
Bürokratie in Hochform: DRK muss Monate auf Zulassung warten
30.03.25 - Dass Deutschland ein Bürokratie-Problem hat, ist klar. Jetzt macht auch der Landkreis Fulda in dieser Disziplin von sich reden. Eigentlich hätte das neue Führungsfahrzeug des "Ersten Sanitätszugs" des Deutschen Roten Kreuz (DRK) längst in Betrieb genommen werden müssen. Seit dem April 2024 steht es in Fulda. Nur die Zulassung lässt auf sich warten. Seit Monaten. Einen Lichtblick gibt es allerdings: Im Landratsamt ist die Zulassung jetzt Chefsache - in der nächsten Woche soll endlich die Zulassung erteilt werden.
Das neue Fahrzeug soll den Katastrophen- und Zivilschutz in der Region in die Zukunft bringen - mit Allrad und Achtganggetriebe. Auf dem Dach verfügt der Neuzugang über eine Fotovoltaik-Anlage, im Inneren steckt eine immense Batterie, die auch bei 230 Volt Geräte laden kann. So soll das Fahrzeug im Krisenfall auch über längere Einsätze autark agieren können.
Johannes Rippert ist Vorsitzender des DRK-Ortsvereins Marbach in Petersberg (Landkreis Fulda). "Pandemie, Ahrtal, Krieg - in schwierigen Zeiten haben wir uns hingesetzt, einen Plan gemacht und dieses neue Fahrzeug angepackt", berichtet er. Am 14. Juli 2022 habe man dann die Bestellunterlagen unterzeichnet. Mehrere verschobene Liefertermine später sei das Fahrzeug dann im April 2024 endlich eingetroffen. Es fehle nur noch die Zulassung.
"Bürokratie ist die Kunst, das Mögliche unmöglich zu machen"
Am 27. Januar dieses Jahres habe man die jetzt angegangen. Zuvor war das Fahrzeug weiter ausgestattet worden. Zuvor habe er schon versucht, zu erörtern, welche Papiere es für die Zulassung brauche. Mit denen im Gepäck sei er in der Zulassungsstelle des Landkreises Fulda vorstellig geworden. "Nach einer halben Stunde bin ich dann unverrichteter Dinge wieder gefahren", konstatiert Rippert. "Bürokratie ist die Kunst, das Mögliche unmöglich zu machen", schimpft er und fügt an: "Als Hilfsorganisationen gegen so eine Wand zu laufen, das ist das Letzte, was unser Land braucht".Nach vielen Hürden und einem wahren Behörden-Marathon sei man jetzt bei der Chef-Etage im Landratsamt angekommen. Hier habe man zugesagt, sich des Themas persönlich anzunehmen. In der nächsten Woche werde jetzt wohl die Zulassung erfolgen. Bei den DRK-Ehrenamtlichen löst das nur noch ein müdes Lachen aus. Das Fahrzeug hat man jetzt am Samstag ohne die Landkreis-Plakette eingeweiht.
"Man hatte sich in den Traum des ewigen Friedens verliebt"
Brigitte Wettengel ist Vize-Präsidentin des DRK-Landesverbands Hessen und zur Indienststellung extra nach Marbach gekommen. "Ich freue mich immer wieder zu sehen, wie viel tolle Arbeit in den Ortsverbänden geleistet wird", erklärte sie. Dann schlägt Wettengel einen ernsteren Ton an. "Man hatte sich in den Traum des ewigen Friedens verliebt. Das hat sich geändert. Wir haben in Deutschland keinerlei Schutzräume, anders als unsere europäischen Nachbarn. Das muss sich ändern", fordert sie.Petersbergs Bürgermeisterin Claudia Brandes hatte sich vehement für die DRK-Kräfte starkgemacht, als sie von der Fahrzeug-Miesere erfuhr. Dafür dankte Rippert ihr ausdrücklich. Die erwiderte: "Was hier passiert ist, beziehungsweise nicht passiert ist, tut mir für euch als Ehrenamtliche außerordentlich leid. Katastrophenschutz ist eigentlich Landkreisaufgabe, ihr habt es aber angepackt. Danke, dass ihr nicht das Handtuch geworfen habt. Ich bin davon überzeugt, dass unsere Gesellschaft von diesem Engagement lebt. Ob mit oder ohne Plakette - wir haben immerhin schonmal das Fahrzeug hier auf dem Hof."
DRK geht bei Zeitenwende voran
Dr. Andreas Opitz, Vizepräsident des DRK-Kreisverbands Fulda machte klar: "Der Kanzler hat zwar Zeitenwende gesagt, aber wir müssen es in unseren Köpfen umsetzen". Dabei geht das DRK voran. Unterstützt durch den Kreisverband, hat der Ortsverband das Fahrzeug mit eigenen Mitteln gekauft. Auch andere Ortsverbände betätigen sich in dieser Weise, wie Vorstandsvorsitzender Christoph Schwab berichtet. "Da dürfen wir bald einiges vorstellen. Die Fahrzeuge sind aufeinander abgestimmt. Denn: Im Ernstfall stehen wir alle zusammen".Begrüßt wurde das neue Fahrzeug auch von den Feuerwehrkameraden und einem Entsandten des Landkreises Fulda. Christian Diederich, Sachbearbeiter Katastrophenschutz vom Fachdienst Gefahrenabwehr bot den DRK-Engagierten an: "Wenn so etwas ansteht, können Sie gerne auch vorab mit uns Kontakt aufnehmen. Wir unterstützen Sie dann". Weiterhin freute sich auch der Ortsvorsteher Christof Stock über das neue Fahrzeug. (Moritz Bindwald) +++