Am morgigen Dienstag erwartet die Zuschauer im Biberacher BSZ ein "handfestes Duell" zweier Play-Off-Aspiranten mit einem gewissen Endspielcharakter für Apolonia & Co. Ungeachtet der tatsächlichen Qualitäten der Oberschwaben, wie sie etwa in der europäischen Königsklasse unter Beweis gestellt wurden, liegt die Mannschaft nach Abschluss der Vorrunde mit 8:10 Zählern auf Rang sechs und muss nun am Dienstag zum Angriff blasen, will man nochmals im Rennen um die vier begehrten Plätze mitmischen. Das Potenzial ist vorhanden aber der Druck groß. Die "Waldner-Truppe aus der Rhön" (der TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell) hat vor der Partie komfortable sechs Zähler Vorsprung vor dem Rivalen und die „Bank“ Wang Xi (FOTO: Hendrik Urbin) im Bordgepäck.
Im Fall eines Sieges wäre man von Ochsenhausen in dieser Runde jedenfalls nicht mehr zu gefährden. Acht Punkte in acht Spielen kann man im Fernduell mit einer Spitzenmannschaft nicht wettmachen. Sollte der Worst Case eintreten, könnten die TTF allenfalls noch den Versuch starten, aus dem Trio Saarbrücken/Grenzau/Frickenhausen zwei Kontrahenten hinaus zu kegeln - aber auch dazu dürfte man dann kaum mehr etwas verlieren.
In einem mitreißenden Duell zweier gleichwertiger Mannschaften unterlagen die Maberzeller am 27.12. den Ochsenhausenern in der Westfalenhalle 2:3 - trotz eines nicht bezwingbaren Wang Xi. Damals fehlte den Osthessen allerdings der inzwischen wieder hergestellte „Tischtennis-Mozart“ Waldner aufgrund einer Magen-Darm-Infektion. Man hat angesichts der Tabellensituation keinen übermächtigen Druck, brennt aber auf Revanche für das Final Four - auf dem Papier erscheint diese Konstellation günstig für Fulda und weniger glücklich für Ochsenhausen. Aber - fünf Euro ins Phrasenschwein! - was einzig und allein zählt, spielt sich am Dienstag ab 19:30 Uhr am Tisch ab und nicht vorher in den Köpfen von Sportjournalisten und Hobbypsychologen.
In Ochsenhausen sieht man die Lage realistisch, weiß dass es sich um ein Schlüsselspiel handelt und redet nicht um den heißen Brei herum - übertrieben pessimistisch ist man deswegen aber noch lange nicht, zumal der Hanauer Überraschungscoup in Grenzau die eigene Situation ein wenig verbessert hat. „Unsere Mannschaft ist sehr gut vorbereitet und wir müssen und werden dieses Spiel gewinnen“, ist TTF-Manager Kristijan Pejinovic überzeugt. Rainer Ihle weiß, dass letztlich nur eigene Siege zählen: „Das Ergebnis des Nachholspiels in Grenzau hat uns natürlich in die Karten gespielt, aber nun sind wir selbst am Zug. Bei einem Erfolg wären wir wieder bei der Musik und könnten eine Serie starten.“
Ochsenhausens Präsident zeigt großen Respekt vor Fuldas Defensivass Wang Xi und hofft, dass es endlich einem seiner Akteure gelingen möge, den am 1. Januar 26 Jahre alt gewordenen Chinesen zu knacken: „Das ist ein phantastischer Spieler, der fast keine Blöße zeigt. Dennoch wird es mal Zeit, dass einer unserer Spieler gegen Wang Xi gewinnt. Egal wer.“ Einen Seitenhieb auf die ITTF mochte sich Ihle indes nicht verkneifen: „Chuang kommt erst am Montag vom Pro-Tour-Finale aus Macao zurück. So macht der Verband die Vereine kaputt.“ Chuang hatte bei den Grand Finals übrigens im Achtelfinale in fünf Sätzen gegen den Chinesen Hao Shuai die Segel streichen müssen.
Claus-Dieter Schad sieht dem Duell mit Spannung entgegen: „Wir freuen uns auf die Neuauflage des Halbfinales des Final Four. Nachdem uns in Dormund ein klein wenig das Glück gefehlt hat - immerhin hatte Robert Svensson das Match im fünften Satz gegen Crisan beim Stande von 6:4 eigentlich schon in der Hand - sollte es dieses Mal umgekehrt ausgehen. Es treffen zwei absolute Top-Teams aufeinander, Spannung pur ist angesagt. Es wird wieder extrem enge Spiele geben.“
Fuldas Vizepräsident analysiert die Ausgangslage: „Für Ochsenhausen geht es um unglaublich viel, bei einer Niederlage hätte man schon acht Punkte Rückstand zum zweiten Tabellenplatz. Wir haben zwar momentan ein kleines Play-Off-Polster, aber unsere Jungs dürfen auf keinen Fall nachlassen, unsere Position ist keinesfalls so sicher, wie es der zweite Tabellenplatz vermuten lässt.“ Schad untermauert dies mit dem Blick auf den Fuldaer Spielplan der nächsten Wochen: „Wir haben ein extrem schweres Jahresauftaktprogramm: Kurz hintereinander Ochsenhausen, Saarbrücken, Plüderhausen und dann Düsseldorf. Selbst die Jülicher sind am kommenden Freitag in unserer Wilmingtonhalle in ihrem Abstiegskampf nicht zu unterschätzen. Bei diesem „Höllenprogramm“ käme uns ein Auftaktsieg gegen Ochsenhausen schon ganz gelegen.“ (DTTL/Roscher). +++