Himalaya das Bundesligafinale in der ARD-Radiokonferenz zu hören. Ein Spieltag, den Gramm wohl auch nie vergessen wird. 

Das Spiel gegen die Jungmönche war ein Highlight der Reise

Spektakuläre Klöster atemberaubend in den Berg gebaut

Sportlich folgte dann ein einziges Auf und Ab - im wahrsten Sinne des Wortes. Über 11.000 Höhenmeter hatten die Läufer zu bewältigen, mehr als 8.000 Meter ging es wieder nach unten. Der höchste Punkt des Rennens lag auf 3.700 Meter. Gramm kam mit den Bedingungen aber alles in allem gut klar. Das Höhentrainingslager im Vorfeld des Rennens zahlte sich aus. Der Hainzeller konnte die Etappen eins und drei sogar gewinnen. "Bei mir wechselten sich gute und weniger gute Tage ab", sagt er. Vor allem auf der zweiten Etappe hatte er mächtig zu kämpfen. "Es ging auf den ersten 20 Kilometern 2.400 Meter nach oben - und das durch unberührten Dschungel", skizziert Gramm die besondere Herausforderung. Zu allem Überfluss wurde er dabei auch noch von Moskitos und Blutegeln geplagt. "Das war, was die Schwierigkeit betrifft, eine meiner Top-3-Passagen, die ich je gelaufen bin."

"Gegen Real und Bayern haben schon mehr Menschen getroffen"

Dafür entschädigte ihn Etappe drei, die er nicht nur gewinnen konnte. Im Ziel, dem "Phajoding Monastery" Kloster auf 3.600 Meter wartete nämlich noch das Fußballspiel gegen die bhutanischen Mönche auf die Läufer. Die hatten sich lange und gewissenhaft auf das Spiel vorbereitet, wollten unbedingt gewinnen. "Wir haben auf einem Bolzplatz gespielt, der eigentlich nur aus zwei Toren bestand. Ich habe sogar ein Tor geschossen. Gegen Bayern München und Real Madrid haben schon mehr Menschen getroffen als gegen bhutanische Jungmönche", sagt Gramm lachend. Genützt hat es allerdings nichts. 2:5 verloren die Läufer. Das Ergebnis war allerdings nur zweitrangig, im Vordergrund stand die Begegnung und das gegenseitige Kennenlernen. "Dafür ist der Sport ideal. Diesen Tag werde ich nie vergessen", so Gramm. 

Am Ende der sechs Etappen kam der Extremläufer als Gesamtwertungszweiter ins Ziel. Als einer der drei Erstplatzierten bekam er vom Chief of Justice höchstpersönlich ein Exemplar, der von ihm mitgeschriebene Verfassung von Bhutan überreicht. Mit dem kleinen Büchlein, einer Gebetsmühle und jeder Menge Erinnerungen im Gepäck ging es dann wieder nach Hause. 

Gramm mit dem Chief of Justice von Bhutan (r.).

Für Gramm ist jetzt erstmal Pause angesagt. Die Saison ist für ihn beendet. Innerhalb eines Jahres war er in Norwegen, am Grand Canyon, in Vietnam und nun in Bhutan. Das zehrte an den Kräften. Nächstes Jahr will er dann wieder angreifen und in Norwegen die Continentel Challenge vervollständigen. Weitere Rennen sind bis jetzt noch nicht geplant. "Aber da wird sich definitiv was finden", ist er sich sicher. (fh)+++


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