14.06.25 - Was lange währt, wird endlich gut: Nach Jahren voller Planen, Hoffen, Zweifeln und der ein oder anderen "schlaflosen Nacht" war es am Freitag endlich so weit. Das Familienunternehmen Gies aus Großenlüder konnte – etwas verspätet – die langersehnte Eröffnung seines Neubaus direkt am Ortseingang von Großenlüder feiern.
Zahlreiche Gäste aus Politik, Kirche und Gemeinde gratulierten dem Betrieb herzlich zu diesem Meilenstein und fanden lobende Worte für Hans-Georg Gies und seine ganze Familie.

Monika Gies und Hans Georg Gies

Marco Auth moderierte die Veranstaltung
Vom Ortskern an den Ortsrand
Zurück ins Jahr 1929: Karl Gies, Gründer der Fleischerei und Großvater von Hans-Georg Gies, erwarb das Gebäude in Großenlüders Ortsmitte "In der Burg" und begann, die ersten Fleischprodukte vor Ort zu verkaufen. Nachdem Sohn Rudi Gies in das Unternehmen eingestiegen war, wurden erste Umbauarbeiten vorgenommen, und der Betrieb wuchs stetig. Der Einstieg von Hans-Georg Gies habe dann einen Wendepunkt dargestellt, wie er selbst berichtete: "Es wurde immer enger und in den alten Gemäuern wurde es außerdem schwieriger, die geltenden Hygieneregelungen einzuhalten. Vor zwölf Jahren kam das erste Mal der Wunsch nach einem Neubau auf, aber woher sollten wir das Geld nehmen?"
Ihren Wunsch haben Hans-Georg und Monika Gies nie aufgegeben. Mit dem Einstieg der beiden Söhne Maximilian und Leonard Gies war die Unternehmensnachfolge gesichert und es stand fest: Der Familienbetrieb bekommt ein neues Zuhause.

Tochter Hannah-Rebecca Gies
"Weiterführen ist Ehrensache"
Bei Leonard Gies waren die Zweifel anfangs groß. "Ich war noch in der Ausbildung, da haben mich meine Eltern gefragt, ob ich mit Maximilian weitermachen will. Das war eine schwere Entscheidung, denn man merkt erst mit der Zeit, was da alles dranhängt", erinnert sich der jüngste Sohn zurück. "Trotzdem stand dann für mich fest: Mein Bruder und ich sind die Zukunft dieser Fleischerei und sie weiterzuführen, ist Ehrensache."
Gies setzt auf Nachhaltigkeit
Am 31. August 2022 war es schließlich so weit: Der Grundstein für die neue Fleischerei wurde gelegt. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten sei der Bau reibungslos verlaufen, wie Hans-Georg Gies erklärte: "Wir hatten anfangs viel mit Gegenwind zu kämpfen, aber die Gemeinde hat uns immer unterstützt und der ehemalige Bürgermeister hat uns sogar ein Sondergebiet ausgewiesen." Damit die Belastung für die Anwohner nicht zu stark ausfällt, habe man sich bewusst für umweltfreundliche Geräte im Rauchabzugs- und Kältesystem entschieden. Auch der benötigte Strom werde von der eigenen Photovoltaikanlage produziert.
Als Fleischerei, die ihr Fleisch ausschließlich aus der Region bezieht, sei außerdem klar gewesen: Der Neubau sollte durch regionale Unternehmen erfolgen. "Von den knapp acht Millionen Euro gingen sechs Millionen an Firmen in der Region. Darauf haben wir großen Wert gelegt", erklärte er.

Sohn Maximilian Gies

Sohn Leonard Gies
Mehrere Tonnen pro Woche
Vor rund einem Jahr wurde der Neubau in Betrieb genommen. Seitdem verarbeiten zwölf Mitarbeiter 75 Schweine und drei Rinder zu neun bis elf Tonnen Fleisch pro Woche. Moderne Maschinen erleichtern laut Gies die Arbeit: "Wir haben jetzt alles auf einer Ebene und durch die neuen Maschinen wurde die Arbeit einfacher und ist körperlich nicht mehr ganz so anstrengend." Monika Gies verriet außerdem, dass im April, Mai und Juni ein Produkt besonders oft über die Produktionsflächen geht: "In den Monaten rund um den Vatertag produzieren wir 6.500 Flurgönder. Die Nachfrage ist da wirklich groß."
Brand, Hering, Woide und Fritzsch gratulieren
Auch die Vertreter der Politik freuten sich über den "Meilenstein" der Familie Gies, wie Hering den Neubau bezeichnete, und lobten die Familie in den höchsten Tönen. "Wenn man wissen will, wie deutsche Familienunternehmen funktionieren, ist man hier gut aufgehoben", äußerte Staatssekretär und Bundestagsabgeordneter Michael Brand. "Herzlichen Dank für die Leistung über Generationen, Regionalität und gute Produkte." Er ist sich sicher: "Die vorangegangenen Generationen der Familie Gies blicken heute stolz von oben hier runter."
Auch das Regierungspräsidium Gießen, der Vorstand der Raiffeisenbank im Fuldaer Land e. V., die Kreishandwerkerschaft, die Fleischerinnung, das Steuerbüro Otterbein und Partner sowie Veit Küllmer, als Unternehmer und Freund der Familie, überbrachten herzliche Glückwünsche. Landtagsabgeordneter Thomas Hering lobte den Einsatz der Familie besonders: "Das Unternehmen Gies ist eine große Familie, die sich treu geblieben ist. Hier wird Tradition und Nähe gelebt. Dafür bedanke ich mich herzlich."

Alle Fotos: Martin Engel

Grußworte von Michael Brand,
"Sichtbares Zeichen der Heimatverbundenheit"
"Ihr hättet 1.000 gute Gründe gehabt, diese Investition nicht zu wagen", begann Landrat Bernd Woide, "aber durch Vertrauen in euer eigenes Know-how und in die Tradition habt ihr das hier möglich gemacht. Dazu darf ich herzlich gratulieren."
Auch Großenlüders Bürgermeister Florian Fritzsch freute sich über die Einweihung: "Mit diesem Neubau habt ihr ein sichtbares Zeichen der Heimatverbundenheit und des Vertrauens zur Gemeinde Großenlüder gesetzt." Im Folgenden lobte er außerdem die verantwortungsvolle Arbeitsweise des Familienbetriebs und kam zu dem Schluss: "Die Familie Gies zeigt: Das Handwerk hat Zukunft." (Anna Weißenberger) +++