10.07.23 - 60 Jahre für einen Verein da zu sein, das ist nicht alltäglich. Es ist eine Ausnahme. Eine, die Respekt, Anerkennung und die Würdigung einer besonderen Leistung verdient. Eine, die einen Menschen begleitet. Eine, die nicht nur für Sport - in diesem Fall für Fußball - gemacht ist. Gemeint ist hier August Bredy, der einen Großteil seines Lebens dem VfL Mansbach geschenkt hat. Jetzt macht er - im beinahe biblischen Alter von 82 Jahren - Schluss. Endgültig. OSTHESSEN|NEWS hat ihn besucht.
Osthessen|News startet eine Serie über Menschen im Verein unserer Region, die in loser Abfolge erscheint. Es sind Menschen, die sich für Vereine und Organisationen einsetzen - deren Wahrnehmung, Akzeptanz und Wertigkeit unter der Floskel "Ehrenamt" aber irreführend ist. Auch bei August Bredy ist dies der Fall. Doch lesen Sie selbst.

Fotos: Walter Kell/Verein

Drei Vereine zählen für August Bredy: Eintracht Frankfurt, die SpVgg Unterhaching ...
August Bredy sitzt auf gepackten Koffern. Am Montag bricht er für drei Wochen nach Moldawien auf. Eine seiner seltenen Auszeiten in den letzten Jahrzehnten. "Ich fahre in das Dorf Neu-Strymba. Dort haben bis 1940 meine Vorfahren gelebt", sagt er stolz, aber auch ein bisschen beiläufig. "Im vorigen Jahr war ich schon mal dort - weil mich das interessiert hat. Ich hab' noch Kontakte zu bestimmten Leuten und freue mich, wenn wir uns wieder treffen." Der 82-Jährige wirkt nicht nur bescheiden und geerdet. Er ist es auch.
In Österreich geboren, über Polen und Dalherda nach Mansbach
Zum Hintergrund: Nach der Aussiedlung im Zweiten Weltkrieg im Jahre 1940 kam Bredys Familie nach Österreich, wo August ein Jahr später in Wieselburg bei Linz geboren wurde. Gegebenheiten und Erlebnisse des Krieges brachten es mit sich, dass August Bredy über Polen ins Rhönörtchen Dalherda gelangte - und 1950 nach Mansbach.

Sportplatzeinweihung 1955: Der VfL Mansbach gewinnt 3:1 gegen Soisdorf

Die Zweite des VfL in den 1950er-Jahren
Bredy wirkt rüstig wie eh und je, positiv zudem. Seine Augen funkeln und verraten die Leidenschaft zum Fußball, die wohl nie erlischt. Er erinnert sich gut an seine ersten Jahre im heute gut 1000 Einwohner zählenden Hohenrodaer Ortsteil. 1955 war die Sportplatzeinweihung. Seit 1963 ist er im Verein. "Und ich hab' sofort ein Amt gehabt", schießt es fast aus ihm heraus. Er erzählt: "Ich bin in den Verein gegangen. Es war Jahreshauptversammlung. Und ich war gleich Schriftführer und Pressewart. Diese beiden Funktionen waren gekoppelt." Erster Vorsitzender damals: Karl-Heinz Straub.
Bredy erinnert sich: VfL Mansbach steigt 1963 in die Bezirksklasse auf
Die erste Mannschaft des VfL spielte in der A-Klasse Fulda-Nord, mit solch legendären Kräften wie Adolf Köhl oder Hans Pfann. Der Fußball rund um die "berühmt-berüchtigten Mauer um den Sportplatz" wurde angenommen. So kamen zum Beispiel 400 Zuschauer zum Spiel gegen Langenschwarz - auch daran erinnert sich Bredy. 1963 stieg der VfL Mansbach in die Bezirksklasse auf. Hans Nensel, einen "alten Kämpfer", nennt August Bredy stellvertretend als Spieler dieser Zeit. Nensel, der seit 2014 nicht mehr lebt, war der Bruder von Tobias Nensels Opa. Und Tobias? Das ist der heutige 2. Vorsitzende - er ist noch im besten Fußballer-Alter und kickt für die FSG Hohenroda in der Kreisoberliga. Auch im Fußball schließt sich der Kreis schneller, als man denkt.
Hochs und Tiefs gab es zur Genüge, wie in jedem Vereinsleben. Zu Hochs zählten etliche Meisterschaften, die den VfL von der B-Klasse bis in die Bezirksliga führten. "Es ging hoch und runter", schmunzelt Bredy heute. Unzählige Funktionen hatte er inne im Verein, unzählige Ämter bekleidete er, auch auf Kreis- und Verbandsebene - und er füllte sie mit Leben. Auf August Bredy war stets Verlass, stets stand er mit Rat und Tat zur Seite, stets suchte man ihn als Ansprechpartner. Nicht zuletzt beim VfL Mansbach war das so.
Bredy füllt vier Ämter gleichzeitig aus - in 15 Jahren. Alles in einer Hand

Der VfL Mansbach wird 1967 Meister der A-Klasse Fulda Nord. Er gewinnt das letzten Saisonspiel ...

1. Sportfest nach der Grenzöffnung in Pferdsdorf im Jahr 1990. Links Uwe Bredy ...
Was ihm all diese Zeit, in der er sich aufopferte, gegeben habe? "Fußball war ein Teil meines Lebens", sagt er, als sei es Gesetz. Und: Halten Sie sich fest, liebe Leser: "Es war eine lange Zeit, in der ich Geschäftsführer und Spielausschuss-Vorsitzender, Schriftführer und Pressewart war." Bredy präzisiert: "Diese vier Sachen habe ich 15 Jahre lang gemacht. Alles in einer Hand. Da habe ich den Verein praktisch organisiert in den 1970er-, 198080er-Jahren."
Was ihm die Zeit mit dem VfL Mansbach bedeutet habe? "Das hat einfach dazugehört und war ein Lebensinhalt für mich." Phasen, in denen er sich aufraffen musste, gab es nicht. "Ich habe es immer gern gemacht. Es hat mir Spaß und Freude bereitet. Sonst machst du das nicht 60 Jahre lang." Der Fußball habe ihn immer fasziniert. Auch, weil er nicht selbst spielen konnte. Seit einer Kinderlähmung in frühen Jahren ist er gehbehindert.
Und jetzt - nach genau 60 Jahren - ist Schluss. "Die machen ein Theater. Sie können sich das gar nicht vorstellen, dass ich mal aufhöre", bemerkt er. Es hört sich an, als ob August Bredy staunt. Schließlich hat sich der Verein in der jüngeren Vergangenheit auf ihn verlassen. Hat ihn und seine Arbeit wertgeschätzt. Hat es vielleicht auch verdrängt, dass der heute 82-Jährige irgendwann einmal tschüss sagen würde. Und der VfL einen Nachfolger aus dem Hut zaubern sollte.
"Eigentlich hatte ich schon drei-, viermal aufgehört. Vor zehn Jahren das erste Mal"

Der VfL Mansbach: Gewinner des Soisbergpokals 1994

A-Liga-Meister 2006 und Aufsteiger in die Bezirksliga Nord
Das ist so eine Geschichte mit dem Aufhören oder Loslassen. Für beide Seiten. "Eigentlich habe ich schon drei- oder viermal aufgehört. Vor zehn Jahren das erste Mal", schiebt Bredy nach. Doch jetzt es ist endgültig. "Es ist ja nicht so, dass ich das nicht will. Aber man wird auch vergesslich. Wenn ich Berichte schreibe, fällt mir es schwer, die richtige Formulierung zu finden." Zuletzt war er jahrelang Pressewart.
Ob seine Verabschiedung schon zum Sportfest, das jüngst zum 100-jährigen Bestehen des VfL Mansbach durchgeführt wurde, stattfinden sollte - das ist nicht überliefert. "Sie ist noch geplant. Der Zeitpunkt ist noch offen. Der Verein sucht noch nach einem Termin." Dabei ist er ja auch dann nicht aus der Welt. Noch immer ist er präsent bei den Spielen der FSG Hohenroda - egal ob auf eigenem Platz oder auswärts. Bredy plädierte einst für den Zusammenschluss, und heute sagt er: "Wir sind gut zusammengewachsen". Er freut er sich über das Miteinander.
"Mit 82 kann man ja auch aufhören. Ohne ein schlechtes Gewissen zu haben", betont er noch. Er wisse, "die im Verein bedauern das sehr". Und vielleicht sollte es sich der VfL Mansbach überlegen, August Bredy - anstatt der Nettigkeiten von Verbandsseite wie Aufenthalt in der Sportschule Grünberg, Brunch, Armbanduhr, dem Besuch eines Bundesliga- oder Länderspiels - ein kleines Denkmal zu setzen. Es muss ja nicht groß sein. (wk)
Zur Person

A-Liga-Meister 2010 und Aufsteiger in die Kreisoberliga Nord
AUGUST BREDY
ist seit 2018 verwitwet - bis dahin war er mit Anneliese verheiratet. Aus dem Hause stammen drei Kinder: Andrea, Hiltrud und Uwe. Der war einst ein veranlagter Kicker und hat heute beste Kontakte zu Manfred Schwabl, Ex-Bayern-Spieler und aktueller Präsident der SpVgg Unterhachning; dieser Tage war Uwe mit dem in die 3. Liga aufgestiegenen Verein als Betreuer im Trainingslager in Südtirol. August, sechsfacher Opa, ist seit 1963 Fan des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt - und auch dessen Mitglied. Er organisierte für den VfL Mansbach so manche Fahrt zu Bundesliga-Spielen in die Mainmetropole. Bredy arbeitete als Diplom-Verwaltungswirt beim Landratsamt in Bad Hersfeld.
Ehrenamtliche Tätigkeiten
Im Hessischen Fußballverband als Verbandsmitarbeiter
Auf Kreisebene
1968 bis 1970 Klassenleiter der Fußball-Reservegruppen I und II im Sportkreis Hünfeld
1987 bis 2002 Beisitzer im Kreis–Rechtsausschuss (KRA) des Kreises Hersfeld
In den letzten Jahren zweiter Stellvertreter des KRW
2002 bis 2015 Beisitzer im Kreissportgericht (KSG) Kreis Hersfeld-Rotenburg
2000 bis 2017 HFV Sportplatzbeauftragter Schenklengsfeld und Friedewald
Im VfL Mansbach
1963 bis 1967 Betreuer der1. Mannschaft
1963 bis 1995 Schriftführer
1963 bis 30. Juni 2023 Pressewart
1968 bis 1985 Spielausschuß-Vorsitzender
1977 bis 1979 Betreuer der D – Jugend
1978 bis 1995 Geschäftsführer
1990 bis 2017 Ehrenamtsbeauftragter
In der FSG Hohenroda
2006 bis 2017 Pressewart
In anderen Vereinen
1975 bis heute Tischtennisclub Mansbach - Gründungs-Miitglied
1980 bis heute DRK Mansbach - passives Mitglied
1990 bis 2016 Gefriergemeinschaft Mansbach (Auflösung 2016)
Schriftführer und Kassenwart
In der Kommunalpolitik
1970 bis 2001 18 Jahre Mitglied des Gemeindevorstandes Mansbach
ab 1970 in der Gemeindevertretung Hohenroda
Ehrungen durch den VfL Mansbach
1967 Silberne Vereinsehrennadel
1985 Goldene Vereinsehrennadel
2013 Ehrung für 50 Jahre Mitgliedschaft
Ehrungen durch den Hessischen Fußballverband
Als Vereinsmitarbeiter
1980 Große Verbandsehrennadel
Als Verbandsmitarbeiter
5. Juni 2004 Große Verdienstnadel
17. März 2012 Silberne Verbandsehrennadel
... sowie Ehrung durch den Landkreis Hersfeld-Rotenburg
18. März 2005 Auf dem Sportehrentag in Rotenburg: Sportplakette des Landkreises Hersfeld-Rotenburg +++