22.07.25 - In Heringen (Werra) rumort es aktuell zwischen dem Jugendforum und der Stadtpolitik mit Bürgermeister Daniel Iliev (SPD) an der Spitze. Im Kern kritisieren sowohl Linus Winter als Vorsitzender des Jugendforums als auch der Rathauschef eine mangelnde Kommunikation.
Winter hatte sich mit einem Statement an die Presse gewandt.

Linus Winter ist Vorsitzender des Jugendforums in Heringen (Werra) Foto: privat
Nach Ansicht der Mitglieder sei die Arbeit des Jugendbeirats seit Beginn von unzureichender und oft ausbleibender Kommunikation geprägt gewesen. Trotz großer Bereitschaft, sich einzubringen, habe es während der gesamten Amtszeit nach Einschätzung des Gremiums keine ernsthafte Einbindung in Themen gegeben, die besonders junge Menschen betreffen würden. "In der Öffentlichkeit wurde gerade auch vom Bürgermeister der Eindruck vermittelt, dass die politische Jugendarbeit gut funktioniere. Nach unserer Einschätzung sieht die Realität leider ganz anders aus: Wir halten die Jugendarbeit der Stadt und die Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister für gescheitert – und mit ihr auch den Jugendbeirat", schreibt der Nachwuchs in der Pressemitteilung.
Der kritisierte Bürgermeister erklärte auf OSTHESSEN|NEWS-Anfrage dazu: "Ich freue mich immer über Verbesserungsvorschläge oder konstruktive Kritik. Insbesondere von denen, die aus meiner Sicht in unserer Gesellschaft meist am wenigsten Gehör finden; nämlich Kinder und Jugendliche. Es ist in den meisten Fällen jedoch ratsam, zunächst das Gespräch zu suchen, um mögliche Missverständnisse aus dem Weg zu räumen und Lösungen zu besprechen. Dies ist leider im Falle der angebrachten Kritik durch Herrn Winter jedoch bislang unterblieben."
"Politisches Engagement ist keine Einbahnstraße"
Unterblieben sei zudem die nach der Satzung des Kinder- und Jugendbeirates erforderliche Einberufung von Sitzungen in den vergangenen knapp zwei Jahren, so der Rathauschef weiter.

Heringens Bürgermeister Daniel Iliev (SPD) Archivbild: O|N/André Söllner
"Um mich nicht falsch zu verstehen: es macht mich stolz, dass die Stadt einen Kinder- und Jugendbeirat hat. Und es freut mich auch, dass es junge Menschen gibt, die sich für ihre Belange einsetzen. Aber auch in Heringen gilt, was überall gilt. Politisches Engagement ist keine Einbahnstraße und wo es Rechte gibt, gibt es auch Pflichten. Nunmehr all seinen Unmut über dem Bürgermeister abzuladen, mag in die heutige Zeit und das Verständnis Mancher über "Politik" passen. Gerecht wird es aber weder den eigenen Ansprüchen gegenüber, noch gegenüber den Forderungen, die man anderen stellt", sagt Iliev.
"Politik muss für alle da sein – unabhängig vom Alter. Dazu gehört auch ein funktionierender Jugendbeirat und künftig echtes Engagement, das über Social-Media-Posts hinausgeht – sowohl vom Bürgermeister als auch von der Verwaltung", sagt der Jugendforums-Vorsitzende Linus Winter.
"Wir wünschen uns ein funktionierendes Gremium"
Beide "Seiten" schauen trotz der geäußerten gegenseitigen Kritik nach vorne. "Wir wünschen uns für unsere Stadt ein funktionierendes Gremium, das die Interessen von Kindern und Jugendlichen vernünftig und pragmatisch in politische Diskussionen einbringt. Dieses Scheitern nehmen wir nicht einfach hin – wir fordern die Verantwortlichen auf, künftig mehr Verantwortung zu übernehmen und die Jugendarbeit in Heringen neu aufzustellen", schreibt das Jugendforum abschließend.

Blick auf Heringen (Werra) Archivbild: O|N/Hans-Hubertus Braune
Und der gescholtene Daniel Iliev erklärt abschließend: "Trotz allem gestehe ich jungen Menschen eine gewisse Schärfe in der politischen Arbeit zu. Als Juso war ich da nicht anders; schließlich geht es ebenfalls darum, ein eigenes Profil zu schärfen. Und so werden wir den Kinder- und Jugendbeirat auch in Zukunft im Vorfeld von städtischen Entscheidungen versuchen, einzubeziehen. Konkret sind dies etwa die anstehende Neugestaltung des Festplatzes zu einem Mehrgenerationenplatz oder bei der Einrichtung eines Jugendraumes im derzeit wegen der Sanierung geschlossenen Bürgerhauses. Hierzu habe ich jedoch auch entsprechende Erwartungen gegenüber dem Gremium und dem Vorsitzenden. Ich freue mich auch weiterhin auf den Austausch mit dem Kinder- und Jugendbeirat und bin fest davon überzeugt, dass der Vorsitzende zeitnah zu einer Sitzung einlädt." (Hans-Hubertus Braune) +++