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Landrat Rudolf Marx hielt die Laudatio... - Fotos: Dieter Graulich

...und steckte Erwin Gerhardt das Bundesverdienstkreuz am Bande an

13.12.09 - Ulrichstein

40 Jahre kommunalpolitische Arbeit: Bundesverdienstkreuz für Erwin GERHARDT

„Erwin Gerhardt ist eine Persönlichkeit, die seit vielen Jahren im öffentlichen Leben steht. Er genießt hohe Wertschätzung in Ulrichstein, im Vogelsbergkreis und weit über die Kreisgrenzen hinaus. Er hat sich um das Gemeinwohl in besonderer Weise verdient gemacht. Sein jahrzehntelanges kommunalpolitisches Wirken wird jetzt mit der Verleihung des Bundesverdienst-kreuzes am Bande angemessen gewürdigt“, sagte Landrat Rudolf Marx am Freitagabend im Sitzungssaal des Rathauses.

In seiner Laudatio, im Rahmen der Stadtverordnetensitzung, betonte Marx, dass Erwin Gerhardt ein außergewöhnlicher Mann sei. 40 Jahre habe er sein Wissen und seine Tatkraft in den Dienst der Stadt Ulrichstein gestellt und die Geschicke der Stadt wesentlich mitgeprägt. Landrat Rudolf Marx skizzierte dann sehr detailliert den Werdegang des Ausgezeichneten. Beruflich hatte Gerhardt zunächst im elterlichen Landwirtschaftebetrieb mitgearbeitet, die Landwirtschaftschule besucht, als ständiger Vermessungsgehilfe im Kulturamt Alsfeld/Lauterbach gearbeitet und parallel einen Fernlehrgang zum Technischen Zeichner erfolgreich absolviert. Er war als Technischer Zeichner bei der Firma Holzmann Bau GmbH in Frankfurt am Main tätig, bis er 1964 als Technischer Angestellter in das Straßenbauamt Schotten wechselte. Dort absolvierte Gerhardt als Technischer Beamter in der Hessischen Straßenbauverwaltung die Laufbahnen für mittleren und gehobenen Dienst. Bis zu seinem Ausscheiden 2002 war er beim Straßenbauamt in Schotten beschäftigt.

Besondere Verdienste erwarb er sich auf kommunalpolitischer Ebene. Dem Eintritt in die SPD 1964 folgten zahlreiche Vorstandsfunktionen im SPD-Ortsverein Ulrichstein, etwa als Beisitzer, Vorsitzender und Schriftführer. Durch sein nachhaltiges und tatkräftiges Engagement habe Gerhardt gerade in den Aufbaujahren der Ulrichsteiner Sozialdemokratie entscheidende Beiträge für die Umsetzung sozialdemokratischer Kommunalpolitik geleistet. Seit 1968 war er Mitglied der Gemeindevertretung der ehemals selbständigen Stadt Ulrichstein. Nach der Gebietsreform im Jahre 1972 gehörte Gerhardt bis zum April 2008 ohne Unterbrechung der Stadtverordnetenversammlung der Stadt Ulrichstein an. Darüber hinaus übernahm er mit großem Engagement von 1972 bis 1977 und von 1981 bis April 2008 das Amt des Stadtverordnetenvorstehers der Stadt Ulrichstein, das er aus persönlichen Gründen im April 2008 niederlegte. Für zwei kürzere Zeiträume habe er auch als Nachrücker dem Kreistag des Vogelsbergkreises angehört.

Mit seiner außergewöhnlichen Tüchtigkeit, seiner Willensstärke und seinem Geschick setzte er sich als Parlamentsvorsteher auf den verschiedensten politischen Ebenen zum Wohl seiner Heimat ein, würdigte der Landrat in seiner Ansprache. Seine herausragenden Verdienste seien auch bereits mit Ehrungen bedacht worden: 1985 „Ehrenteller“ der Stadt Ulrichstein 1987 Ehrenbrief des Landes Hessen. Im Jahr 2000 wurde Gerhardt für sein 25-jähriges Jubiläum als - damals "dienstältester" hessischer - Stadtverordnetenvorsteher von der Arbeitsgemeinschaft der Parlamentsvorsitzenden im Hessischen Städte- und Gemeindebund geehrt. Die Stadt Ulrichstein ernannte ihn am 19. Dezember 2008 zum Ehrenstadtverordnetenvorsteher. Weitere Ehrenämter: 1968 bis 2001 ehrenamtliches Mitglied im Aufsichtsrat der Volksbank Ulrichstein eG, 2001 bis 2003 Aufsichtsratvorsitzender, von 1964 bis 1979 diverse Funktionen im Sportverein „Chattia“ 1921 e. V.

"Nach 12 Jahren hat erneut ein Bürger der Stadt das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen bekommen. Zuletzt war diese Ehre unserem früheren 1. Stadtrat und heutigen Ehren-Stadtrat Rudolf Scharmann zuteil", freute sich Bürgermeister Erwin Horst in seiner Rede. Horst wünschte sich, dass es besonders in der jüngeren Generation auch heute noch "Menschen vom Schlag eines Erwin Gerhardt" gäbe, die sich über Jahrzehnte hinweg jeder kommunalpolitischen Verantwortung stellten. In der Zeit als Parlamentsvorsteher sei er stets von allen Parteien mitgetragen worden. „Niemand ist frei von Vorurteilen; doch Deine Devise war immer die des Menschen, der auf einen Ausgleich bedacht war. Dein Hang zur Harmonie und zum Ausgleich, ging selbst mir dabei manchmal schon etwas zu weit. Dabei konntest Du aber auch gut zuhören und die Meinung anders denkender Kollegen stets respektieren“, betonte Horst. Diese Auszeichnung unterstreiche für den Geehrten noch einmal die Wertschätzung der breiten Öffentlichkeit und im Besonderen der Menschen dieser Stadt .

„Es spricht für unsere Demokratie, dass nicht nur Prominente, Stars, Wirtschaftskapitäne oder Politgrößen Orden erhalten, sondern dass auch die Verdienste der so genannten 'kleinen Leute' Anerkennung erfahren. Auch das bedeutet in einer Demokratie Gerechtigkeit“, sagte Stadtverordnetenvorsteher Heiko Müller. Im Namen von Stadtverordnetenversammlung, Magistrat und Verwaltung überreichte er dem Geehrten ein Präsent.

Erwin Gerhardt dankte abschließend für die hohe Ehrung und schilderte ein paar Eindrücke aus der Anfangszeit seiner kommunalpolitischen Tätigkeit. So seien eine Halle und ein Schwimmbad in Ulrichstein seine ersten Ziele gewesen. Beides sei verwirklicht worden. Mut machte er dem Stadtparlament, sich bei dem Problem Abwasser- und Wasserbescheide nicht "auseinander dividieren zu lassen". (gr)


Erinnerungsbild (v. links): Bürgermeister Erwin Horst, Landrat Rudolf Marx, der Ordensträger Erwin Gerhardt und Stadtverordnetenvorsteher Heiko Müller

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