12.06.23 - Solch eine Situation muss man sich erstmal erarbeiten. Die Fußballer der SG Viktoria Bronnzell haben das geschafft. Es war für sie ein besonderer Tag - und ein besonderer in ihrer Vereinsgeschichte. Gruppenliga-Meister im vergangenen Jahr, den fast sensationell anmutenden zweiten Platz der Verbandsliga Nord bereits in der Tasche - und nun, am 11. Juni 2023, hatten sie im Relegations-Rückspiel um den Aufstieg zur Hessenliga die SG Bornheim/Grünweiß Frankfurt zu Gast. Das Hinspiel hatte die Viktoria vor drei Tagen deutlich verloren - jetzt aber zeigte sie, dass sie es besser kann. Beim 1:1 (1:0) stand sie dicht vor dem Sieg. Und das Beste: Auch der Hessische Fußballverband gab sich die Ehre und drehte ein Video.
Bronnzells Trainer Stefan Dresel musste nach der Gelb-Roten Karte gegen Innenverteidiger Franz Ruppel umbauen. Kapitän Marco Weiss verteidigte rechts, Pecks und Kern bildeten die Innenverteidigung, Jäger verteidigte links. Um es vorweg zu sagen: Es klappte gut.
In den Anfangsminuten sah es so aus, als würde die Viktoria erneut die offensive Wucht des Gastes zu spüren bekommen. Der war besser, fußballerisch beweglich - und hatte im Sechser Babot, in Kim und Joel Tewelde flinke Spieler, die auch im Dribbling Tempo ins Spiel brachten und hier und da gut auflösten. Doch im letzten Drittel fehlte es dem Favoriten an Klarheit, Tiefe und Struktur. Oder anders ausgedrückt: Bronnzell überzeugte - und wie.
Viktorias Defensive: aufopferungsvoll, Überzahl, leidenschaftlich
Die Grundlage des Viktoria-Spiels: das Defensivverhalten stimmte. Aufopferungsvoll verteidigte der Gastgeber, die Spieler halfen sich immer wieder, schafften es, in nahezu allen Defensiv-Situationen eine Überzahl herzustellen - und sie nahmen ihrem Kontrahenten immer wieder die offensive Wirkung. Einfach diszipliniert - und das bei diesen schweißtreibenden Temperaturen.
Mehr noch: Mehr und mehr setzte Bronnzell offensive Akzente. Zunehmend bekam die Viktoria Selbstvertrauen, mutig griff sie an - und wiederholt über ihre rechte Angriffsseite; auch weil der Gast dort immer wieder Lücken offenbarte. So entstand auch Bronnzells bis dahin überraschendes Führungstor: Nach einem Konter über rechts kam der starke Sandner auf der Außenposition in Ballbesitz, flankte nach innen - wo Sternstein hellwach war und entschlossen nach knapp 20 Minuten zum 1:0 traf.
2:0 war möglich - es wäre auch verdient gewesen
Horenkamp hätte kurz darauf beinahe zum 2:0 getroffen, der agile Sternstein rutschte später knapp an Sandners Eingabe vorbei (36.). Ein 2:0 war nicht nur möglich - es wäre auch verdient gewesen. Gut, dass Jäger kurz vor der Pause Kim im Strafraum fair abgrätschte.
Nachdem zu Beginn des zweiten Abschnitts Webers Abschluss geblockt wurde, musste die Viktoria anfangs der zweiten Hälfte den Ausgleich hinnehmen. Schuster flankte gegen den in dieser Szene unglücklichen, aber sonst starken Weiss - und der eingewechselte Kamara traf durch Linksschuss, bei dem so mancher Handspiel reklamierte, doch das war es nicht.
Chapeau vor dieser Leistung, Viktoria Bronnzell
Das Spiel wurde offener. Frankfurt spielte entschlossener, ohne gut zu sein. Bronnzell bot zunehmend zu große Räume an, die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen wurden zu groß - aber die Viktoria gab alles und wollte den Sieg. Den hätte sie auch verdient gehabt, aber das Glück im Abschluss war ihr nicht hold. Sternstein zielte aus aussichtsreicher Position zu hoch (60.), ein Gästespieler rettete vor dem einschussbereiten Sternstein (65.) - und Webers Kopfball entschärfte Frankfurts Keeper mit gutem Reflex.
Da machte es nichts, dass sich der verdammt starke Pecks mal einen Eins-gegen-eins-Fehler im Spielaufbau leistete, den aber selbst wieder ausbügelte. Die Viktoria hatte sich glänzend verabschiedet - Chapeau vor dieser Leistung bei diesen schweißtreibenden Temperaturen in der Heppeau. (wk) +++
SG Bronnzell:
Ritzel - Weiss, Pecks, Kern, Jäger - Milenkovski (67. Jordan), Hohmann - Sandner, Horenkamp (82. Tim Weber), Sternstein (82. Pfeiffer) - Weber
SG Bornheim/Grünweiß Frankfurt: Colombo - Schmanke, Kadrijaj, Schwarz, Schubert - Babot - Kim (85. Shahinda), Joel Tewelde (72. Lettieri), Teklu Tewelde (63. Rosenkötter) - Gure (82. Fliess), Wehrheim
Schiedsrichter: Daniel Heist
Tore: 1:0 Christoph Sternstein (18.), 1:1 Mohammedelamin Kamara (50.)