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Einmal Bürgermeister sein: die Klasse 6B der Winfriedschule kamen diesem Wunsch am Donnerstagabend ein Stück näher. - Fotos: Henrik Schmitt

FULDA "Format ist Ideenschmiede für Stadt"

Kleine Demokraten befragen Bürgermeister Wehner

06.06.25 - Einmal Bürgermeister sein: die Klasse 6B der Winfriedschule kamen diesem Wunsch am Donnerstagabend ein Stück näher. Im Rahmen von "Talk am Berg" im Flora Café am Frauenberg, in Fulda das schon zum dritten Mal vom Kinderschutzbund organisiert wurde, konnten sich die Unterstufen-Schüler einmal wie Politiker fühlen und Bürgermeister Dag Wehner mit Fragen zu Jugendräumen, Verbesserungen des Rosenbads und vielem mehr, löchern.

Wenn Angelina und Mila Bürgermeister wären, würden sie Jugendlichen durch Jugendräume gerne mehr Aufenthaltsmöglichkeiten bieten. Der Bürgermeister erklärte dazu: "Wir haben sieben Jugendtreffs in der Kernstadt verteilt und auch in den anderen Teilen gibt es Angebote, die sehr gut angenommen werden." In diesen Jugendräumen sei vor allem eines wichtig, wie er betonte: "Im Rahmen von der Bauplanung ist es uns sehr wichtig, die Jugendlichen aktiv miteinzubinden. Ein aktuelles Beispiel ist der neue Spielplatz in Lehnerz: da kommt nichts von der Stange. Die Ideen der Kinder werden von den Fachfirmen direkt umgesetzt."

Fuldas Bürgermeister Dag Wehner

Jugendparlamente? Der Bürgermeister ist kein Fan

Während die einen sich für Jugendräume interessieren, wollen andere aktiv mitentscheiden. Jasmin und Neele haben sich deswegen gefragt, warum es in Fulda kein Jugendparlament gäbe. "Ein solches Parlament ist nach unserer Beurteilung ein eher starres Format. Deswegen haben wir uns ganz bewusst gegen das Parlament und für das Jugendforum entschieden", erklärte Wehner. Der ausschlaggebende Punkt sei dabei die einfachere Teilnahmemöglichkeit. "In den Parlamenten gibt es oft langweilig Sitzungen und man muss gewählt werden. Beim Jugendforum kann jeder mitmachen."

Auch der neue Skatepark in den Fulda Auen beschäftigt die jungen Demokraten. Felix, Noel, Marvin und Amon haben sich gefragt, ob man diesen vor der Eröffnung noch mit Laternen, Putz- und Werkzeug optimieren könnte. Wehner musste dabei schmunzeln. "Da wisst ihr schon mehr als ich", musste er zugeben. Umsetzbar seien die Vorschläge zwar schon, aber er gab zu bedenken, dass viel Vandalismus herrsche. "Leider ist alles Nützliche auch für Vandalismus immer wieder anfällig, aber ich werde die Vorschläge auf jeden Fall trotzdem weitergeben."

Ebenfalls abgelehnt: kostenfreie Schülerbeförderung für alle

Wenn Ava, Alisiia oder Johanna Bürgermeisterin wären, würden sie gerne allen Kindern das Schülerticket zur Verfügung stellen und nicht nur denen, die mehr als drei Kilometer von der Schule entfernt wohnen. Auch dazu hatte Wehner eine klare Meinung: "Die Schülerbeförderung ist, was die Kosten angeht, ein riesengroßes Thema. Das 365-Euro-Ticket war schon ein Riesen-Ding, aber was vielen nicht bewusst ist: das Defizit zahlen die Kommunen." Wenn man jedem ein Ticket zur Verfügung stellen würde, seien die doppelte oder dreifache Menge an Bussen und Arbeitskräften notwendig. "Das Geld und der Fachkräftemangel machen deine Idee leider unfinanzierbar", musste er zugeben.

Auch das Thema Radwege ist ein viel-diskutiertes Thema. Da kommt es nicht von ungefähr, dass sich auch kleine Radfahrer mit dem Thema befassen. Effe, Philipp und Johnny wollten wissen, warum nicht viel für neue Radwege getan werde, obwohl immer wieder Unfälle passieren. Sie machten auch sogleich einen Vorschlag: Tempo 30 in der Innenstadt, um Fahrradfahrer zu schützen. "Der Radbau hat hohe Priorität und wir stellen immer wieder viel Geld dafür zur Verfügung", erklärte er, "Es muss aber nicht nur die Straße an sich, sondern auch die Leitungen darunter betrachtet werden. Wenn diese erst vor wenigen Jahren erneuert wurden, macht das die Erneuerung kostentechnisch unmöglich."

Falsche Zuständigkeit, aber der Austausch klappt

Viele Schüler wünschen sich auch während der Pausenzeiten gute Spielmöglichkeiten auf dem Schulhof. Noah und Tristan sind abei aufgefallen, dass es am Pausenhof der Winfriedschule kaum Spielmöglichkeiten gibt, während der Hof der Steinschule viele Spielangebote biete. Warum das so ist, fragten sie sogleich den Bürgermeister. Und dieser hatte auch eine schnelle Antwort parat: "Das liegt ganz einfach an der Zuständigkeit. An der Steinschule ist die Stadt der Träger, für eure Schule ist der Landkreis zuständig. Aber ich gebe euer Anliegen gerne weiter."

Für viele Fußballer sei ein passender Platz zum Kicken besonders wichtig. Samuel, Anton und Youssef schlugen deswegen vor, dass die Stadt im Innenstadtbereich einen Fußballkäfig bauen könnte, damit dieser auch ohne Vereinszugehörigkeit von allen genutzt werden kann. "Ein Käfig für Kinder ist wirklich ein kurioser Gedanke", schmunzelte er, "Leider haben wir da auch wieder das Problem von Vandalismus. Wenn dieser Käfig rund um die Uhr geöffnet ist, wird es erfahrungsgemäß irgendwann leider dazukommen."

Auch die Wünsche zum Rosenbad sind nicht umsetzbar

Auch die letzte Frage drehte sich um den Sport, aber dies als um den Sport im Wasser. Eliah, Saad und Leon haben sich gefragt, warum man im Rosenbad nicht ein Becken heizen könnte und ob ermäßigte Eintrittspreise für Gruppen möglich seien. Auch diese Frage habe Wehner schon zuhauf gehört. "Unsere oberste Priorität ist es, alle Bäder offenzulassen. Ein Becken zu heizen, kostet wieder viel Geld. Die Betreibung unserer drei Bäder kostet uns schon so 2,2 Millionen und ist eine enorme Belastung", gab er zu Bedenken.

Zum Ende der Fragerunde hatte der Bürgermeister noch ein Anliegen: "Ich hoffe, wir konnten den ein oder anderen durch diese Veranstaltung für unser Jugendforum gewinnen. Beteiligt euch gerne dort und wer weiß, vielleicht geht ihr auch irgendwann mal den Weg in die Stadtpolitik. Bitte bringt euch weiterhin auf verschiedenen Ebenen ein." (Anna Weißenberger) +++


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