12.07.25 - Ein Solarpark direkt vor der Haustür? Nicht mit Kämmerzell. Der Stadtteil mit mittlerweile über 800 Einwohnern sprach sich in den letzten Monaten klar gegen den geplanten Bau des Solarparks in unmittelbarer Nähe der Wohnhäuser. Auch die CDU-Fraktion teilte nach der Prüfung die Meinung der Anwohner und lud nun am Freitagabend vor Ort zur CDU Stadtteilbegehung ein.
Über 100 Teilnehmer waren gekommen und zeigten: die Begehung und der damit verbundene Dialog mit Oberbürgermeister und Stadtbaurat waren längst überfällig.
Schon einige Minuten vor dem Start hatten sich zahlreiche Kämmerzeller vor dem ortseigenen Feuerwehrhaus versammelt und diskutierten über die anstehende Begehung. Schnell wurde klar: der Solarpark beschäftigt die Kämmerzeller sehr.

Fuldas Stadtbaurat Daniel Schreiner.

Ortsvorsteher Christian Ruppel.

Architekt Benjamin Kropp.
Belastung der Anwohner zu groß
Nach einer kurzen Begrüßung durch die Fraktionsvorsitzende Patricia Fehrmann ging es schon zur ersten und wichtigsten Station, nämlich zu der Fläche, auf der der Solarpark entstehen sollte. Betont wurde dabei das Wort ‚sollte‘, denn nach langen, konstruktiven Gesprächen zwischen Ortsbeirat und Stadt sei man zu dem Entschluss gekommen, dass das Projekt erneut überprüft werde, um gemeinsam eine tragfähige Alternative zu entwickeln. "Die CDU-Fraktion ist sich einig, dass die Belastung der Bewohner von Ort zu groß ist. Jetzt gilt es, mit Kämmerzell zusammenzuarbeiten, um einen geeigneteren Standort zu finden", erklärte Fehrmann.
Ortsvorsteher Christian Ruppel war es deswegen auch ein Anliegen, die Zusammenarbeit mit der Stadt zu loben, denn er betonte: "Rechtlich und fachlich spricht nichts gegen den Bau des Solarparks. Aus optischen und emotionalen Gründen stellt sich Kämmerzell gegen die Planung. Dass die Stadt uns so entgegenkommt, ist nicht selbstverständlich."

Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld.
Chancen für Bewohner
Für Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld sei der Solarpark vor allem ein wichtiger Schritt in Richtung der erneuerbaren Energien. Auf die Frage eines Bewohners, ob überhaupt der Bedarf an der Anlage in Kämmerzell bestehe, antwortete er: "Das ist eher eine gesamtwirtschaftliche Frage. Wenn es so ist, dass wir zur Windkraft nichts beitragen können, müssen wir andere Projekte mit erneuerbaren Energien vorantreiben. Es besteht generell ein hoher Bedarf an erneuerbarer Energie in Fulda. In Kämmerzell selber wurde dieser aber nicht betrachtet, weil der Bedarf auf das ganze Stadtgebiet gesehen werden muss."
Der Oberbürgermeister betonte aber auch die Möglichkeiten, die ein solcher Solarpark den Bewohnern bieten würde: "Bei fossilen Energien hatte man immer wenig Chancen auf Teilhabe. Durch den Solarpark könnten Haushalte an das Nahwärmenetz gebunden werden und davon profitieren."
Auch die Möglichkeit, günstig Strom zu beziehen, stellte Wingenfeld in Aussicht: "Ich sehe das als Anreiz. Es ist ganz im Sinne der Akzeptanz, dass die Anwohner hier davon profitieren. Die Chancen, die dieser Solarpark bietet, sind leider nicht aktiv genug kommuniziert worden."

Die ursprüngliche Fläche des Solarparks.
Neues Bürgerhaus feiert im August Eröffnung
Die Stadtteilbegehung führte die Besucher auch "zum Highlight", wie es Fehrmann bezeichnete, denn nach der Sichtung der Fläche für den Solarpark ging es zum renovierten Bürgerhaus, das sich in der Fertigstellung befindet. "Das Bürgerhaus wurde lange als Schule genutzt und zuletzt in 1979 umgebaut. Es waren noch alte Fenster vorhanden und auch Barrierefreiheit war hier ein Fremdwort", erzählte Stadtbaurat Daniel Schreiner, "Irgendwann kam eine Anfrage, ob eine Erweiterung für den Musikverein möglich wäre. Das wäre wahrscheinlich dann eher so ein Garagenanbau geworden, deswegen haben wir den Entschluss zur Modernisierung gefasst."
Daraufhin wurde Benjamin Kropp, mittlerweile auch Stadtverordneter, als Architekt beauftragt. Dieser gab sogleich auch einen Einblick in den Umbau: "2019 wurden wir mit der Planung beauftragt, Mitte 2023 konnte dann der Bau beginnen. Der Bestandsbau stellte uns vor einige Herausforderungen, denn die Statikdokumente für den Teil mit der Bühne waren nicht mehr auffindbar. Aber wir haben trotzdem eine Lösung gefunden."
Das neue Bürgerhaus hat nun eine L-Form, die aus einem großen und einem kleinen Saal besteht. Mit drei Wärmepumpen, einer modernen Lüftungsanlage und Fußbodenheizung im großen Saal erfülle sie alle Kriterien an einen zeitgemäßen Bau. "Am Bau waren zehn Ingenieurbüros und 25 ausführende Firmen beteiligt, drei davon sogar aus Kämmerzell selbst", äußerte Kropp.
2027 können erste Bauplätze vergeben werden
Die letzte Station führte die Besucher zum Neubaugebiet "Nördliche Pfingstweide". Nachdem der Stadtbaurat die Planung des Gebiets erläutert hat, betonte er: "Nächstes Jahr wird die abwassertechnische Erschließung stattfinden, damit danach die Baustraßen angelegt werden können. Ab 2027 können dann Bauplätze vergeben werden. Dabei werden natürlich auch die Einheimischen berücksichtigt."
Zum Abschluss klang der Abend an der Streuobstwiese gemütlich aus.