Abstiegskampf pur ist angesagt, wenn am Freitagabend das DTTL-Schlusslicht auf den Vorletzten trifft. Aber Achtung: In der Liga schweben derzeit sieben von zehn Teams in Abstiegsgefahr, darunter wirklich namhafte Kandidaten, die man eher in den Play-Offs als im Fahrstuhl nach unten vermuten würde. Zudem haben Jülich und Hanau in den letzten Wochen richtig überzeugt, die Hessen zuletzt am Dienstag beim 3:1-Sieg in Frickenhausen. Folglich treffen zwei durchaus bundesligataugliche Mannschaften aufeinander, die sich nichts schenken werden.
Lange dachte man, diese beiden Teams würden nahezu zwingend die Tabellenplätze neun und zehn unter sich ausmachen. Und tatsächlich rangieren die Jülicher derzeit auf dem letzten Platz, auf den sie der gegenwärtige Vorletzte Hanau durch den überzeugenden Erfolg am Dienstagabend in Frickenhausen verdrängt hat. Schaut man sich allerdings die Tabelle der DTTL an, erkennt man schnell, dass am Ende der Runde auch ganz andere Klubs in den sauren Apfel beißen könnten. Zwischen dem Vierten Ochsenhausen und Schlusslicht Jülich liegen ganze zwei Pluspunkte. Auch Bremen, Plüderhausen, Frickenhausen und Grenzau sind nach dem augenblicklichen Stand in den Abstiegskampf involviert – also namhafte Vereine, die eigentlich eher die Play-Offs im Visier hatten und teilweise sogar noch haben. Die Ausgeglichenheit in Europas Topliga ist extrem und beispiellos, ein Mittelfeld im klassischen Sinn gibt es nicht. Entweder man tendiert nach unten – wie zurzeit zwei Drittel der Mannschaften – oder in Richtung der Spitze, was für Fulda, Düsseldorf und Saarbrücken gilt. Wer unten freilich zwei Spiele in Folge gewinnt, steckt sogleich wieder in der erweiterten Spitzengruppe und darf von den Halbfinalspielen im Mai träumen.
Doch zurück zur Freitagspartie, deren Sieger zunächst einmal einen mächtigen Sprung machen wird, während der Unterlegene – im Hinspiel waren dies die Herzogstädter, die ein knappes 2:3 in der hessischen 90.000-Einwohner-Stadt quittieren mussten – längst noch nicht mit der Zweitklassigkeit kalkulieren muss. Diese Konstellation nimmt dem Spiel etwas den vor kurzem noch erwarteten Endspielcharakter. Spannend wird es aber in der Jülicher Nordhalle sicher zugehen, ein einseitiger Langweiler ist gewiss nicht zu erwarten.
Dass sich nicht zwei potenzielle Opferlämmer gegenüberstehen, sondern Teams, die gut in der Liga angekommen sind, beweisen die letzten Resultate. Die auswärts bisher mit sechs Zählern besonders erfolgreiche Roßkopf-Truppe aus der Brüder-Grimm-Stadt gewann in Grenzau und Frickenhausen jeweils 3:1 und musste gegen Bremen eine unglückliche 2:3-Niederlage einstecken. Die heimstarken „indeländer“ gewannen zu Hause gegen Grenzau 3:1 und gegen Frickenhausen 3:2, während man bei Spitzenreiter Fulda ein knappes 2:3 hinnehmen musste und zuletzt beim 1:3 in Ochsenhausen auch alles andere als chancenlos war. In beiden Mannschaften überzeugten in den letzten Wochen zwei Spieler: In der Dimmig-Truppe waren dies Yang Zi und der wieder erstarkte Portugiese Marcos Freitas, beim „Gönnern-Erben“ Altmeister Jörg Roßkopf und der 1,97 Meter lange Siegerländer Komet Steffen Mengel, der Takakiwa und Steger bezwang und im ETTU-Cup gar eine makellose 5:0-Bilanz erspielte. Es gibt keinen Favoriten, die Tagesform der Akteure sowie ein gutes Händchen bei der Aufstellung und natürlich der Faktor Glück werden ausschlaggebend sein.
Dies bekräftigt auch „Mr. Tischtennis“ Jörg Roßkopf, der den Gegner besonders gut kennt: „Das Spiel in Jülich wird nicht leicht werden. Ich habe selbst zwei Jahre dort gespielt und kenne deren Heimstärke. In dieser spannenden Liga hängen Sieg oder Niederlage fast immer von Kleinigkeiten ab.“ TGH-Manager Johannes Herrmann setzt klare Prioritäten und hofft auf den zweiten DTTL-Sieg innerhalb von drei Tagen: „Unser Schwerpunkt liegt natürlich auf dem Spiel gegen Jülich. Der Halbfinal-Einzug im ETTU-Cup wäre ein sehr schönes Zubrot, ist gegenüber der Bundesliga für uns zunächst aber nachrangig zu betrachten. Insbesondere Rossi und auch Steffen, der bereits seit Wochen in bestechender Form spielt, können die Siege in Frickenhausen gebrauchen. Leider ist Chiang immer noch verletzt und hat deshalb dort nur auf der Position 2 gespielt. Ob er in Jülich spielen kann, steht abschließend noch nicht fest. Von den Punkten her muss man sagen, die Liga ist so ausgeglichen wie noch nie. Viele Mannschaften müssen derzeit zittern. Wir haben am Freitag alles selbst in der Hand.“
Jülichs 30-jähriger Trainer Johannes Dimmig äußert sich vor dem Schlüsselpiel – ein solches ist es fraglos, auch wenn danach noch nichts definitiv entschieden ist – eher zurückhaltend und versprüht nicht unbedingt eine Riesenportion Optimismus, auch wenn sich manches als Zweckpessimismus deuten lässt: „Wir haben noch fünf Endspiele zu bestreiten. Das nächste Spiel ist immer das Wichtigste! Der Nachteil für uns ist, dass die anderen sechs Teams auf den Plätzen vier bis neun mindestens ein Endspiel mehr bestreiten dürfen als wir. Die momentane Ausgangslage sieht für uns recht bescheiden aus.“ Dann setzt Dimmig noch einen drauf: „Gegen das vielfältige Know-how des Trainers Helmut Hampl und des neuen Bundestrainers Jörg Roßkopf ankommen zu können, ist für uns eine schwere Aufgabe.“ (Dr. Stephan Roscher) +++