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Präsentieren eine Kopie des Jestaedt-Planes (von links): Thomas Heiler (Kulturamt Fulda), Holger Gräf (HIL), Johannes Kistenich-Zerfaß (Staatsarchiv Marburg), Niklas Alt, Philipp Peter (beide HIL) und Gerhard Möller (Fuldaer Geschichtsverein). - Fotos: Geschichtsverein Fulda

FULDA Historischer Schatz

Weihnachtsgeschenk für Historiker: Jestaedt-Plan restauriert und digitalisiert

13.12.24 - Er ist ein historischer Schatz – und jetzt aufbereitet worden für die Zukunft: der sogenannte Jestaedt-Plan. Diese Katasteraufnahme, die die Stadt Fulda vor rund 300 Jahren zeigt, ist aufwendig restauriert und digitalisiert worden. Durch die Restaurierung ergeben sich auch neue Ansätze für die Heimatforschung.

Plan vor der Restaurierung.

Der Jestaedt-Plan gehört zu den bekanntesten Dokumenten der Fuldaer Stadtgeschichte und ist bis heute für die historische Forschung wie auch für die Architekten und die Denkmalpfleger eine unverzichtbare Quelle für die frühe Stadtentwicklung. Er wurde im Auftrag des Fuldaer Fürstabtes 1727 erstellt, um die Grundsteuer festzusetzen – deswegen beinhaltet der Plan alle bebauten und unbebauten Grundstücke in der Stadt detailgetreu. Über die Jahrhunderte ist der Plan allerdings in einen bemitleidenswerten Zustand geraten: Das Papier war nur noch lose mit dem Leinengewebe verbunden, etliche Stellen waren zerfleddert und kaum noch zu erkennen.

Aufbewahung im Marburger Staatsarchiv

Die Stadt Fulda wollte den Plan erhalten – und hat ihn deshalb durch eine Essener Spezialfirma restaurieren lassen. Das restaurierte Exemplar wurde vor Kurzem bei einer Veranstaltung des Fuldaer Geschichtsvereins gezeigt. Das Kanzlerpalais war vollbesetzt, zahlreiche Menschen drängten sich um die Karte und machten Fotos davon. "Es hätte für uns kein schöneres Weihnachtsgeschenk geben können", freute sich Fuldas Kulturamtsleiter Dr. Thomas Heiler. Er erklärte, warum der Plan gar nicht in der Barockstadt, sondern im Staatsarchiv in Marburg aufbewahrt wird: "Die Fürstabtei Fulda war eine Landesherrschaft, das Kataster war also eine staatliche Unterlage. Deswegen ist es seit 1875 in Marburg." Ebenso erläuterte Heiler, woher der Plan seinen Namen hat: Der Fuldaer Vermessungsingenieur Dr. Aloys Jestaedt (1890-1976) habe den Plan 1936 kopiert, die Forschung habe seither fast ausschließlich mit der Kopie gearbeitet, da das Original in so schlechtem Zustand war.

Wieso war der Plan überhaupt derart beschädigt? "Die 1,40 Meter hohe und 1,70 Meter breite Karte war in der Barockzeit Verwaltungsschriftgut, sie wurde intensiv genutzt und immer wieder gefaltet und geknickt", antwortete Dr. Johannes Kistenich-Zerfaß, Leiter des Staatsarchivs Marburg. Vermutlich sei der Plan schon mit diesen Schäden ins Archiv gekommen. Die Instandsetzung habe fast ein halbes Jahr gedauert, mit dem Ergebnis könne man aber sehr zufrieden sein.

Ins gleiche Horn stieß Professor Dr. Holger Th. Gräf vom Hessischen Institut für Landesgeschichte (HIL): "Das ist eine Win-Win-Situation für alle." Der Jestaedt-Plan sei ein Glücksfall: "Normalerweise sind historische Stiche die ältesten Zeugnisse einer Stadtansicht. Stiche sind aber meist rudimentär gehalten, es geht dabei oft um das Image, etwa wenn bestimmte Gebäude besonders groß dargestellt werden. Eine Detailansicht einzelner Häuser ist nicht möglich. Das ist beim Jestaedt-Plan anders." Darin sei jedes Haus, das 1727 gestanden hat, verzeichnet und sogar mit Maßstäben versehen.

Plan nach der Restaurierung.

Öffentliche Nutzung durch Digitalisierung möglich

Niklas Alt und Philipp Peter vom HIL stellten anschließend vor, wie die Karte digitalisiert wurde und nun öffentlich genutzt werden kann. Der Jestaedt-Plan ist in das sogenannte Urkataster+ des Instituts integriert worden. Darin lassen sich die Stadtpläne Fuldas von 1727, 1840, 1937 und heute übereinanderlegen und vergleichen. Somit könne man Wandel, den eine Stadt durch die Jahrhunderte durchmacht, erfahrbar machen. Das Urkataster ist auf der Homepage des HIL unter www.lagis-hessen.de/maps/urkataster-plus/ einsehbar. Zudem sei ein digitales Gebäudebuch der Stadt Fulda in Planung.

Durch die Restaurierung der Karte ergäben sich auch neue Ansätze für die Forschung, erklärten die Experten. Denn durch die Instandsetzung sind zum Beispiel Hausnummern und Grundstücksgrenzen, die Aloys Jestaedt aufgrund der Beschädigungen nicht kennen konnte, deutlicher geworden. Und: Auf der Rückseite des Plans sind Zeichnungen von Gebäuden entdeckt worden, bei denen noch nicht klar ist, um welche es sich handelt. Der restaurierte Jestaedt-Plan ist nun wieder zurück im Staatsarchiv Marburg, wo er die nächsten Jahrhunderte sicher aufbewahrt werden kann. Dank der Digitalisierung ist er aber jederzeit für jeden öffentlich zugänglich. (pm/cdg) +++


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